Neuigkeiten aus der Forschung2016-11-30T10:18:09+01:00

Neuigkeiten aus der Forschung

Kognitive Therapie bei Personen mit unspezifischen anhaltenden Rückenschmerzen

Patienten mit unspezifischen anhaltenden Rückenschmerzen, die nicht auf Interventionen des Primärsektors anschlagen, benötigen effektive, nicht kostenintensive Interventionen, die mit einem niedrigen Risiko einhergehen [Anm.: Die Studie fand in Dänemark statt. Unter den Primärsektor fallen in Dänemark niedergelassene Ärzte und Chiropraktoren. Als sekundärer Sektor werden Krankenhäuser definiert]. Die kognitive funktionale Therapie ist ein vielversprechender multimodaler Verhaltensansatz mit einem Selbstmanagementzugang. Die kognitive funktionale Therapie hat vielversprechende Ergebnisse im Primärsektor erzielt und wurde noch nicht im Sekundärsektor getestet.

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Chiropraktor Alexander Meier zeigt, wo die Lendenwirbelsäule ist. Viele Rückenschmerzen sind LWS-bedingt.

Das Ziel der Forscher aus Dänemark und Australien war es, den Effekt von kognitiver funktionaler Therapie zu erforschen und mit dem üblichen Ansatz bei Patienten mit unspezifischen anhaltenden Rückenschmerzen zu vergleichen. Die Studie wurde als fallkontrollierte Studie designt. Sie fand im Sekundärsektor statt und zwar im Rückenzentrum von Süddänemark. [Anm.: Das Rückenzentrum von Süddänemark untersucht, behandelt und führt als spezialisierte Krankenhauseinheit Rückenpatienten aus der ganzen Region Süddänemark. Ärzte oder Chiropraktoren überweisen an das Rückenzentrum. Im Rückenzentrum werden die besonders schweren Fälle behandelt, die nicht auf Behandlungen im Primärsektor anschlagen oder die möglicherweise operiert werden sollten. Operationen werden in Dänemark nicht so leichtfertig wie in Deutschland getätigt, sondern es müssen erst alle konservativen Mittel ausgeschöpft werden, bevor die Dänische staatliche Krankenkasse eine Operation auch nur in Erwägung zieht. Beispielsweise werden in Dänemark Bandscheibenvorfälle kaum operiert. Chiropraktorstudenten an der Süddänischen Universität müssen im Masterstudiengang neun Monate im Rückenzentrum arbeiten, um die besonders schweren Fälle „in die Hände zu bekommen“. Daher sind Chiropraktoren, die in Dänemark studiert haben, bei schwierigen Fällen im Alltag besser gewappnet als Chiropraktoren, die in anderen Staaten studiert haben, wo kein solches Praxisjahr in einem auf Rückenschmerzen spezialisierten Krankenhaus besteht (außer in der Schweiz)].

39 Patienten erhielten eine Intervention mit kognitiver funktionaler Therapie und wurden mit 185 Patienten in der Kontrollgruppe verglichen, die die übliche Intervention erhielten. Das primäre Ergebnis war der Roland Morris Disability Questionnaire [Anm.: ein standardisierter Fragebogen zu Bewegungseinschränkungen]. Die Gruppen-Differenzen beim Zeitpunkt sechs Monate und beim Zeitpunkt 12 Monate wurden mit statistischen Analysen geschätzt.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Zum Zeitpunkt nach sechs Monaten war die Gruppe der kognitiven Therapie statistisch signifikant und klinisch relevant im Behinderungsunterschied besser aufgestellt. Signifikante Unterschiede gab es auch für Rückenschmerzen und Beinschmerzen, Angst, Ängstlichkeit und Katastrophisieren, wobei die Gruppe der kognitiven Therapie begünstigt war [Anm.: Katastrophisieren ist ein Fachbegriff aus der Klinischen Psychologie. Darunter versteht man die Neigung, negative Aspekte einer Situation oder mögliche negative Konsequenzen in übertriebenem Maße wahrzunehmen, darüber zu grübeln oder diese vorauszusehen]. Zum Zeitpunkt von 12 Monaten war der Unterschied kleiner und nicht mehr statistisch signifikant. Die Unterschiede bei Beinschmerzen und bei Angst blieben signifikant die Gruppe der kognitiven Therapie begünstigend. Die Zufriedenheit mit der Behandlung war signifikant höher in der Gruppe der kognitiven Therapie zum Zeitpunkt von sechs Monaten und zum Zeitpunkt von 12 Monaten.

