Chiropraktische Behandlung von Babykoliken bzw. Dreimonatskoliken

Babykoliken ist keine Krankheit und keine wissenschaftlich fundierte Diagnose, sondern eine Bezeichnung dafür, dass das Baby mehr als drei Stunden pro Tag schreit und mindestens an drei Tagen in der Woche.

Die Diagnose „Babykoliken“ wird nur bei Kindern, die unter drei Monate alt sind, vorgenommen. Daher wird auch von „Dreimonatskoliken“ gesprochen.

Die ersten Symptome treten häufig im Alter von ein bis vier Wochen auf.

Wie viele Kinder sind von Babykoliken betroffen?

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Chiropraktor Alexander Meier vom Chiropraktor-Haus in Hamburg untersucht die Drehbeweglichkeit des Kopfes eines sechs Wochen alten Säuglings

10% aller Kinder haben Koliken. Von allen Kindern mit Koliken sind nur 40% nach drei Monaten und ohne Behandlung symptomfrei. 12%  aller Kinder haben auch nach sechs Monaten noch Koliken. Einige Kinder haben sogar noch nach Vollendung des ersten Lebensjahrs Koliken.

Kinder, die Babykoliken hatten, haben häufiger als andere Kinder Verhaltensprobleme und Schlafprobleme bis ins Schulalter.

Ursachen für Koliken

Es kann viele Ursachen für Babykoliken bzw. Dreimonatskoliken geben. Neue Forschungsstudien sehen einen Zusammenhang zwischen Koliken und einem der folgenden Faktoren:

  • Überempfindlichkeit auf Milchprotein (1% aller Babys) oder
  • Störungen im Bewegungsapparat oder
  • eine dysfunktionelle Familie.

Oftmals liegt die Ursache für das vermehrte Schreien an Gelenkblockaden in der Wirbelsäule und/oder an Gelenkblockaden im Beckengelenk.

Theorien legen nahe, dass Babykoliken etwas mit der Geburtsmethode zu tun haben. Gelenkblockaden bei Babys entstehen häufig durch die Geburt. Bei einer normalen Geburt lasten 20 kg auf dem Kopf des Babys, bei einer Geburt durch Kaiserschnitt, Saugglocke oder Zange lasten bis zu 40 kg auf dem Kopf des Kindes (hier finden Sie weitere Informationen dazu). In Deutschland wird nach einer schwierigen Geburt nur selten dazu geraten, das Baby auf Gelenkblockaden untersuchen zu lassen. Viele Ärzte und Hebammen erkennen Gelenkblockaden nicht, da sie nicht dafür ausgebildet sind.

Hat das Baby Magenschmerzen?

Es kann sein, dass das Baby mit der Verdauung zu kämpfen hat. Gelenkblockaden in der Wirbelsäule und Gelenkblockaden im Beckengelenk können das Verdauungssystem beeinflussen. Einer der Nerven, die an der Halswirbelsäule verlaufen – der Vagusnerv – versorgt einen Großteil des Magen-Darm-Traktes. Ist dieser Nerv gestört, hat dies negative Auswirkungen auf die Verdauung.

Früher glaubte man, dass Babys wegen Magenschmerzen schreien und die Ursache dafür im Magen selbst liegt. Tatsächlich hat die Diagnose „Baybkolik“ bzw. „Dreimonatskolik“ nichts mit dem Magen als verursachendes Organ für das vermehrte Schreien zu tun, wenn eine Überempfindlichkeit auf Milchprotein ausgeschlossen wurde. Eines von 100 Babys hat eine Kuhmilchallergie. Liegt keine Kuhmilchallergie vor, konnte die Forschung den Magen nicht als das verursachende Organ ausmachen.

Heute konzentriert man sich auf den Muskel-Skelett-Apparat als Ursache für die Babykoliken bzw. Dreimonatskoliken.

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Chiropraktor Alexander Meier untersucht die Wirbelsäule eines 6 Wochen alten Babys

Babykoliken und Auswirkungen

Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Babykoliken und Schlafstörungen sowie ADHS. Dreimonatskoliken können zu Gewalt gegen Kinder führen, insbesondere durch Schütteln des Babys.

Wenn Ihr Baby die Diagnose Babykolik oder Dreimonatskolik erhalten hat und eines der folgenden Symptome aufweist, ist eine Vorstellung bei einem Chiropraktor empfehlenswert:

 

  • mein Baby hat eine Lieblingsseite, zu der es gerne schaut.

