Die Forschergruppe aus Frankreich untersuchte chiropraktische Eingriffe an der Wirbelsäule und Druckschmerz bei jungen Studienteilnehmern, die keine Symptome hatten. [Anmerkung: Der Effekt auf den Druckschmerz bei asymptomatischen Patienten ist insofern von Interesse, als Patienten mit Symptomen immer wieder von empfindlicheren oder schmerzhafteren Bereichen nach einem chiropraktischen Eingriff berichten.] Es wurde [in früheren Forschungsergebnissen] gezeigt, dass chiropraktische Eingriffe an der Wirbelsäule eine Auswirkung auf die Schwelle von Druckschmerz bei Personen ohne Symptome haben, gleichzeitig wurde dies noch nicht mit einem Placebo-Prozedur verglichen. Die Forscher untersuchten den Effekt von chiropraktischen Eingriffen an der Wirbelsäule auf die Druckschmerzschwelle bei (1) Messung im Bereich der Intervention und (2) in einem Bereich fern der Intervention. Zusätzlich wurden die Größe und Dauer der Auswirkung gemessen.

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Chiropraktor Alexander Meier erläutert, wo sich die Brustwirbelsäule befindet.

In einem zufälligen Versuch wurden von 50 Chiropraktikstudenten ohne Symptome die Druckschmerzschwelle zum Ausgangszeitpunkt, sofort nach der Intervention und alle 12min nach der Intervention über einen Zeitraum von 45min gemessen, indem die Werte nach dem chiropraktischen Eingriff an der Wirbelsäule und ein zuvor bewerteter Scheinbehandlung verglichen wurden. Der Versuch wurde in zwei Sitzungen erhoben, zwischen denen 48 Stunden lagen. Die Druckschmerzschwelle wurde sowohl in dem Bereich als auch fern des „behandelten“ Wirbelsäulensegment in der Brustwirbelsäule gemessen. Die Blendung der Teilnehmer wurde getestet mit einem Fragebogen, der nach der Intervention ausgefüllt werden musste. [Anmerkung: Blendung bzw. blinding bedeutet, dass die Studienteilnehmer nicht wissen, wann tatsächlich ein Eingriff stattfindet und wann ein Scheineingriff eingesetzt wird]. Die Forscher werteten die Ergebnisse statistisch aus. Wenn ein signifikanter Unterschied zwischen zwei Gruppen gefunden wurde, wurde eine Effektgröße berechnet. Die statistische Signifikanz wurde auf p < 0.05 gesetzt [Anmerkung: p < 0.05 bedeutet: Ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ergebnis zufällig entstanden ist, kleiner als 5%, gilt es als signifikantes Ergebnis].

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Die Versuchsteilnehmer wurden erfolgreich geblindet [Anmerkung: Das heißt, sie wussten nicht, wann tatsächlich ein Eingriff stattfand und wann es ein Scheineingriff war]. Es wurden keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen einem chiropraktischen Eingriff an der Wirbelsäule und Täuschungseingriffen gefunden und zwar zu jedem Zeitpunkt und in jedem anatomischen Bereich.

Der Vergleich zu validierten Scheinprozeduren und mit erfolgreich geblindeten Studienteilnehmern ergab keinen regionalen oder entfernten Effekt eines chiropraktischen Eingriffs an der Wirbelsäule in der Brustwirbelsäule auf die Druckschmerzschwelle bei jungen schmerzfreien Personen.

[Anmerkung: Der Versuch bestätigt, dass es eine körperliche Reaktion auf das Lösen von Gelenkblockaden bei Patienten mit Symptomen ist, wenn ein Körperbereich empfindlicher bzw. schmerzhafter wird. Bei Patienten ohne Symptome passiert bei der gleichen Behandlung nichts.].

Quelle:

Honoré, Margaux/Picchiottino, Mathieu/Wedderkopp, Niels/Leboef-Yde, Charlotte/Gagey, Olivier 2020: What is the effect of spinal manipulation on the pressure pain threshold in young, asymptomatic subjects? A randomized placebo-controlled trial, with a cross-over design, in: Chiropractic & Manual Therapies 28, unter: https://chiromt.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12998-020-0296-1 (abgerufen am 12.03.2020).

16.03.2020 Ι aus der Forschung