Immer wieder fragen Patienten – auch Patienten, die schon länger in chiropraktischer Behandlung sind, – ob das Knacken gefährlich ist oder Gelenke durch das Knacken ausleiern können.

Wie entsteht das Knackgeräusch? Bei einer chiropraktischen Manipulation [Anmerkung: lateinisch: manus = Hand, manibus= mit den Händen, daher Manipulation] des blockierten Gelenks (Justierung) wird das Gelenk durch einen schnellen gezielten Impuls auseinander bewegt, um die optimale Gelenkbeweglichkeit wiederherzustellen. Was ist ein Gelenk? Ein Gelenk ist eine bewegliche Verbindung (Scharnier) zwischen zwei Knochen und wird von der Gelenkkapsel und den Bändern zusammengehalten. Die Knochen, die sich treffen, sind mit einer dünnen Knorpelschicht überzogen, damit sie nicht aneinander reiben. Zwischen den Knorpeln befindet sich mit der Gelenkflüssigkeit noch „Schmiere“, damit das Gleiten der Gelenkbewegung gut funktioniert. Um das Gelenk herum befindet sich die Gelenkkapsel (sonst würde sich ja die Gelenkflüssigkeit überall hin verteilen). Bei der Auseinanderbewegung bildet sich zunächst ein Vakuum zwischen den beiden Knorpeln, dann zerfällt das Vakuum. Dies kann ein Geräusch erzeugen, das wir als „Knacken“ oder „Ploppen“ wahrnehmen. Es ist dasselbe Prinzip wie wenn Sie eine Coladose öffnen.

Chiropraktische Behandlungen durch einen Chiropraktor (siehe hier zum Unterschied Chiropraktor-Chiropraktiker-Chirotherapeut) führen zu keinerlei gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit Blick auf die Gelenkgesundheit. Die anatomischen Grenzen des Gelenks werden von einem Chiropraktor bei Justierungen nie überschritten. Gelenke leiern nicht aus, egal, wie oft sie justiert werden. Gelenke bekommen also keine Arthrose, sprich Gelenkverschleiß, durch Justierungen. Dies konnte der Mediziner Donald Unger nachweisen und wurde dafür im Jahre 2009 mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnet. Donald Unger knackte mehr als 50 Jahre lang mindestens zwei Mal pro Tag mit den Fingern der linken Hand, nicht jedoch mit den Fingern der rechten Hand. Er „knackte“ also mindestens 36.500 Mal mit den Fingern der linken Hand. Die rechte Hand war die Kontrollgruppe wie sie in wissenschaftlichen Studien üblich ist, um einen Effekt beurteilen zu können. Ein Vergleich seiner Hände nach 50 Jahre Knacken ergab: keine Unterschiede zwischen den beiden Händen und keinerlei Arthritis oder Arthrose – weder in der Knacke-Hand noch in der ungeknackten Hand (vgl. Unger 1998: 950).

Warum ist das Knackgeräusch immer besonders laut, wenn ich an der Halswirbelsäule durch meinen Chiropraktor behandelt werde? Lautstärke und Klang bei einer Justierung hängen mit dem jeweiligen justierten Gelenk zusammen, nicht jedoch mit der behandelten Körperregion. Das heißt, das Geräusch kann von der Lautstärke und Klang genau dasselbe sein am Fuß, am Knie, an der Hüfte wie am Nacken bzw. der Halswirbelsäule. Warum wir immer denken, an der Halswirbelsäule ist es besonders laut, hängt mit einer ganz simplen Erklärung zusammen: Die Ohren sind näher dran. Daher erscheint uns ein Knacken an der Halswirbelsäule oft lauter als es im Vergleich zu einem Knacken an einer anderen Körperstelle ist.

Muss es denn Knacken bei einer chiropraktischen Behandlung? Nein, ein hörbarer und als Knacken wahrnehmbarer Zerfall des Vakuums im Gelenk ist keine Bedingung für eine effektive chiropraktische Behandlung. Der Effekt einer chiropraktischen Behandlung liegt in der erhöhten Beweglichkeit des Gelenks nach der Justierung und ist nicht davon abhängig, ob ein als Knacken oder Ploppen wahrgenommenes Geräusch entstanden ist.

Quelle:

Unger, Donald 1998: Does knuckle cracking lead to arthritis of the fingers?, in: Arthritis & Rheumatism, 41: 5, Seite 949-950, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/1529-0131%28199805%2941%3A5%3C949%3A%3AAID-ART36%3E3.0.CO%3B2-3 (abgerufen am 20.03.2019).

22.03.2019 Ι aus der Praxis