Diese Studienergebnisse unterstützen die Annahme, dass kognitive funktionale Therapie förderlich ist für Patienten mit unspezifischen anhaltenden Rückenschmerzen, die nicht auf Interventionen des Primärsektors anschlagen. Weitere randomisierte [Anm.: zufällige gewählte Studienteilnehmer pro Gruppe] kontrollierte Studien könnten Booster-Sitzungen beinhalten, die in größeren Effekten zum Zeitpunkt von 12 Monaten resultieren könnten.

Quelle:

Ussing, Kasper/Kjær, Per/Smith, Anne/Kent, Peter/Jensen, Rikke/Schiøtty-Christensen, Berit/O’ Sullivan, Peter 2020: Cognitive Functional Therapy for People With Nonspecific Persistent Low Back Pain in a Secondary Care Setting-A Propensity Matched, Case-Control Feasibility Study, in: Pain medicine, 27. März 2020, unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32221554/#affiliation-1 (abgerufen am 09.07.2020)

10.07.2020 Ι aus der Forschung

Kann jede körperliche Aktivität Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen? Nicht diejenige auf der Arbeit

Eine neue Studie hat gezeigt, dass man mit Blick auf die Gesundheitsförderlichkeit von physischer Aktivität zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden sollte. Eine aktive Freizeitgestaltung, bei der weniger Zeit stillsitzend und mehr Zeit mit Gehen und Bewegen auf einem hohen Intensitätsniveau verbracht wird, scheint mit einem niedrigeren systolischen Blutdruck einher zu gehen. Währenddessen scheint dies bei der Arbeit mit einem höheren systolischen Blutdruck verbunden zu sein. Dies ist eines der Hauptergebnisse eines Forschungsprojekts, das auf Daten von Bewegungssensoren basiert.

Forscher und politische Entscheidungsträger benötigen Informationen zum Umfang verschiedener Formen physischer Aktivität und stillsitzender Tätigkeit, um auswerten zu können, wie sie effektive physische Aktivität fördern können und wie sie Risikogruppen für Lebensstilerkrankungen erreichen können. Die Schwierigkeit ist, dass die existierende Forschung zur physischen Aktivität der Bevölkerung auf Selbsteinschätzungen beruht oder auf Zeitmessinstrumenten, die von Bewegungssensoren (z. B. am Handgelenk oder an der Hüfte) gesteuert werden. Dies birgt große Unsicherheiten im Hinblick auf die Datenqualität. Bei den bisher eingesetzten Bewegungssensoren ließ sich nicht auswerten, welche Körperhaltung die Person einnahm (z. B. sitzend oder stehend) und welche Aktivität sie ausübte (z. B. Fahrrad fahren oder gehen). Präzise Messungen von Aktivitätsformen und Körperhaltung können durch Bewegungssensoren ausgeführt werden, wenn diese am Oberschenkel getragen werden. Körperliche Aktivität bei der Arbeit sollte bei Empfehlungen für körperliche Aktivität in der Freizeit berücksichtigt werden.

Physische Aktivität spielt eine große Rolle bei der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dem Gehen wird ein großes Potenzial für die Gesundheit zugeschrieben. Die maximale Sauerstoffaufnahme nimmt gleichwohl mit zunehmendem Alter ab. Daher ist unklar, ob relative Intensität des Gehens hoch genug ist, um die Gesundheit sowohl bei Erwachsenen als auch bei Senioren(über 65-jährige) zu verbessern, oder ob Erwachsene eine Aktivitätsform mit mehr Intensität als Gehen wählen sollten. Dieselbe Art von körperlicher Aktivität ist nicht für jeden geeignet.

