Ein Jogger mittleren Alters stellt sich bei einem Chiropraktor mit Schmerzen in der Hüfte vor. Er hat die Diagnosen „Schleimbeutelentzündung“ und „Sehnenscheidentzündung“ erhalten und möchte nun von einem Chiropraktor behandelt werden.

Der Chiropraktor interessiert sich dafür, ob es irgendwelche Änderung im Alltag erfolgten, bevor die Schmerzen in der Hüfte auftraten. Der Patient erzählt, dass er angefangen habe, längere Strecken zu joggen, weil er nun am Arbeitsplatz andere Aufgaben habe und daher mehr sitze.

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Als Hüfte werden die beiden Gelenke zwischen dem Becken und jeweils einem Bein bezeichnet. Das Becken hingegen bildet eine funktionelle Einheit mit der Wirbelsäule.

Dieses Fallbeispiel ist ein Beispiel für Entzündungen wie aus dem Lehrbuch. Diese beiden Faktoren (mehr joggen, mehr sitzen) haben die Gewebeverletzung in der Hüfte verschlimmert. Der Körper schützt sich. Chiropraktoren behandeln Entzündungen genauso wie sie andere Schmerzen behandeln: Sie suchen nach der Ursache und greifen mit der Ursache im Blick auf Strategien zurück, um die Schmerzen zu behandeln, indem sie die Ursache minimieren oder lösen. Manchmal ist dabei Detektivarbeit erforderlich. Beim Ersttermin findet daher auch eine Aufnahme der Krankengeschichte statt, bei der der Patient nicht einfach erzählt, sondern der Chiropraktor in der Regel gezielt nachfragt. Auch während des Behandlungsverlaufs sollte ein leidenschaftlicher Chiropraktor nicht einfach behandeln, sondern immer nachfragen, ob sich etwas verändert hat, bis wann die Symptome besser waren, wie es sich jetzt anfühlt, was der Patient im Alltag für Herausforderungen hatte etc. Viele Patienten wissen nämlich bei ihrem Termin am Donnerstag gar nicht mehr, dass sie am Samstag den Zaun gestrichen haben und sagen einfach nur: „Der Nacken-Schulter-Bereich ist überhaupt nicht besser geworden. Und seit Sonntag habe ich leichte Kopfschmerzen“. Wenn der Chiropraktor dann nachfragt, kommt heraus, dass bis Freitag letzter Woche alles super war und viel besser als zuvor…und der Patient daher frohen Mutes am Samstag das Zaunstreichen anging.

Im Falle des Joggers ist die Entzündung das Ergebnis von nicht optimaler Biomechanik und nicht optimaler Ergonomie. Mehr Joggen und mehr sitzen – das war zu viel für seinen Körper. Die chiropraktische Behandlung bei Entzündungen kann die Erhöhung von Flexibilität und von Stärke, die Justierung und die Erhöhung der Resilienz des Körpers gegen physische Stressoren im Alltag umfassen. Beim Beispiel des Joggers würde ein Chiropraktor dazu raten, die tägliche Laufstrecke zu reduzieren und die Zeit des Sitzens auf der Arbeit zu reduzieren. Weniger sitzen auf der Arbeit geht z. B. mit einem regelmäßigen Gang zur Toilette zwei Stockwerke unten drunter, mit einem höhenverstellbaren Schreibtisch o. Ä.. Der Chiropraktor wird im Fall des Joggers beispielsweise die Hüfte und/oder das Becken chiropraktisch behandeln und er kann Übungen empfehlen. [Mehr zur Funktion der Hüfte und dem Unterschied zwischen Hüfte und Becken gibt es hier].

Es gibt Arten von Entzündungen, die biomechanische Ursachen haben. Sie können kühlen, salben und Schmerzmittel nehmen – aber das ändert nichts an der mechanischen Einwirkung auf den Körper. Man kann nicht einfach biomechanische Probleme mit chemischen Mitteln lösen. Indem in dem Jogger-Beispiel die Hüfte gestärkt wird, kann jeder Schritt besser abgefedert werden. Die Folge ist eine sicherere Belastung von Sehnen, weniger Schäden und weniger Entzündung.

Was machen Chiropraktoren bei Entzündungen?

Sie versuchen die Ursache zu identifizieren: im Gespräch mit dem Patienten und durch Untersuchung. Chiropraktoren schauen nach Schwellungen, Rötungen, Hitze, Schmerzen und manchmal Funktionsverlust (wie z. B. Schwierigkeiten beim Gehen). Behandlungsmöglichen für Entzündungen umfassen biomechanische Justierungen, Behandlung von Muskeln und Sehnen und spezielle Übungen für den Patienten. Bei akuten Entzündungen kann der Chiropraktor seine Behandlung anpassen und gegebenenfalls nicht direkt, sondern die umliegenden Strukturen behandeln, um eine Entlastung zu erzielen. Chiropraktoren sind darin ausgebildet, Entzündungen zu identifizieren und sie können erkennen, wenn Entzündungen von rheumatoider Arthritis oder Psoriasis kommen. Chiropraktoren können auch bei rheumatologischen Entzündungen biomechanisch behandeln und dies kann zu einer Entlastung des Bereichs führen. Sie überweisen den Patienten gegebenenfalls an einen Rheumatologen. Chiropraktor Alexander Meier vom Chiropraktor-Haus in Hamburg hat im Bachelorstudiengang 90% der Studieninhalte deckungsgleich mit den Medizinstudenten gehabt und mit diesen in denselben Veranstaltungen gesessen. Im Masterstudiengang hatten die Chiropraktorstudenten sogar mehr Unterricht in Orthopädie, Neurologie und Rheumatologie als die Medizinstudenten. Chiropraktik im Sinne der Chiropraktor-Chiropraktik ist der weltweit drittgrößte akademische Heilberuf nach Allgemeinmedizin und Zahnmedizin und als medizinische Disziplin zwischen Orthopädie, Neurologie und Rheumatologie angesiedelt. Dieser Platz ist bei den medizinischen Fachdisziplinen in Deutschland leer. Chiropraktoren sind weder Chiropraktiker noch Chirotherapeuten, sondern haben alle an einer anerkannten Universität im Ausland ein 5-jähriges Studium der Chiropraktik ggf. mit anschließendem Praktischen Jahr abgeschlossen.

Chiropraktoren können Entzündungen in vielen Fällen chiropraktisch behandeln.

07.02.2020 Ι aus der Praxis