  • mein Baby mag es nicht, auf dem Bauch zu liegen.

  • mein Baby mag es nicht, auf dem Rücken zu liegen.

  • mein Baby lässt sich nicht gut stillen.

  • mein Baby bevorzugt beim Stillen eine Brust.

  • mein Baby hat einen platten bzw. unregelmäßig geformten Kopf

  • mein Baby hat eine eingeschränkte Drehbarkeit des Kopfes

Wir vom Chiropraktor-Haus haben umfangreiche Erfahrung mit Behandlungen von Babys und können durch eine Untersuchung leicht feststellen, ob Ihr Baby Gelenkblockaden im Rücken oder im Becken hat. Wenn wir Gelenkblockaden finden, können diese sanft gelöst werden.

Warum sollte ich mit der Diagnose Babykolik bzw. Dreimonatskolik zu einem Chiropraktor gehen?

Ein Chiropraktor hat eine fünfjähriges Universitätsstudium der Medizin mit Fachrichtung Chiropraktik an einer akkreditierten Universität im Ausland abgeschlossen. Er ist im Gegensatz zu Chiropraktikern oder Osteopathen durch seinen langjährigen universitären Ausbildungsweg im Bereich der Chiropraktik inklusive Praktischem Jahr bestens darauf vorbereitet, Behandlungen bei Säuglingen vorzunehmen (Information: Unterschied zwischen Chiropraktor-Chiropraktiker-Osteopath). In anderen Ländern, in denen Chiropraktik ins Gesundheitssystem integriert ist, wie z. B. in Dänemark, arbeiten Chiropraktoren auch in Krankenhäusern und hier auf gynäkologischen Abteilungen.

ACHTUNG: Chiropraktor ist in Deutschland (im Gegensatz zu anderen Ländern) keine rechtlich geschützte Berufsbezeichnung. Auch Behandler ohne 5-jähriges Universitätsstudium der Chiropraktik können sich in Deutschland als Chiropraktor bezeichnen. Chiropraktoren mit 5-jährigem akkreditiertem Universitätsstudium finden Sie nur, indem Sie auf die Ausbildungsstätte des Chiropraktors schauen: Eine Liste akkreditierter Universitäten, deren Absolventen „echte“ Chiropraktoren sind, finden Sie hier.

Forschungsprojekt zu Babykoliken bzw. Dreimonatskoliken

Zu Babykoliken bzw. Dreimonatskoliken wird derzeit ein Forschungsprojekt am Nordischen Institut für Chiropraktik und Klinischer Biomechanik (NIKKB), Dänemark, durchgeführt. Das Forschungsprojekt wird mit 200 Säuglingen im Alter zwischen 2 Wochen und 12 Wochen durchgeführt. Hintergrund ist, dass viele Chiropraktoren und Eltern erleben, dass Chiropraktik bei Babykoliken wirkungsvoll ist, es gleichwohl keine gesicherten wissenschaftlichen Erklärungen über den genauen Wirkmechanismus gibt. Die Studie ist so angelegt, dass die Eltern nicht wissen, ob ihr Kind von einem Chiropraktor behandelt wird oder in der Placebogruppe ist.

Lesen Sie hier einen Debattenbeitrag einer Wissenschaftlerin zum Thema Kolik:

Professorin Lise Hestbæk, Lehrstuhl für Klinische Biomechanik an der Süddänischen Universität (SDU), hat auf einen Debattenbeitrag in der Zeitung Politiken vom 19.01.2020 reagiert. Dort hat der Pädagoge Jesper Kjems, der Vater von drei Kindern ist, wovon zwei die Diagnose Kolik erhalten haben, sich dafür ausgesprochen, die Eltern von Kolikkindern ernst zu nehmen, den Kindern nicht zu bescheinigen, kerngesund zu sein, und den verzweifelten Eltern Unterstützung zu geben. Die Frustration auf Seiten der Eltern würde dadurch weiter gefördert, dass es keine fundierte Behandlung gebe, die die Symptome lindern können, so Kjems. Der Pädagoge hat ein Buch mit dem Titel „Kolik – ein Weg durch die Krise“ geschrieben, das im Herbst veröffentlicht wird. Kjems hat die Vision, dass eines Tages die Ursache der Kolik gefunden werde und eine Kur entwickelt würde.