Foto: Dansk Kiropraktor Forening und Kiropraktoren Nr.2 2020.

Während nachgewiesen ist, dass körperliche Aktivität in der Freizeit gesundheitsfördernd ist, zeigen neue Studien, dass körperliche Aktivität bei der Arbeit nicht immer gesundheitsfördernd ist, sondern mit einem höheren statt niedrigeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht. Die Dauer der stillsitzenden Tätigkeit und der physischen Aktivität bedingen einander. Bei einem Tag von 24h führt eine längere Zeit im Sitzen zu weniger Zeit für physische Aktivität und anders herum.

Die Studie griff auf Daten der Østerbround-Studie mit zufällig ausgewählten Erwachsenen zurück. Die Teilnehmer mussten einen Fragebogen ausfüllen, wurden einer Gesundheitsprüfung unterzogen, die auch die Messung von systolischem Blutdruck (SBT), Taillenmessung und LDL-Cholesterin beinhaltete und trugen sieben Tage lang Bewegungssensoren, die ihre Beschleunigung maß und am rechten Oberschenkel und der rechten Hüfte festgemacht waren. Geschlecht, Alter, sozioökonomischer Status, Bildungsniveau, BMI wurden mit statistischen Analysen analysiert.

Was waren die Ergebnisse? Die mittlere Zeit für Fahrrad fahren lag bei 8,3min/Tag (61% der Studienteilnehmer fuhren Fahrrad). Die mittlere Gehzeit betrug 83min/Tag und ca. 90% gingen für mehr als 30 min schnell (über 100 Schritte/min). 579min war die mittlere Zeit für Sitzen und ca. 40% der Studienteilnehmer saßen mehr als 10 Stunden/Tag. In den ältesten Altersgruppen, bei Personen mit geringem Bildungsabschluss und bei übergewichtigen Personen wurde eine kürzere Dauer der physischen Aktivität und längeres Sitzen festgestellt. Der Zusammenhang zwischen allen drei Risikofaktoren hängt vom Alter ab. Die Teilnehmer wurden in unter und in über 65-jährige eingeteilt. Bei älteren Menschen war längeres Sitzen und niedrigeres SBT verbunden, bei Erwachsenen nicht. Weniger sitzendes Verhalten und mehr hohe intensive physische Aktivität (HIFA) waren sowohl bei Erwachsenen als auch bei Senioren mit einem niedrigeren SBT- und LDL-Cholesterin einhergehend. Bei Erwachsenen war auch eine schmalere Taille damit verbunden. Weniger Sitzen und mehr Gehen oder mehr physische Aktivität in der Freizeit waren mit niedrigem SBT verbunden, während bei der Arbeit weniger Sitzen und mehr Gehen mit höherem SBT verbunden war. Mehr Gehen wurde assoziiert mit einer größeren Taille und höherem LDL-Cholesterin gleich ob in der Freizeit oder auf der Arbeit. Weniger Sitzen und mehr physische Aktivität ist hingegen sowohl in der Freizeit als auch auf der Arbeit mit einer niedrigeren Taille und einem niedrigeren LDL-Cholesterin verbunden. Jede körperliche Aktivität ist nicht gleichermaßen gesundheitsfördernd. Dies gilt insbesondere für Personen, die auf der Arbeit viel körperliche Aktivität haben. Körperliche Aktivität bei der Arbeit sollte daher Berücksichtigung finden bei Empfehlungen für körperliche Aktivität in der Freizeit.

Quelle: Johansson, Melker 2020: Kan al fysisk aktivitet forebygge hjertekarsygdomme? Ikke nødvendigvis den, der foregår på arbejde, in: Kiropraktoren 2/2020, S. 34-38, https://www.danskkiropraktorforening.dk/nyheder/kiropraktoren/2020/phd-om-fysisk-aktivitet/ (abgerufen am 22.06.2020). Der Artikel ist erschienen in Kiropraktoren: https://issuu.com/kiropraktoren/docs/kiropraktoren0220.

