Die Studie der Forscher aus Neuseeland und den USA erforschte Unterschiede in der Gehirnfunktion zwischen Personen, die Nackendysfunktionen (Gelenkblockaden) haben, und Personen mit gesunden und gut funktionierenden Nacken. Wiederkehrende Gelenkblockaden in der Halswirbelsäule sind mit neuralen plastischen Veränderungen in der sensorischen Verarbeitung und sensormotorischen Integration verbunden. Als sensomotorische Integration wird die Verarbeitung von Sinneserregungen im Zentralen Nervensystem bezeichnet. Die Forscher wollten herausfinden, ob wiederkehrende Nackendysfunktion die neuralen Marker der sensomotorischen Integration verändert und machten dazu einen komplexen motorischen Test. An der Studie nahmen 24 Personen teil: 12 Personen mit wiederkehrenden Nackendysfunktionen und 12 gesunde Personen. Beide Teilnehmergruppen waren am Tag des klinischen Versuchs absolut schmerzfrei. Der einzige Unterschied war, dass die eine Gruppe eine Vorgeschichte mit Gelenkblockaden im Nacken hatte und die andere Gruppe nicht.

Die Teilnehmer mussten eine 10-minütige motorische Aufgabe lösen, bei der sie mit der Hand etwas nachzeichnen mussten. Der Mediannerv – ein Nerv im Arm bekannt auch durch das Karpaltunnelsyndrom – wurde stimuliert und vor und nach dem Test wurden die somatosensorische hervorgerufenen Potenziale aufgezeichnet. 24h bis 48h später wurde die Retention („die Wiederholungsleistung“) bewertet.

Was war das Ergebnis? Signifikante Unterschiede konnten für zwei Nervenreaktionen in Wellenformen der somatosensorisch hervorgerufenen Potenziale zwischen den Gruppen festgestellt werden. Dies zeigt an, dass Unterschiede in der Verarbeitung von Sinneserregung im Zentralen Nervensystem bestehen können, die durch veränderten Input als Ergebnis von Gelenkblockaden in der Halswirbelsäule hervorgerufen wurden. Beide Gruppen zeigten verbesserte Richtigkeit sofort nach dem Test. Als der Test 24h-48h nach dem ersten Test wiederholt wurde, verbesserte sich die Richtigkeit in der gesunden Gruppe weiter, jedoch nicht in der Gruppe mit Nackendysfunktion. Es gab Unterschiede zwischen den Gruppen in der Art, wie das Gehirn die sensorische Information von den Händen verarbeitete. Dies wurde über Sensoren am Schädel gemessen, die Informationen über den Weg zwischen dem Cerebrellum (der für die Kontrolle von Haltung und Koordination verantwortliche Teil des Gehirns) und den verarbeitenden Teilen des Gehirns nachzeichnen. Es konnte auch ein Zusammenhang zwischen den Veränderungen in der Größe der sematosensorisch hervorgerufenen Potenziale und der Leistung der Personen festgestellt werden.

Die Studie zeigt, dass bei Vorliegen von Nackendysfunktion (Gelenkblockaden in der Halswirbelsäule) die Art, wie das Cerebrellum die sensomotorische Verarbeitungsbereiche des Gehirns beeinflusst, verändert wird. Das bedeutet, dass die Gehirne von Personen mit Nackendysfunktion anders funktionieren beim Erlernen neuer Bewegungsmuster mit Hand-Auge-Koordination.

 Quelle:

Andrew, Danielle/ Yielder, Paul/ Haavik, Heidi/ Murphy, Bernadette 2017: The effects of subclinical neck pain on sensorimotor integration following a complex motor pursuit task. Experimental Brain Research. 2017:1-1, https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00221-017-5103-4

19.12.2018 Ι aus der Forschung