Das British Medical Journal veröffentlichte eine Studie, die auf fast 10.000 Patienten basiert und zeigt, dass die manuelle Behandlung der Wirbelsäule durch Chiropraktoren (Justierung) eine wirksame Behandlungsmethode ist – so effektiv wie Training für den Rücken, jedoch mit schnellerer Wiederherstellung der Funktion.

Die wissenschaftliche Untersuchung wurde von einer Cochrane-Kollaboration durchgeführt. Cochrane ist im Allgemeinen sehr zurückhaltend in seinen Schlussfolgerungen. Die Zusammenarbeit Cochrane ist die maßgebliche internationale Organisation, um die Wirksamkeit von Behandlungen zu bestimmen. Die Cochrane Back and Neck Group hat ihren Sitz in Toronto und ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation.

Die Studie um Sidney Rubenstein hatte das Ziel, die Effektivität von Chiropraktik im Hinblick auf Schmerzminderung und Funktionsverbesserung auf kurze, intermediäre und lange Sicht zu bewerten im Vergleich zu anderen Therapien für chronische Rückenschmerzen im unteren Rücken. Das zweite Ziel war die Einschätzung von Nebenwirkungen.

Die Forscher führten eine systematische Durchsicht und Meta-Analyse von randomisierten kontrollierten Studien durch. [Anmerkung: Das sind wissenschaftliche Studien auf höchstem wissenschaftlichem Niveau bei denen die Teilnehmer zufällig (randomisiert) in zwei oder mehrere Gruppen eingeteilt werden. Eine Gruppe erhält die zu untersuchende Behandlung, während die andere (n) Gruppe(n) keine Behandlung, Placebo-Behandlung oder eine andere Behandlung erhält.] Für die Studie wurden Studien ausgewählt, die den Effekt von Manipulation oder Mobilisation an der Wirbelsäule bei Personen, die älter waren als 18 Jahre und chronische Rückenschmerzen im unteren Rücken mit oder ohne Schmerz untersuchten. Studien, die nur Ischias untersuchten, wurden ebenso ausgeschlossen wie graue Literatur [Anmerkung: als graue Literatur bezeichnet man Forschungsberichte, die nicht in öffentlichen Verlagen (Büchern oder Zeitschriften) erscheinen].

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Chiropraktor Alexander Meier zeigt, wo Schmerzen im unteren Rücken (Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich) sich typischerweise zeigen.

Wie wählten die Forscher Studien aus? Je zwei Prüfer wählten unabhängig voneinander Studien, extrahierten die Daten und bewerteten das Risiko von Bias (Abweichungen) und Evidenzqualität. Der Effekt von chiropraktischen Eingriffen an der Wirbelsäule wurde verglichen mit empfohlenen Therapien, nicht empfohlenen Therapien, Placebo-chiropraktischen Eingriffen und Chiropraktik als ergänzende Therapie. Die Bestimmung von empfohlenen und nicht empfohlenen Interventionen basierte auf kürzlich erschienen Richtlinien zur Behandlung von Rückenschmerzen im unteren Rücken aus den USA; aus dem Vereinigten Königreich und aus den Niederlanden. Eine Intervention wurde kategorisiert als empfohlene Therapie oder nicht empfohlene Therapie, wenn sie in mindestens zwei der Richtlinien als solche festgehalten war. Die empfohlenen Therapien waren nicht-medikamentös (zum Beispiel Training) oder medikamentös (z. B. nicht-steriodiale Entzündungshemmer, Analgetika). Nicht empfohlene Therapien umfassten nicht-effektive Therapien (z. B. leichte Leichtgewebemassage, keine Behandlung) oder potenziell schädliche Therapien (z. B. Elektrotherapie). Die Hauptergebnisse waren Schmerz und rückenspezifischer funktionaler Status sowohl als mittlere Unterschiede (mean differences) als auch als standardisierte mittlere Unterschiede. Die Ergebnisse wurden nach einem, nach sechs und nach 12 Monaten untersucht. Die Qualität der Evidenz wurde unter Rückgriff auf GRADE bewertet. Ein zufälliges Effekt-Modell wurde benutzt und statistische Heterogenität untersucht.

47 Studien wurden identifiziert. Diese Studien basierten auf 9.211 Teilnehmern, die durchschnittlich im mittleren Alter (36-50 Jahre) waren. Die meisten Studien verglichen Chiropraktik mit empfohlenen Therapien. Moderate Qualitätsevidenz konnte zeigen, dass Chiropraktik ähnliche Effekte wie andere empfohlene Therapien zur kurzfristigen Schmerzminderung hat und eine kleine klinische bessere Verbesserung/Regeneration. Hohe Qualitätsevidenz konnte zeigen, dass verglichen mit nicht empfohlenen Therapien Chiropraktik in kleinen nicht klinischen besseren Effekten für kurzfristige Schmerzminderung resultiert. Zudem resultiert Chiropraktik in kleinen bis moderaten klinischen besserer Verbesserung/Regeneration hinsichtlich der Funktion. Im Allgemeinen waren diese Ergebnisse für intermediäre und langfristige Ergebnisse wie für die Effekte von Chiropraktik als ergänzende Therapie. Evidenz für Placebo-Chiropraktik war niedrig bis sehr niedrig. Daher sollten diese Effekte als unsicher gelten. Statistische Heterogenität konnte nicht erklärt werden. Ungefähr die Hälfte aller Studien betrachtete Nebenwirkungen und ernste Nebenwirkungen, aber in den meisten war unklar wie und ob diese Ereignisse systematisch aufgenommen wurden. Die meisten der Nebenwirkungen waren bezogen auf den Muskel-Skelett-Apparat, von vorübergehender Natur und von milder bis moderater Schwere. Eine Studie mit einem niedrigen Risiko für Auswahlbias und ausgestattet um Risiko zu untersuchen (183 Fälle) fand kein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen oder Dauer des Ereignisses verglichen mit Placebo-Chiropraktik.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Chiropraktik produziert ähnliche Effekte wie empfohlene Therapien im Hinblick auf Rückenschmerzen im unteren Rücken, aber Chiropraktik resultiert in klinischen besseren Effekten hinsichtlich kurzfristiger Verbesserung der Funktion im Vergleich zu nicht empfohlenen Therapien, Placebo-Therapie oder als ergänzende Therapie. Behandler sollten ihre Patienten über das mögliche Risiko von Nebenwirkungen bei Chiropraktik informieren.

Chiropraktik ermöglicht eine bessere Wiederherstellung der Funktion als Medikamente oder Training. Training und Chiropraktik sollten gleichermaßen als Behandlungsoption empfohlen werden.

Quelle: Rubinstein, Sidney/de Zoete, Annemarie/van Middelkoop, Marienke/Assendelft, Willem/de Boer, Michiel/van Tulder, Maurits 2019: Benefits and harms of spinal manipulative therapy for the treatment of chronic low back pain: systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials, in: British Medical Journal, 364, unter: https://www.bmj.com/content/364/bmj.l689 (abgerufen am 20.03.2019)

28.03.2019 Ι aus der Forschung