23.06.2020 Ι aus der Forschung

Chiropraktik ist nicht gegen alle Krankheiten anwendbar: Irreführende und nicht evidenz-basierte Behauptungen in Kanada

Die Methode der analytischen Auswertungen von Internetseiten wird zunehmend integriert in die Regulierung des öffentlichen Gesundheitswesens [Anm.: in anderen Staaten als Deutschland]. In den meisten Staaten werden Anbieter des Gesundheitswesens von einer Regulierungsbehörde überwacht, zu deren Aufgaben die Registrierung von Mitgliedern, die Sicherstellung weiterführender Kompetenzen und der Schutz der Öffentlichkeit zählen. Dazu zählen auch Chiropraktoren [Anm.: In Deutschland sind Chiropraktoren im Gegensatz zu anderen Staaten nicht Teil des krankenkassenzugelassenen Gesundheitssystems und müssen sich als Heilpraktiker zulassen]. Die Überwachung von Normeinhaltung (Complicance) auf Websites und bei Aktivität auf Sozialen Medien im Hinblick auf rechtliche Vorschriften erfolgt zunehmend durch Regulierungsbehörden. Die so gewonnenen Daten können Normbrüche identifizieren und disziplinarische Maßnahmen nach sich ziehen. Die kanadische Studie zielte darauf ab, den neuartigen Rückgriff auf Internet Analysen durch eine kanadische Aufsichtsbehörde für Chiropraktoren zu bewerten und die Normeinhaltung der registrierten Chiropraktoren im Hinblick auf drei Vorschriften, nämlich spezifische Gesundheitszustände, Schwangerschaft und COVID-19, festzustellen.

Das College of Chiropractors of British Columbia, eine Regulierungsbehörde, nutzte ein zugeschnittenes Internetsuchwerkzeug (Market Review Tool), um die Websites und Aktivitäten auf Sozialen Medien der bei ihnen registrierten Chiropraktoren zu untersuchen. Die Untersuchungen zogen Wörter heraus, deren Verwendung in bestimmten Kontexten nicht erlaubt ist nach den Richtlinien der Regulierungsbehörde. Zunächst wurde das Internetsuchwerkzeug im Oktober 2018 verwendet, um Wörter, die mit bestimmten Gesundheitszuständen in Verbindung stehen, zu identifizieren. Im Dezember 2019 wurde das Internetsuchwerkzeug erneut verwendet, diesmal um Wörter, die mit Schwangerschaft in Verbindung stehen, zu identifizieren. Im März 2020 wurde das Internetsuchwerkzeug eingesetzt, um Wörter in Verbindung mit COVID-19 zu identifizieren. Zu allen drei Zeitpunkten wurden mögliche Fälle von Irreführung durch die Regulierungsbehörde ausgewertet und in einem zweiten Schritt wurde der betreffende Chiropraktor darüber informiert, dass er innerhalb einer gesetzten Frist die rechtlichen Regulierungen einhalten muss. Nach Ablauf der Frist wurde das Internetsuchwerkzeug erneut eingesetzt, um die Normeinhaltung bestimmen zu können. Diejenigen, die sich nicht an die Normen hielten, wurden vom Ausschuss der Regulierungsbehörde vorgeladen. Die Forschungsstudie verfolgte diesen Prozess und berichtete über die Ergebnisse mit dem Einverständnis der Regulierungsbehörde.

Was ist das erste Wort, was Ihnen einfällt, wenn Sie an Chiropraktik denken? 1.090 Dänen wurden befragt. Das Wort, das am größten abgebildet ist, ist das am meisten genannte Wort. Quelle: Kiropraktoren Nr. 3 2017 S. 43

