Eine neue Studie hat gezeigt, dass man mit Blick auf die Gesundheitsförderlichkeit von physischer Aktivität zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden sollte. Eine aktive Freizeitgestaltung, bei der weniger Zeit stillsitzend und mehr Zeit mit Gehen und Bewegen auf einem hohen Intensitätsniveau verbracht wird, scheint mit einem niedrigeren systolischen Blutdruck einher zu gehen. Währenddessen scheint dies bei der Arbeit mit einem höheren systolischen Blutdruck verbunden zu sein. Dies ist eines der Hauptergebnisse eines Forschungsprojekts, das auf Daten von Bewegungssensoren basiert.

Forscher und politische Entscheidungsträger benötigen Informationen zum Umfang verschiedener Formen physischer Aktivität und stillsitzender Tätigkeit, um auswerten zu können, wie sie effektive physische Aktivität fördern können und wie sie Risikogruppen für Lebensstilerkrankungen erreichen können. Die Schwierigkeit ist, dass die existierende Forschung zur physischen Aktivität der Bevölkerung auf Selbsteinschätzungen beruht oder auf Zeitmessinstrumenten, die von Bewegungssensoren (z. B. am Handgelenk oder an der Hüfte) gesteuert werden. Dies birgt große Unsicherheiten im Hinblick auf die Datenqualität. Bei den bisher eingesetzten Bewegungssensoren ließ sich nicht auswerten, welche Körperhaltung die Person einnahm (z. B. sitzend oder stehend) und welche Aktivität sie ausübte (z. B. Fahrrad fahren oder gehen). Präzise Messungen von Aktivitätsformen und Körperhaltung können durch Bewegungssensoren ausgeführt werden, wenn diese am Oberschenkel getragen werden. Körperliche Aktivität bei der Arbeit sollte bei Empfehlungen für körperliche Aktivität in der Freizeit berücksichtigt werden.

Physische Aktivität spielt eine große Rolle bei der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dem Gehen wird ein großes Potenzial für die Gesundheit zugeschrieben. Die maximale Sauerstoffaufnahme nimmt gleichwohl mit zunehmendem Alter ab. Daher ist unklar, ob relative Intensität des Gehens hoch genug ist, um die Gesundheit sowohl bei Erwachsenen als auch bei Senioren(über 65-jährige) zu verbessern, oder ob Erwachsene eine Aktivitätsform mit mehr Intensität als Gehen wählen sollten. Dieselbe Art von körperlicher Aktivität ist nicht für jeden geeignet.

Foto: Dansk Kiropraktor Forening und Kiropraktoren Nr.2 2020.

Während nachgewiesen ist, dass körperliche Aktivität in der Freizeit gesundheitsfördernd ist, zeigen neue Studien, dass körperliche Aktivität bei der Arbeit nicht immer gesundheitsfördernd ist, sondern mit einem höheren statt niedrigeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht. Die Dauer der stillsitzenden Tätigkeit und der physischen Aktivität bedingen einander. Bei einem Tag von 24h führt eine längere Zeit im Sitzen zu weniger Zeit für physische Aktivität und anders herum.

Die Studie griff auf Daten der Østerbround-Studie mit zufällig ausgewählten Erwachsenen zurück. Die Teilnehmer mussten einen Fragebogen ausfüllen, wurden einer Gesundheitsprüfung unterzogen, die auch die Messung von systolischem Blutdruck (SBT), Taillenmessung und LDL-Cholesterin beinhaltete und trugen sieben Tage lang Bewegungssensoren, die ihre Beschleunigung maß und am rechten Oberschenkel und der rechten Hüfte festgemacht waren. Geschlecht, Alter, sozioökonomischer Status, Bildungsniveau, BMI wurden mit statistischen Analysen analysiert.

Was waren die Ergebnisse? Die mittlere Zeit für Fahrrad fahren lag bei 8,3min/Tag (61% der Studienteilnehmer fuhren Fahrrad). Die mittlere Gehzeit betrug 83min/Tag und ca. 90% gingen für mehr als 30 min schnell (über 100 Schritte/min). 579min war die mittlere Zeit für Sitzen und ca. 40% der Studienteilnehmer saßen mehr als 10 Stunden/Tag. In den ältesten Altersgruppen, bei Personen mit geringem Bildungsabschluss und bei übergewichtigen Personen wurde eine kürzere Dauer der physischen Aktivität und längeres Sitzen festgestellt. Der Zusammenhang zwischen allen drei Risikofaktoren hängt vom Alter ab. Die Teilnehmer wurden in unter und in über 65-jährige eingeteilt. Bei älteren Menschen war längeres Sitzen und niedrigeres SBT verbunden, bei Erwachsenen nicht. Weniger sitzendes Verhalten und mehr hohe intensive physische Aktivität (HIFA) waren sowohl bei Erwachsenen als auch bei Senioren mit einem niedrigeren SBT- und LDL-Cholesterin einhergehend. Bei Erwachsenen war auch eine schmalere Taille damit verbunden. Weniger Sitzen und mehr Gehen oder mehr physische Aktivität in der Freizeit waren mit niedrigem SBT verbunden, während bei der Arbeit weniger Sitzen und mehr Gehen mit höherem SBT verbunden war. Mehr Gehen wurde assoziiert mit einer größeren Taille und höherem LDL-Cholesterin gleich ob in der Freizeit oder auf der Arbeit. Weniger Sitzen und mehr physische Aktivität ist hingegen sowohl in der Freizeit als auch auf der Arbeit mit einer niedrigeren Taille und einem niedrigeren LDL-Cholesterin verbunden. Jede körperliche Aktivität ist nicht gleichermaßen gesundheitsfördernd. Dies gilt insbesondere für Personen, die auf der Arbeit viel körperliche Aktivität haben. Körperliche Aktivität bei der Arbeit sollte daher Berücksichtigung finden bei Empfehlungen für körperliche Aktivität in der Freizeit.

Quelle: Johansson, Melker 2020: Kan al fysisk aktivitet forebygge hjertekarsygdomme? Ikke nødvendigvis den, der foregår på arbejde, in: Kiropraktoren 2/2020, S. 34-38, https://www.danskkiropraktorforening.dk/nyheder/kiropraktoren/2020/phd-om-fysisk-aktivitet/ (abgerufen am 22.06.2020). Der Artikel ist erschienen in Kiropraktoren: https://issuu.com/kiropraktoren/docs/kiropraktoren0220.

23.06.2020 Ι aus der Forschung