Quelle: Dansk Kiropraktor Forening 2020

Koliken sind als anhaltendes und unerklärliches Weinen bei einem Kind definiert, das sich ansonsten normal entwickelt, erläutert Professorin Lise Hestbæk. „Kolik“ werde bedauerlicherweise häufig als Diagnose angesehen und vielfach mit Darmproblemen verbunden. Dabei ist Kolik keine Diagnose und keine Krankheit, sondern sagt lediglich etwas über den Zustand „stark weinendes Kind“ (Symptome) aus. Die „Diagnose“ beruht ausschließlich auf Weinen und Weinen kann viele Ursachen haben, so Hestbæk. Die Professorin stellt klar, dass es daher unwahrscheinlich ist, die eine Ursache und im nächsten Schritt Heilung, die allen weinenden Säuglingen hilft, für Koliken zu finden. Wir müssten andere Wege gehen, um besser einzuschätzen, warum das Kind weint, so die Forscherin. Vor einem solchen Hintergrund könne man eine sinnvolle Behandlungsstrategie entwickeln.

Es gebe einige Behandlungsarten mit teilweise dokumentierter Wirkung, so die Forscherin der SDU. Die am besten untersuchten Behandlungen seien Chiropraktik (vom Chiropraktor, zum Unterschied Chiropraktor Chiropraktiker Chirotherapeuth Osteopath) und probiotische Behandlung. Gleichwohl könnten Chiropraktik und probiotische Behandlung nicht allen Babys bei Koliken helfen. Wenn das Baby wegen Gelenkblockaden und Muskelverspannungen schreie, sei es wahrscheinlich, dass Chiropraktik helfen kann, während Probiotika-Behandlung eher helfe, wenn das Weinen von einem gestörten Darmsystem herrühre. Darüber hinaus gebe es Hinweise darauf, dass einige Babys wegen einer Unverträglichkeit gegenüber Kuhmilcheiweiß weinen. In diesem Fall wäre es wahrscheinlich hilfreich, wenn Kuhmilch von der Ernährung ausgeschlossen würde (bzw. die Mutter auf Kuhmilch verzichtet während der Stillzeit). In anderen Fällen hätten die Eltern möglicherweise noch nicht gelernt, wie man das Baby liest – hier kann ein Leistungserbringer Unterstützung geben. Vielleicht habe das Kind auch Ohrenschmerzen. Es gebe mehrere mehr oder weniger wahrscheinliche Ursachen für das Weinen und daraus folgende Optionen für die Behandlung, erläutert Hestbæk.

Es gebe daher keine einzige Ursache und keine einzige Behandlung. Die vernünftigste Strategie bei einem stark weinenden Baby wäre, die wahrscheinlichste Ursache für das Weinen zu identifizieren und eine entsprechende Behandlung zu wählen und auszuprobieren. Hier helfe ein guter Dialog mit einem Leistungserbringer, so Professorin Hestbæk. Wenn die gewählte nicht wirke, solle man die zweitwahrscheinlichste Ursache annehmen und eine entsprechende Behandlung ausprobieren. Sollten die Eltern die richtige Behandlung gewählt haben, sei eine sehr schnelle Wirkung zu erwarten. Man sollte daher nicht wochenlang auf eine Besserung hoffen. Bei keiner der genannten Behandlungen seien schwerwiegende Nebenwirkungen festgestellt worden, so die Forscherin von der SDU.

Mit diesem Beitrag möchte sie dazu ermutigen, sagt Professorin Lise Hestbæk, weinende Babys mit einer nuancierten Brille zu betrachten und einen offenen Dialog über das individuelle Baby als Eltern untereinander und mit Ärzten, Chiropraktoren, Hebammen, Gesundheitsdienstleistern und allen anderen zu führen.

[Anm.: Lise Hestbæk erwähnte Forschung zu Chiropraktik bei Koliken. Hier finden Sie Zusammenfassungen von Forschungsartikeln zu Babykoliken. Zu Babykoliken wird gerade ein Forschungsprojekt am Nordischen Institut für Chiropraktik und Klinische Biomechanik durchgeführt, das den Wirkmechanismus von Chiropraktik bei Babykolik genauer untersuchen soll].

Quelle:

Hestbæk, Lise 2020: Kolik – sygdom eller symptom?, unter: https://www.danskkiropraktorforening.dk/nyheder/2020/kolik-sygdom-eller-symptom/

Chronik der Debatte: https://politiken.dk/debat/kroniken/art7591185/Desperate-for%C3%A6ldre-har-brug-for-anerkendelse-og-st%C3%B8tte

11.02.2020 Ι aus der Forschung