Die rechtlichen Rahmenbedingungen in Kanada besagen, dass es verboten ist, Gesundheitsvorteile zu bewerben, wenn es keine akzeptable Evidenz dafür gibt, dass diese Vorteile durch Rückgriff auf die angebotene Dienstleistung erreicht werden können. Chiropraktoren sind in Kanada Teil des öffentlich finanzierten Gesundheitssystems [Anm.: wie z. B. auch In Dänemark, in der Schweiz, in Australien, in Großbritannien etc.). Die Regulierungsbehörde setzt sich damit auseinander, dass Chiropraktoren Behauptungen im Marketing oder direkt gegenüber Patienten machen könnten, dass Chiropraktik einen vorteilhaften Effekt auf einige Krankheiten, Störungen und Befindlichkeiten haben könne, wenn es keine akzeptable Evidenz für diese Behauptungen gibt. Daher dürfen Chiropraktoren nicht behaupten, dass Chiropraktik benutzt werden kann, um Alzheimer, Krebs, Diabetes, Infektionen, Unfruchtbarkeit oder das Tourette Syndrom zu behandeln. Es ist weiterhin verboten, zu behaupten, dass Chiropraktik vorteilhafte Effekte auf ADHD, Autismus-Störungen u.ִ a. Asperger Syndrom, zerebrale Kinderlähmung, Down Syndrom, fetales Alkoholsyndrom oder Störungen bei der Entwicklung oder beim Sprechen hat. Hinsichtlich einer Schwangerschaft ist es verboten, zu behaupten, dass Chiropraktik vorteilhafte Effekte auf die Entwicklung und Position des Fötus im Sinne von Steißlage/Steißlagendrehung oder intrauterines Gebärmutterbeschränkung haben kann. Es ist weiterhin verboten, zu behaupten, dass Chiropraktik vorteilhafte Effekte auf Wehen und Geburt im Sinne einer leichteren oder kürzeren Geburt, der Vorbeugung einer Notwendigkeit medizinischer Intervention oder einer frühen oder traumatischen Geburt habe oder vorteilhafte Effekte auf Hormonfunktion und Wochenbettdepression habe.

Die Vorbeugung und Behandlung von Infektionskrankheiten liegt nicht im Bereich der Chiropraktik bzw. der Zuständigkeit von Chiropraktoren. Von daher ist es verboten, zu behaupten, dass Chiropraktik einen Effekt auf Infektionskrankheiten wie COVID-19 habe. [Anm.: Dazu hat sich auch die Weltgesundheitsorganisation geäußert: siehe unsere Pressemitteilung Chiropraktik gegen Corona? Keine Evidenz gefunden]

[Anm.: In Deutschland bestehen keine Vorschriften darüber, dass nur evidenz-basierte Dienstleistungen beworben werden dürfen. So findet sich auch auf Websiten von Chiropraktoren, die in Deutschland praktizieren, Formulierungen wie „Chiropraktik stärkt nachweislich das Immunsystem. Dies möchten wir Ihnen besonders jetzt ermöglichen“ [Anm.: in Corona-Zeiten] (Quelle: Website eines Mitglieds der Deutschen Chiropraktoren Gesellschaft)].

Zu welchen Ergebnissen kamen die Forscher bei ihrer Studie zur Normeinhaltung gegenüber der kanadischen Regulierungsbehörde? Es wurden im Herbst 2018 250 unangemessene Erwähnungen bestimmter Gesundheitszustände entdeckt bei ca. 1.250 registrierten Chiropraktorpraxen. Davon hielten zwei Praxen die Normen auch nach Aufforderung nicht ein. Bei der Auswertung zum Thema Schwangerschaft wurden bei 1.350 registrierten Chiropraktorpraxen 83 irreführende Bemerkungen identifiziert. Alle hielten die Rechtsnormen nach Ablauf der Frist ein. Im Hinblick auf irreführende Wörter rund um COVID-19 wurden 97 irreführende Erwähnungen des Wortes „immun“ identifiziert bei 1.350 registrierten Chiropraktorpraxen, wovon sieben nach Ablauf der Frist die Rechtsnorm nicht einhielten.

Internetanalysen sind ein effektives Werkzeug für Regulierungsbehörden, die Internetaktivität der bei ihnen registrierten Praxen zu überwachen, um die Öffentlichkeit von irreführenden Behauptungen zu schützen, so die Forschergruppe. Die beschriebenen Prozesse waren effektiv darin, schnelle Normeinhaltung herbeizuführen. Aufgrund des zunehmenden Volumens der Internetaktivität von Anbietern im Gesundheitswesen sind Internetanalysen eine wichtige Ergänzung für Regulierungsbehörden, um die Öffentlichkeit zu schützen, der sie dienen.

