Dem Thema Rückenschmerzen im unteren Rücken und die Verbesserung der Behandlungserhebnisse für Patienten mit Rückenschmerzen im unteren Rücken hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der neuesten Ausgabe ihres Newsletters gewidmet. In dem Beitrag, der in der Rubrik „Politikinhalte und Praxis“ erschien, geht es darum, ob die Gesundheitssysteme mit Rückenschmerzen richtig umgehen.

Chiropraktik, Chiropraktor, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Hüftschmerzen, Fußschmerzen, Hamburg

Rückenschmerzen im unteren Rücken sind weltweit der Hauptgrund für Lebensjahre mit Beeinträchtigung bzw. Behinderungen – Chiropraktor Alexander Meier zeigt, welcher Bereich als unterer Rücken gilt

Rückenschmerzen im unteren Rücken – das ist der Hauptgrund für Lebensjahre mit Beeinträchtigungen bzw. Behinderungen weltweit. Demzufolge sind Rückenschmerzen eine große Herausforderung für Gesundheitssysteme fast aller Staaten. Eine internationale Arbeitsgruppe identifizierte im Jahr 2018 ein weltweites Problem des Mißmanagements bei der Behandlung von Rückenschmerzen im unteren Rücken. Die Arbeitsgruppe dokumentierte das Phänomen von unnötigen Behandlungen, bei denen Patienten Behandlungen erhielten, die nicht in Übereinstimmung mit klinischen Richtlinien stehen. Die internationale Arbeitsgruppe forderte die Weltgesundheitsorganisation auf, die Aufmerksamkeit auf die Probleme und Folgen durch Rückenschmerzen im unteren Rücken zu legen und auf die Notwendigkeit, exzessive Medikamentenlösungen zu vermeiden.

Die wichtigsten internationalen klinischen Leitlinien geben an, dass viele Menschen mit Schmerzen im unteren Rückenbereich nur eine geringe oder gar keine medikamentöse Behandlung benötigen. Es gibt wissenschaftliche Nachweise (Evidenz), dass unnötige Behandlungen gefährlich sind für die meisten Menschen mit Rückenschmerzen im unteren Rücken. Es wird empfohlen, die Verwendung von Schmerzmitteln, Steroidinjektionen und Wirbelsäulenchirurgie zu unterbinden und stattdessen physische und psychologische Therapien zu fördern. Als Erstbehandlung bei Rückenschmerzen im unteren Rücken bei Patienten, die akute Schmerzen haben, sollte der Arzt z. B. Chiropraktik empfehlen. Auch denjenigen Patienten, die ein Risiko für chronische Schmerzen oder Behinderung haben, sollten Ärzte u.a. Chiropraktik anbieten.

Viele Gesundheitssysteme sind nicht darauf ausgelegt, diesen Ansatz zu unterstützen. Die Behandlung von Rückenschmerzen im unteren Rücken, die den klinischen Richtlinien entsprechen, erfordert systemweite Veränderungen. Es gibt erhebliche Herausforderungen der Versorgung von Rückenschmerzen in den Gesundheitssystemen. Dazu gehören die finanziellen Interessen von pharmazeutischen und anderen Unternehmen, veraltete Zahlungssysteme, die die medizinische Versorgung gegenüber dem Selbstaktivwerden des Patienten bevorzugen, und tief verwurzelte medizinische Traditionen und Überzeugungen zur Behandlung von Rückenschmerzen bei Ärzten und in der Öffentlichkeit.

Nach klinischen Leitlinien benötigen viele Menschen mit Rückenschmerzen im unteren Rücken geringe oder gar keine Behandlung mit Medikamenten. Im Alltag wird den klinischen Leitlinien oft nicht gefolgt. Quelle: pixabay

Ein starke Führung auf allen Ebenen des Gesundheitssystems ist wichtig dafür, wie die Gesellschaft Rückenschmerzen sieht und wie Rückenschmerzen gemanagt werden. Die Gesundheitssysteme sollten Strategien wählen, die Behandler und Patienten in die Lage versetzen, fundierte Entscheidungen zu treffen, Ärzte ermutigen, die richtige Behandlung zu wählen, finanzielle Unterstützung für evidenz-basierte nicht-medikamentöse Behandlung bereitstellen und den Einfluss von denjenigen, die Interesse an der derzeitigen Situation haben, zu regulieren. Es gibt internationale Beispiele für vielversprechende Lösungen sowie Strategien und Praktiken für Gesundheitssysteme, die einer zunehmenden Belastung durch ineffiziente Behandlung von Schmerzen im unteren Rückenbereich ausgesetzt sind. Die Verlagerung von Ressourcen von unnötigen Behandlungen auf richtlinienkonforme Behandlung bei Schmerzen im unteren Rückenbereich kann kostenneutral sein. Jedes Jahr vergeuden Gesundheitssysteme Milliarden von Dollar für unnötige Test und für unnötige Behandlungen von Rückenschmerzen. Kleine Anpassungen der Gesundheitspolitik werden jedoch nicht isoliert funktionieren. Auch die Systeme am Arbeitsplatz, die rechtlichen Rahmenbedingungen, die persönlichen Überzeugungen, die Politik und der gesamtgesellschaftliche Kontext, in dem wir Gesundheit erleben, müssen sich ändern.

Da die derzeitigen Ansätze für das Management von Rückenschmerzen im unteren Rücken oftmals keinen wissenschaftlich nachweisbaren Nutzen haben, wird nachdrücklich empfohlen, neue Ansätze der Finanzierung und der Leistungserbringung sorgfältig zu prüfen.

Quelle:

Traeger, Adrian/Buchbinder, Rachelle/Elshaug, Adam/Croft, Peter/Maher, Chris 2019: Care for low back pain: can health systems deliver?, in: WHO-Bulletin, volume 97, https://www.who.int/bulletin/volumes/97/6/18-226050/en/ (abgerufen am 25.6.2019).

25.06.2019 Ι aus der Forschung