Das Wissen um den Anteil der Schmerzreduktion, der für Patienten bedeutsam ist, ist wichtig für den Behandler, um therapeutische Ziele für chiropraktische Behandlungsverläufe und für klinische Forschungsreihen zu definieren. Im Hinblick auf verschiedene Schmerzen und Behandlungsmodalitäten konnte gezeigt werden, dass eine Verminderung um zwei Punkte oder eine Verringerung um 30% auf einer numerischen Schmerzskala (NRS) mit einer klinisch bedeutsamen Verbesserung einhergeht. Gleichwohl ist es bisher unklar, ob eine ähnliche Schmerzlinderung für Patienten mit Nackenschmerzen erforderlich ist, die in einem Behandlungsverlauf bei einem Chiropraktor sind, um eine klinisch bedeutsame Verbesserung zu erzielen. Zudem ist nicht bekannt, ob diese Beziehung von der Zeit, die seit dem Behandlungsbeginn verstrichen ist, und/oder vom Schmerzzeitraum abhängt.

Für eine prospektive Beobachtungsstudie füllten 850 Patienten mit Nackenschmerzen den Fragebogen mit numerischer Schmerzskala (NRS) vor der chiropraktischen Behandlung aus. Zudem füllten sie den NRS und den Fragebogen zur subjektiven Veränderung (Patient Global Impression of Change (PGIC)) nach einer Woche, einem Monat, drei Monaten, sechs Monaten und 12 Monaten aus. Wie in der Forschungsliteratur üblich wurden die beiden höchsten PGIC-Kategorien („viel besser“ und „besser“) als klinisch relevante Verbesserung definiert. Die Veränderungen auf der numerischen Schmerzskala, die in Bezug zu klinisch relevanter Verbesserung stehen, wurden jeweils absolut und prozentual für jeden relevanten Zeitpunkt berechnet. Es wurden drei Subgruppen gebildet: akute Patienten, subakute Patienten und chronische Patienten. Mit statistischen Methoden wurden die für klinisch relevante Verbesserungen erforderlichen NRS-Änderungen (absolut und prozentual) zu verschiedenen Zeitpunkten verglichen und die prozentualen NRS-Änderungen verglichen, die für die klinisch relevante Verbesserung zwischen akuten, subakuten und chronischen Patienten nach drei Monaten erforderlich sind.

Chiropraktor Alexander Meier untersucht eine Patientin mit Nackenschmerzen.

Der Anteil von Patienten, die eine klinisch relevante Verbesserung (subjektive Veränderungskategorien „viel besser“ und „besser) erlebten, erhöhte sich von 55,5% zum Zeitpunkt von einer Woche nach Behandlungsbeginn auf 72,9% einen Monat nach Behandlungsbeginn, 77,8% nach drei Monaten, 78,3% nach sechs Monaten und 80,9% zum Zeitpunkt von 12 Monaten nach Behandlungsbeginn. Die Veränderungen auf der numerischen Schmerzskala (NRS) in der Patientensubgruppe stiegen im Laufe der Zeit kontinuierlich von Behandlungsbeginn bis drei Monate an. Die prozentualen Veränderungen in der Patientensubgruppe mit klinisch relevanten Verbesserungen stiegen von -47,7% nach einer Woche bis zu einem Maximum etwas über -70%, was schon bei drei Monaten erreicht wurde und stabil zum Messzeitpunkt von sechs Monaten und von 12 Monaten war. Die mittleren prozentualen Veränderungen auf der numerischen Schmerzskala, die mit klinisch relevanter Verbesserung nach drei Monaten einhergingen, unterschieden sich signifikant zwischen akuten Patienten (-79,55%) und subakuten Patienten (-67,14%) sowie chronischen Patienten (-61,95%). Im Gegensatz dazu unterschieden sich die prozentualen NRS-Veränderungen der subakuten Patienten nicht signifikant von denjenigen der chronischen Patienten.

Die Analyse ergab drei wichtige Forschungsergebnisse. Zum einen waren die absoluten und die prozentualen Veränderungen auf der numerischen Schmerzskala (NRS), die für eine klinisch relevante Verbesserung erforderlich sind, erheblich größer als die, die zuvor in der Forschungsliteratur für andere Schmerzen und Behandlungsmodalitäten beschrieben wurden (absolute NRS-Veränderungen zwischen drei und vier und prozentuale Veränderungen zwischen 47% und 70% in dieser Studie im Vergleich zu absoluten Veränderungen von zwei und prozentualen Veränderungen von 30% in der Forschungsliteratur). Zweitens: Je mehr Zeit seit dem Beginn der Behandlung verstrichen war, um so größer sind die für die klinisch relevante Verbesserung erforderlichen NRS-Veränderungen. Als drittes Ergebnis konnten die Forscher festhalten, dass akute Patienten größere Veränderungen auf der numerischen Schmerzskala erfordern für eine klinisch relevante Verbesserung im Vergleich zu subakuten und chronischen Patienten.

Die Forschungsstudie des Forscherteams von der Universität Zürich und der Universitätsklinik Balgrist zeigt, dass es wichtig ist, zu berücksichtigen, dass der Grad der Schmerzlinderung, der erforderlich für klinische relevante Verbesserung ist, von der Art der Patientengruppe und vielleicht der Behandlungsmodalität abhängen könnte. Dies ist wichtig, um klare Behandlungsziele mit Patienten definieren zu können.

Quelle:

Wirth, B/Schäfer, C/Humphrey, B K/Peterson, C/Schweinhardt, P 2018: How much pain reduction matters for neck pain patients undergoing chiropractic treatment?, in: Chiropractic & Manual Therapies201826 (Suppl 1): 44, O-09, https://chiromt.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12998-018-0213-z (abgerufen am 20.11.2018).

20.11.2018 Ι aus der Forschung