Das dänisch-niederländische Forscherteam wollte das Vorkommen degenerativer lumbaler Spinalstenose bei Erwachsenen schätzen. Degenerative lumbale Spinalstenose sollte anhand klinischer Symptome und/oder radiologischen Kriterien identifiziert werden. Die Forscher griffen dazu auf eine systematische Durchsicht von wissenschaftlichen Artikeln zurück.

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Spinalkanalstenose ist eine altersbedingte Veränderung im unteren Rücken, die den Raum im Wirbelkanal verringern kann.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Insgesamt wurden 41 Forschungsartikel ausgewertet, die 55 Studienpopulationen umfassten. Das allgemeine Risiko für Bias wurde in zwei Drittel der Forschungsartikel für hoch gehalten. [Anm.: Als Bias wird in der Wissenschaft eine Verzerrung bzw. ein systematischer Fehler bezeichnet, der durch eine unzureichende Versuchsplanung entsteht (z. B. durch eine nicht repräsentative Stichprobe). Wenn also z.B. Studienteilnehmer gewählt werden, die sowieso etwas haben oder in einer Risikogruppe sind, ist die Wahrscheinlichkeit höher etwas zu finden]. Das mittlere Vorkommen, basierend auf einer klinischen Diagnose von lumbaler Spinalstenose in der Allgemeinbevölkerung, lag bei 11 %. Das Vorkommen war am höchsten in den verschiedenen klinischen Populationen: Bei 25% unter Patienten, die in hausärztlicher Behandlung waren (primary care), 29% unter Patienten, die in fachärztlicher Behandlungen waren, wohin sie vom Erstbehandler überwiesen wurden (secondary care) sowie 39% für Patienten, die sowohl in hausärztlicher als auch in fachärztlicher Behandlung waren (mixed primary and seconday care).  Wenn die Diagnose lumbale Spinalstenose auf Bilddiagnostik (radiologische Diagnose) basierte, war das Vorkommen 15-32% in der klinischen Population (bei 15% bei Patienten in hausärztlicher Behandlung, bei 32% bei Patienten in fachärztlicher Behandlung und bei 21% in der gemischten Gruppe (mixed primary and secondary care). Basierend auf einer radiologischen Diagnose, lag das zusammengerechnete Vorkommen bei 11% in der asymptomatischen Bevölkerung und bei 38% in der Allgemeinbevölkerung.

Das mittlere Vorkommen lumbaler Spinalstenose basierend auf klinischen Diagnosen variiert zwischen 11% und 39% und die Schätzungen basierend auf radiologischen Diagnosen variieren zwischen 11% und 38%. Die Ergebnisse basieren auf Studien mit hohem Risiko für Bias und daher sollte das gepoolte Vorkommen mit Vorsicht interpretiert werden. Im Hinblick auf eine zunehmend ältere Population werden Forschungsarbeiten mit niedrigem Risiko für Bias benötigt, die klinische und radiologische Diagnosekriterien für lumbale Spinalstenose durchleuchten.

Quelle:

Krüger Jensen, Rikke/Jensen, Tue Secher/Koes, Bart/Hartvigsen, Jan 2020: Prevalence of lumbar spinal stenosis in general and clinical populations: a systematic review and meta-analysis, in: European Spine Journal 29, 2143-2163, unter: https://link.springer.com/article/10.1007/s00586-020-06339-1 (abgerufen am 04.11.2020)

05.11.2020 Ι aus der Forschung