Quelle:

Kawchuk, Greg/Hartvigsen, Jan/Innes, Stan/Simpson, J. Keith/Gushaty, Brian 2020: The use of internet analytics by a Canadian provincial chiropractic regulator to monitor, evaluate and remediate misleading claims regarding specific health conditions, pregnancy, and COVID-19, unter: https://chiromt.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12998-020-00314-9 (abgerufen am 03.06.2020)

05.06.2020 Ι aus der Forschung

Ischiasschmerzen und Medikamente: Versuch mit Pregabalin

Ischias kann einschränkend sein und es gibt nur begrenzte Evidenz für eine Behandlung mit Medikamenten [Anm.: Evidenz ist der eindeutiger wissenschaftliche Nachweis aufgrund Studien, die höchsten wissenschaftlichen Standards genügen]. Ischias ist verbunden mit ausstrahlendem Schmerz auf der Hinterseite des Beines oder auf der Hinter- und Außenseite des Beines und tritt manchmal zusammen mit Rückenschmerzen, Gefühlsverlust, Schwäche und abnormen Reflexen auf.

Ischiasschmerzen, Quelle: http://www.kiropraktorguide.dk/nyhedsbreve/tidligere-nyhedsbreve/iskias-hvad-er-det-og-hvordan-behandles-det (abgerufen am 19.05.2020)

Der Wirkstoff Pregabalin ist effektiv bei der Behandlung von einigen Arten von neuropathischen Schmerzen. Das Forscherteam untersuchte, ob Pregabalin auch die Intensität von Ischias reduzieren kann.

Es wurde ein zufälliger, doppeltgeblendeter, placebo-kontrollierter Versuch mit Pregabalin bei Patienten mit Ischias durchgeführt. Die Patienten wurden zufällig in zwei Gruppen geteilt: Die eine Gruppe erhielt Pregabalin mit 150mg pro Tag, das angepasst wurde auf eine maximale Dosis von 600mg pro Tag, während die andere Gruppe einen Placebo-Tablette erhielt. Der Versuch wurde über einen Zeitraum von acht Wochen durchgeführt. Die Forscher maßen die Beinschmerzen-Intensität mit einer Beinschmerzen-Intensitätsskala mit 10 Punkten (0 hieß kein Schmerz und 10 hieß der größtmögliche Schmerz) in Woche acht. Der Beinschmerz wurde anhand der Beinschmerz-Intensitätsskala erneut in Woche 52 gemessen. Als weitere sekundäre Ergebnisse wurden das Ausmaß der Bewegungseinschränkung, die Rückenschmerz-Intensität und die Lebensqualität zu vorgegebenen Zeitpunkten im Verlauf eines Jahres gemessen.

209 Patienten waren die Basis dieser Forschungsstudie. Die Patienten hatten moderate bis schwere Ischiasschmerzen von unterschiedlicher Dauer. Die meisten hatten Ischias seit weniger als drei Monaten. 108 Patienten erhielten Pregabalin und 101 erhielten einen Placebo. Zwei der zufällig ausgewählten Patienten in der Pregabalingruppe wurden als nicht tauglich eingestuft und von der Studie ausgeschlossen.

In Woche acht lag der durchschnittliche nicht angepasste Beinschmerzen-Intensitätswert bei 3,7 in der Pregabalingruppe und bei 3,1 in der Placebogruppe. In Woche 52 lag der durchschnittliche nicht angepasste Beinschmerz-Intensitätswert bei 3,4 in der Pregabalingruppe und bei 3,0 in der Placebogruppe. Keine signifikanten Unterschiede im Hinblick auf Ausmaß der Bewegungseinschränkungen, Rückenschmerz-Intensität und Lebensqualität wurden in Woche acht und Woche 52 festgestellt. Insgesamt wurden 227 Nebenwirkungen in der Pregabalingruppe beobachtet und 124 in der Placebogruppe. Schwindel war verbreiteter in der Pregabalingruppe als in der Placebogruppe.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Die Behandlung mit Pregabalin reduzierte die Intensität der Beinschmerzen, die mit Ischias einhergehen, nicht signifikant und verbesserte keine anderen Messergebnisse im Vergleich mit Placebo über einen Zeitraum von acht Wochen. Das Vorkommen von Nebenwirkungen war signifikant höher in der Pregabalingruppe als in der Placebogruppe.

