Neue Forschungsergebnisse können die Überdiagnose von Wirbelsäulengicht (Spondylitis bzw. Spondylarthritis bzw. Spondyloarthritis bzw. Morbus Bechterew) verringern. Die Krankheit ist eine entzündliche Erkrankung, die mit Schmerzen im Rückenbereich einhergeht und zu einer Versteifung von Wirbelsäulengelenken führen kann. Die Krankheit tritt oft in jungen Lebensjahren auf. Für diejenigen, die am härtesten betroffen sind, ist der Endzustand eine schwere Deformität aufgrund des Zusammenwachsens der Gelenke von Rücken und Becken. Spondylarthritis betrifft ca. 1 % der Bevölkerung in Dänemark [Anm.: auch in Deutschland]. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören Information, Training, NSAIDs (nicht-steroide entzündungshemmende Medikamente) und eine biologische Behandlung.

Die Diagnose Wirbelsäulengicht wird all zu oft auf unsicherer wissenschaftlicher Grundlage gestellt. Dies führt zu einem Risiko für Überdiagnosen und Überbehandlung. Eine neue Studie der Süddänischen Universität (SDU) kann Ärzte dabei unterstützen, diejenigen Patienten zu identifizieren, die wirklich die entsprechenden Symptome aufweisen und an Spondylitis erkrankt sind. Wirbelsäulengicht ist eine relativ seltene, gleichwohl schwerwiegende entzündliche Erkrankung. Im Krankheitsverlauf können die Gelenke geschädigt werden und schwere Behinderungen folgen. Es werden aktuell Forschungsmethoden verwendet, die unsicher sind und unzureichend dafür sind, zwischen Patienten, die Gelenkschäden entwickeln können, und Patienten, deren Rückenschmerzen nicht durch Spondylitis ausgelöst werden, zu unterscheiden. Dies zeigt eine neue Studie des Instituts für Klinische Biomechanik und Sport der SDU, die in der Fachzeitschrift Arthritis & Rheumatology veröffentlicht wurde.

Die Forscher fanden heraus, dass MRT-Scans einen Fehlalarm auslösen können. Analysen zeigten, dass einige der MRT-Befunde, von denen früher angenommen wurde, dass sie spezifisch für Wirbelsäulengicht sind, oft vorübergehende Erscheinungen abbilden, die nicht zu strukturellen Gelenkschäden führen. Veränderungen sind häufig, aber häufig eben nicht mit Spondylitis in Verbindung zu bringen. Zugleich fanden die Forscher andere seltenere Veränderungen, die sich oft zu strukturellen Gelenkschäden entwickeln und daher Ausdruck von Spondylitis sind.

Es kann schwierig sein, Wirbelsäulengicht von allgemeinen Rückenschmerzen zu unterscheiden. Trotz der sich entwickelnden Technologie für Scans, die präziseres Scannen erlauben, ist die Medizin noch nicht gut genug darin, die wenigen Patienten zu identifizieren, die das Risiko von Gelenkschäden haben. Die aktuellen diagnostischen Kriterien umfassen auch Veränderungen, die häufig sind und möglicherweise nicht mit Wirbelsäulengicht in Zusammenhang stehen. Dadurch besteht das Risiko, dass mit den derzeitig eingesetzten Methoden die Krankheit Spondylitis überdiagnostiziert wird und auf Grundlage dieser falschen Diagnose zu viele Patienten (falsch) behandelt werden.

Die Ergebnisse der Studie der SDU können dazu beitragen, die Diagnose von Spondylitis zu verbessern und dazu führen, dass nur diejenigen, die sie benötigen, die medizinische Behandlung für Wirbelsäulengicht erhalten. Gleichzeitig wird das Risiko einer Fehldiagnose und einer langfristigen medizinischen Behandlung verringert.

Viele haben Rückenschmerzen, die die Lebensqualität und tägliche Aktivität einschränken. In der Mehrheit der Fälle wird der Schmerz durch einen relativ „gutartigen“ Zustand ausgelöst, von dem keine strukturellen Schäden an Gelenken und Muskeln ausgehen. Nur bei einer geringen Fallmenge wird der Schmerz tatsächlich durch Spondylitis hervorgerufen. Spondylitis tritt oft in jungen Jahren auf und wird teilweise mit einer langwierigen medizinischen Behandlung behandelt, die mit schweren Nebenwirkungen verbunden und sehr teuer ist.

In der Studie der Süddänischen Universität wurden 604 Teilnehmer zwischen 18 und 40 Jahren untersucht, die mit Rückenschmerzen an das Rückenzentrum Süddänemark im Zeitraum von 2011 bis 2013 überwiesen wurden. Alle Teilnehmer erhielten zu Beginn der Studie und nach vier Jahren einen MRT-Scan.  Das Forschungsprojekt wurde von der SDU in Zusammenarbeit mit dem Rygcenter Syddanmark, der Röntgenabteilung des Krankenhauses in Vejle, dem Gråsten Gigthospital und dem Københavns Center for Artritforskning, Rigshospitalet, durchgeführt.

Quelle:

SDU 2020: Ny forskning kan mindske overdiagnosticering af gigt i rygsøjlen, unter: https://www.sdu.dk/da/om_sdu/institutter_centre/iob_idraet_og_biomekanik/nyt_iob/ny+forskning+kan+mindske+overdiagnosticering+af+gigt+i+rygsoejlen?fbclid=IwAR1cWfdHnrFDlA_ZCR8SzPdps4oDH5dt6hRs0vmDQrdAMaUpDoeqPbynOp8 (abgerufen am 24.02.2020)

25.02.2020 Ι aus der Forschung