Patienten mit unspezifischen anhaltenden Rückenschmerzen, die nicht auf Interventionen des Primärsektors anschlagen, benötigen effektive, nicht kostenintensive Interventionen, die mit einem niedrigen Risiko einhergehen [Anm.: Die Studie fand in Dänemark statt. Unter den Primärsektor fallen in Dänemark niedergelassene Ärzte und Chiropraktoren. Als sekundärer Sektor werden Krankenhäuser definiert]. Die kognitive funktionale Therapie ist ein vielversprechender multimodaler Verhaltensansatz mit einem Selbstmanagementzugang. Die kognitive funktionale Therapie hat vielversprechende Ergebnisse im Primärsektor erzielt und wurde noch nicht im Sekundärsektor getestet.

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Chiropraktor Alexander Meier zeigt, wo die Lendenwirbelsäule ist. Viele Rückenschmerzen sind LWS-bedingt.

Das Ziel der Forscher aus Dänemark und Australien war es, den Effekt von kognitiver funktionaler Therapie zu erforschen und mit dem üblichen Ansatz bei Patienten mit unspezifischen anhaltenden Rückenschmerzen zu vergleichen. Die Studie wurde als fallkontrollierte Studie designt. Sie fand im Sekundärsektor statt und zwar im Rückenzentrum von Süddänemark. [Anm.: Das Rückenzentrum von Süddänemark untersucht, behandelt und führt als spezialisierte Krankenhauseinheit Rückenpatienten aus der ganzen Region Süddänemark. Ärzte oder Chiropraktoren überweisen an das Rückenzentrum. Im Rückenzentrum werden die besonders schweren Fälle behandelt, die nicht auf Behandlungen im Primärsektor anschlagen oder die möglicherweise operiert werden sollten. Operationen werden in Dänemark nicht so leichtfertig wie in Deutschland getätigt, sondern es müssen erst alle konservativen Mittel ausgeschöpft werden, bevor die Dänische staatliche Krankenkasse eine Operation auch nur in Erwägung zieht. Beispielsweise werden in Dänemark Bandscheibenvorfälle kaum operiert. Chiropraktorstudenten an der Süddänischen Universität müssen im Masterstudiengang neun Monate im Rückenzentrum arbeiten, um die besonders schweren Fälle „in die Hände zu bekommen“. Daher sind Chiropraktoren, die in Dänemark studiert haben, bei schwierigen Fällen im Alltag besser gewappnet als Chiropraktoren, die in anderen Staaten studiert haben, wo kein solches Praxisjahr in einem auf Rückenschmerzen spezialisierten Krankenhaus besteht (außer in der Schweiz)].

39 Patienten erhielten eine Intervention mit kognitiver funktionaler Therapie und wurden mit 185 Patienten in der Kontrollgruppe verglichen, die die übliche Intervention erhielten. Das primäre Ergebnis war der Roland Morris Disability Questionnaire [Anm.: ein standardisierter Fragebogen zu Bewegungseinschränkungen]. Die Gruppen-Differenzen beim Zeitpunkt sechs Monate und beim Zeitpunkt 12 Monate wurden mit statistischen Analysen geschätzt.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Zum Zeitpunkt nach sechs Monaten war die Gruppe der kognitiven Therapie statistisch signifikant und klinisch relevant im Behinderungsunterschied besser aufgestellt. Signifikante Unterschiede gab es auch für Rückenschmerzen und Beinschmerzen, Angst, Ängstlichkeit und Katastrophisieren, wobei die Gruppe der kognitiven Therapie begünstigt war [Anm.: Katastrophisieren ist ein Fachbegriff aus der Klinischen Psychologie. Darunter versteht man die Neigung, negative Aspekte einer Situation oder mögliche negative Konsequenzen in übertriebenem Maße wahrzunehmen, darüber zu grübeln oder diese vorauszusehen]. Zum Zeitpunkt von 12 Monaten war der Unterschied kleiner und nicht mehr statistisch signifikant. Die Unterschiede bei Beinschmerzen und bei Angst blieben signifikant die Gruppe der kognitiven Therapie begünstigend. Die Zufriedenheit mit der Behandlung war signifikant höher in der Gruppe der kognitiven Therapie zum Zeitpunkt von sechs Monaten und zum Zeitpunkt von 12 Monaten.

Diese Studienergebnisse unterstützen die Annahme, dass kognitive funktionale Therapie förderlich ist für Patienten mit unspezifischen anhaltenden Rückenschmerzen, die nicht auf Interventionen des Primärsektors anschlagen. Weitere randomisierte [Anm.: zufällige gewählte Studienteilnehmer pro Gruppe] kontrollierte Studien könnten Booster-Sitzungen beinhalten, die in größeren Effekten zum Zeitpunkt von 12 Monaten resultieren könnten.

Quelle:

Ussing, Kasper/Kjær, Per/Smith, Anne/Kent, Peter/Jensen, Rikke/Schiøtty-Christensen, Berit/O’ Sullivan, Peter 2020: Cognitive Functional Therapy for People With Nonspecific Persistent Low Back Pain in a Secondary Care Setting-A Propensity Matched, Case-Control Feasibility Study, in: Pain medicine, 27. März 2020, unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32221554/#affiliation-1 (abgerufen am 09.07.2020)

10.07.2020 Ι aus der Forschung