Die Forschungsgruppe der Universitätsklinik Zürich und des Karolinska Instituts Stockholm wollte die Evidenz von chiropraktischen Eingriffen zusammentragen. [Anm.: Unter „Evidenz“ versteht man den eindeutigen wissenschaftlichen Beleg, der durch Studien, die bestimmten und sehr hohen Kriterien der Versuchsaufstellung und der Kontrolle genügen müssen, erbracht wird]. Die manipulative Therapie an der Wirbelsäule sollte dazu mit Fokus auf chiropraktische Eingriffe, das heißt mit einem Eingriff von hoher Geschwindigkeit mit niedrigem Ausschlag („high velocity low amplitude“), an Personen mit Symptomen und an Personen ohne Symptome erforscht werden. Dazu führten die Forscher eine systematische Literaturrecherche (bis Juni 2018) durch. Zwei Forscher wählten diejenigen Studien aus, die dem Auswahlkriterium entsprachen, und untersuchten die Qualität der Studien. Für diese Studie wurden nur Studien, die kontrolliert durchgeführt wurden, und mindestens eine gemäßigte Qualität aufwiesen, berücksichtigt. 18 Studien (932 Studienteilnehmer insgesamt) konnten berücksichtigt werden. Die Forschergruppe sah einen „Effekt von chiropraktischen Eingriffen“ („high velocity low amplitude“) gegeben in denjenigen Studien, die einen signifikant größeren Effekt bei denjenigen Studienteilnehmern, die chiropraktische Eingriffe erhielten, zeigen als bei den Teilnehmern der Kontrollgruppe, die keine chiropraktischen Eingriffe erhielt.

Zu welchen Ergebnissen kamen die Forscher? Von den 18 Studien gab es Evidenz nur für den Zusammenhang zwischen chiropraktischem Eingriff („high velocity low amplitude“) und Veränderungen im autonomen Nervensystem. Die Veränderungen im autonomen Nervensystem wurden durch Veränderungen der Herzratenvariabilität und des elektrischen Leitungswiderstands der Haut („skin conductance“) nachgewiesen. Die meisten Studien wurden mit gesunden Personen durchgeführt und keine Studie setzte die neurophysiologischen Effekte in Zusammenhang mit Schmerzreduktion.

Die Studie der Universitätsklinik Zürich und des Karolinska Instituts konnte aufzeigen, dass ein chiropraktischer Eingriff das autonome Nervensystem beeinflusst. Die Effekte scheinen vom Bereich der Wirbelsäule, in dem ein chiropraktischer Eingriff durchgeführt wird, abzuhängen. Sie können bei gesunden Personen und symptomatischen Patienten unterschiedlich sein. Die Forscher sehen weiteren Forschungsbedarf: Qualitativ hochwertige wissenschaftliche Studien sollten mit symptomatischen Patienten durchgeführt werden, die Schmerzdauer und Ergebnismesszahlen zum Ausgangszeitpunkt sollten für die Studien berücksichtigt werden und die Beziehung zwischen neurophysiologischen Veränderungen und Schmerz sollten beleuchtet werden.

Quelle:

Wirth, Brigitte/Gassner, Antonia/de Bruin, Eling/Axén, Iben/Swanenburg, Jaap/Humphreys, Barry/Schweinhardt, Petra 2019: Neurophysiological Effects of High Velocity and Low Amplitude Spinal Manipulation in Symptomatic and Asymptomatic Humans: A Systematic Literature Review, in: SPINE. 44(15):E914–E926, unter: https://journals.lww.com/spinejournal/Abstract/2019/08010/Neurophysiological_Effects_of_High_Velocity_and.15.aspx (07.08.2019).

07.08.2019 Ι aus der Forschung