In Dänemark gibt es 611 Chiropraktoren. In Deutschland gibt es hingegen nur 117 Chiropraktoren mit fünfjährigem Universitätsstudium der Chiropraktik. Alle zwei Jahre wird eine empirische Untersuchung des Berufstands der Chiropraktoren in Dänemark durchgeführt. Die Ergebnisse der Untersuchung aus dem Jahr 2018 liegen nun vor.

Es wurden 255 Praxen und 611 Chiropraktoren befragt. 71% der Praxen und 60% der Chiropraktoren antworteten und auf diesen Angaben basiert das Ergebnis zum Berufsbild.

In diesem Beitrag möchten wir Sie über die Ergebnisse der Untersuchung bezogen auf die Praxisaustattung bzw. das Arbeitsumfeld informieren.

Chiropraktoren in Dänemark sind (im Gegensatz zu Deutschland) in das Gesundheitssystem integriert. 89% der Praxen hatten eine Zulassung durch die Dänische Krankenkasse, 1% war auf eigenen Wunsch Privatpraxis und 10% haben keine der begrenzten und begehrten Abrechnungsnummern mit der Dänischen Krankenkasse erhalten. Die Abrechnungsnummern in Dänemark entsprechen den Vertragsarztsitzen in Deutschland, mit denen in Deutschland Ärzte für die Abrechnung mit der gesetzlichen Krankenversicherung zugelassen werden.

Eine Chiropraktorpraxis ist in Dänemark im Durchschnitt 232 m² groß. 37% der Praxen sind zwischen 100 und 199 m ² groß, 10% sind kleiner als 100 m² und 4% sind größer als 400 m². Im Durchschnitt hat eine Chiropraktorpraxis vier Behandlungsräume. 49% der Praxen haben 3-5 Behandlungsräume. 29% der Praxen haben ein bis zwei Behandlungsräume und 6% (12 Praxen) haben 10 oder mehr Behandlungsräume. In einem Drittel der Praxen werden alle Behandlungsräume nur von Chiropraktoren benutzt. In 64% der Praxen wird nur ein Teil der Behandlungsräume ausschließlich von Chiropraktoren genutzt.

Die Praxen wurden auch nach Kapazitäten gefragt, wobei 90% als volle Auslastung definiert wurde: 40 % der Praxen sind zu 75-90% ausgelastet und 28% sind zu 50-75% ausgelastet. Als Gründe für fehlende Kapazitätsauslastungen wurde Folgendes genannt: (1) fehlende Patientengrundlage (23%), (2) fehlende Chiropraktoren, die man gerne anstellen möchte (18%), (3) fehlende Arbeitskraft, aber man möchte keine weiteren Termine (13%).

Viele Praxen bieten physisches Training (sportliche oder rehabilitierende Maßnahmen) an. 42% der Praxen verfügen über einen Fitnessraum, 66% verfügen über lose, das heißt nicht-stationäre Trainingsgeräte und 21% verfügen über stationäre Trainingsgeräte (Maschinen). Fast 90% des Trainingsangebots sind Anweisungen für Übungen zur Eigennutzung. Etwas mehr als 40% der Praxen bieten überwachtes individuelles Training und 30% bieten Gruppentraining (Kurse) an. Bei 20% der Praxen können die Patienten Training auf eigene Faust wahrnehmen.

Die Mehrheit der Praxen in Dänemark hat mehr als einen Chiropraktor (70%), die meisten haben zwei oder drei. Nur ein Drittel der Praxen (30%) hat nur einen Chiropraktor. Das Personal setzt sich in den Praxen neben den Chiropraktoren aus weiteren Angestellten zusammen: In 75% der Praxen arbeiten Sekretäre, in 38% der Praxen arbeiten Physiotherapeuten, in 50% der Praxen arbeiten Masseure und in 27% der Praxen arbeiten andere Behandler.

Im Hinblick auf die Praxisausstattung verfügen 73% der Praxen über ein Röntgengerät, 20% haben Ultraschall und 1 % der Praxen verfügen über ein MRT-Gerät. Der Anteil von Praxen ohne bildgebende Diagnostik vor Ort liegt bei 17%. Alle Chiropraktoren haben eine Röntgenausbildung. Diese können sie in Deutschland nicht nutzen, da Chiropraktoren sich in Deutschland als Heilpraktiker zulassen müssen und diese Zulassungsart bedingt, dass Chiropraktoren in Deutschland nicht röntgen dürfen. Dies hat zur Folge, dass Chiropraktoren, die auch im Ausland zugelassen sind, im Ausland röntgen dürfen, in Deutschland aber nicht. Dies trifft auch auf Chiropraktor Alexander Meier zu, der die Röntgenzulassung des Dänischen Gesundheitsministeriums hat und während seiner Zeit als Chiropraktor in Dänemark jahrelang geröntgt hat, in Deutschland jedoch keine Röntgenerlaubnis hat.

29.10.2018 Ι aus der Praxis