Quelle:

Mathieson, Stephanie/Maher, Christopher/McLachlan, Andrew/Latimer, Jane/Koes, Bart/Hancock, Mark/Harris, Ian/Day, Richard/Billot, Laurent/Pik, Justin/Jan, Stephen/Lin, Christine 2020: Trial of Pregabalin for Acute and Chronic Sciatica, in: the New England Journal of Medizicine, unter: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1614292?url_ver=Z39.88-2003&rfr_id=ori:rid:crossref.org&rfr_dat=cr_pub%20%200pubmed (abgerufen am 14.05.2020)

Professor Jan Hartvigsen (Süddänische Universität) kommentierte die Studie wie folgt: „Es gibt eine neue systematische Studie […]. Pregabalin oder Gabapentin sind NICHT effektiv bei Rückenschmerzen im unteren Rücken, Ischias, Spinalkanalstenose oder episodischer Migräne. Das sieht nicht gut aus für die medikamentöse Behandlung von Patienten mit Rückenschmerzen im unteren Rücken…“.

19.05.2020 Ι aus der Forschung

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Katastrophisieren, Angst vor Bewegung, Ängste, Depression und Rückenschmerzen

Psychologische Aspekte sind ein bedeutender Faktor bei der Entwicklung und dem Fortschreiten von Rückenschmerzen im unteren Rücken (Lendenwirbelsäule). Ihre Rolle für andauernde schwere Rückenschmerzen ist gleichwohl unklar.

Quelle: Kiropraktoren Nr. 2 2018 S. 13

Das Ziel der Forschergruppe aus Dänemark und Australien war es, die Beziehung zwischen Katastrophisieren, Depression, Angst vor Bewegung, Ängsten und andauernden schweren Rückenschmerzen im unteren Rücken und Bewegungseinschränkungen zu erforschen. Das Forschungsdesign war als einjährige Kohortenstudie angelegt. Die Teilnehmer wurden aus dem SpineData-Register (Wirbelsäulendatenregister) (Dänemark) ausgewählt. Das SpineData-Register enthält die Daten von Personen mit Rückenschmerzen im unteren Rücken mit einer Dauer zwischen zwei und 12 Monaten und Nervendruck (Radikulopathie) und ohne befriedigende Reaktion einer primären Intervention. [Anmerkung: In den skandinavischen Staaten gibt es langzeitübergreifende Datensammlungen von Gesundheitsdaten der Bevölkerung, die für Forschungszwecke zur Verfügung stehen. Auf Gesundheitsdaten der Bevölkerung kann über die staatliche Personenregisternummer leicht zugegriffen werden. Das kann man sich so vorstellen, als ob die Gesundheitsdaten in Deutschland mit der Personalausweisnummer verknüpft wären.] Psychologische Charakteristika, darunter Katastrophisieren, Depression, Angst vor Bewegung und Ängste, wurden zu einem Ausgangszeitpunkt untersucht und zwar unter Rückgriff auf einen bewertenden Fragebogen. [Anmerkung: Katastrophisieren – das ist ein Fachbegriff aus der Klinischen Psychologie. Darunter versteht man die Neigung, negative Aspekte einer Situation oder mögliche negative Konsequenzen in übertriebenem Maße wahrzunehmen, darüber zu grübeln oder diese vorauszusehen.] Aktueller, typischer und schlimmster Schmerz in den letzten zwei Wochen wurde bewertet durch eine numerische 11-Punkte-Skala. Ein durchschnittliches Schmerzlevel wurde berechnet. Bewegungseinschränkungen wurden gemessen, indem auf den 23-Item Roland-Morris-Bewegungseinschränkungs-Fragenbogen zurückgegriffen wurde.

Die Studienteilnehmer füllten Fragebogen zu Beginn der Studie aus bei der ersten Vorstellung im Rückenzentrum (Middelfart, Dänemark) [Anmerkung: Das Rückenzentrum in Middelfart gehört zum Krankenhaus Lillebælt und ist für die besonders schweren Fälle zuständig. Dorthin wird typischerweise vor der Entscheidung, ob eine Operation durchgeführt werden sollte, überwiesen. Operationen werden in Dänemark nicht so leichtfertig wie in Deutschland getätigt, sondern es müssen erst alle konservativen Mittel ausgeschöpft werden, bevor die Dänische staatliche Krankenkasse eine Operation auch nur in Erwägung zieht. Beispielsweise werden in Dänemark Bandscheibenvorfälle kaum operiert. Alle Chiropraktor-Studenten, die in Dänemark das 5-jährige Studium Klinische Biomechanik absolvieren, müssen im Masterstudiengang ein 9 monatiges Hands-on-Praktikum im Rückenzentrum in Middelfart machen, um besonders schwere Fälle kennen zu lernen und behandeln zu können. Dies unterscheidet das Universitätsstudium in Dänemark qualitativ deutlich von den Chiropraktor-Studiengängen in anderen europäischen Staaten (außer der Schweiz).] Fragebogen wurden im weiteren Studienverlauf elektronisch gesendet und zurückgeschickt. Mit statistischen Analyseverfahren wurde die Beziehung zwischen psychologischen Faktoren und der Anzahl der Episoden von schwerem Schmerz oder Bewegungseinschränkung untersucht. Die Studie erhielt keine direkte Förderung von irgendeiner Institution.

Von den 952 Teilnehmern zum Beginn der Studie, stellten 633 (63,4%) ein Jahr später Daten bereit. Fast die Hälfte der Teilnehmer berichtete von schweren Rückenschmerzen im unteren Rücken (299, 47,2%) oder Bewegungseinschränkungen (315, 57,6%) mindestens zu einem Zeitpunkt. 14,9% der Teilnehmer erlebten schwere Rückenschmerzen im unteren Rücken und 24,3% der Teilnehmer erlebten Bewegungseinschränkungen zu mindestens zwei Zeitpunkten. Analytische Verfahren (multivariable Poisson regression) zeigten eine Beziehung zwischen Katastrophisierung, Depression, Angst vor Bewegung und Ängsten und eine höhere Anzahl von Zeitpunkten mit schweren Rückenschmerzen im unteren Rücken und Bewegungseinschränkungen, nachdem für Alter, Geschlecht, Body Mass Index, und Dauer der Symptome kontrolliert worden war. Wenn alle psychologischen Faktoren in das statistische Analysemodell (Regression) hinzugefügt wurden, blieb ein signifikanter Zusammenhang nur mit Katastrophisierung und Depression.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Die Studie zeigt, dass andauernde schwere Rückenschmerzen im unteren Rücken und Bewegungseinschränkungen verbreitet sind in einer sekundären Behandlungspopulation mit Rückenschmerzen im unteren Rücken. Andauernde schwere Rückenschmerzen im unteren Rücken und Bewegungseinschränkungen stehen in Zusammenhang mit verschiedenen psychologischen Risikofaktoren, insbesondere mit Katastrophisieren und Depression. Die Studie zeigt, dass es wichtig ist, diese psychologischen Faktoren im Design und Evaluation der Behandlungsergebnis-Studien für Rückenschmerzen im unteren Rücken zu bedenken.

Quelle:

Ranger, TA/Cicuttini,FM/Jensen, TS/Manniche, C/Heritier S/Urquhart, DM 2020: Catastrophization, fear of movement, anxiety, and depression are associated with persistent, severe low back pain, and disability, in: The Spine Journal – official journal of the North American Spine Society, unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32045707 (abgerufen am 24.04.2020)

27.04.2020 Ι aus der Forschung