Chiropraktische Behandlung von einem Bandscheibenvorfall 

Das Chiropraktor-Haus Hamburg möchte Ihnen an dieser Stelle Informationen zu einem Bandscheibenvorfall aus Sicht der Chiropraktik geben.

Viele Leute sind der Ansicht, sie hätten einen Bandscheibenvorfall. Diese Diagnose wird leider leichtfertig vergeben bzw. auf verschiedene Phänomene angewandt, so dass die Definition „Bandscheibenvorfall“ nicht mehr erfüllt wird. Dadurch denken viele Patienten, dass sie einen Bandscheibenvorfall haben, dabei haben sie gar keinen Bandscheibenvorfall. Die Überzeugung, einen Bandscheibenvorfall zu haben, geht mit einer starken Verunsicherung einher.

Wo kann ich einen Bandscheibenvorfall bekommen?

Ein Bandscheibenvorfall kann sich sowohl im Nacken, d. h. an der Halswirbelsäule, im Brustrücken als auch im unteren Rücken, d. h. im Lendenwirbelbereich, ereignen und Symptome bewirken. Bei einem Bandscheibenvorfall im Brustrücken gibt es so gut wie nie Symptome.

Symptomgebender Bandscheibenvorfall und asymptomatischer Bandscheibenvorfall

Bei einem Bandscheibenvorfall ist es wichtig, zwischen einem symptomgebenden Bandscheibenvorfall und einem Bandscheibenvorfall, der nichts mit den aktuellen Beschwerden zu tun hat (asymptomatischer Bandscheibenvorfall), zu unterscheiden.

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Auf MRT-Bildern werden oft Bandscheibenvorfälle gefunden, die nichts mit den aktuellen Beschwerden und Schmerzen des Patienten zu tun haben. Es handelt sich sozusagen um „alte“ Bandscheibenvorfälle. Forschungsstudien konnten nachweisen, dass 50% aller 40jährigen auf einem MRT einen Bandscheibenvorfall haben und 70% aller 60jährigen – ohne Symptome.

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Quelle: Brinjikji, W./ Luetmer, P.H./ Comstock, B./ Bresnahan, B.W./ Chen, L.E./Deyo, R.A./ Halabi, S./ Turner, J.A./ Avins, A.L./ James, K./Wald, J.T./ Kallmes, D.F./ Jarvik, J.G. 2015: Systematic Literature Review of Imaging Features of Spinal Degeneration in Asymptomatic Populations, in: American Journal of Neuroradiology April 2015, 36 (4) 811-816; DOI: https://doi.org/10.3174/ajnr.A4173

Da bei vielen MRTs „alte“ Bandscheibenvorfälle gefunden werden, die nichts mit den derzeitigen Schmerzen bzw. Symptomen des Patienten zu tun haben, ist es so wichtig, dass ein Bandscheibenvorfall nicht aufgrund eines MRTs diagnostiziert wird, sondern durch einen neurologischen Test (siehe weiter unten Nationale Klinische Richtlinie). Einen neurologischen Test kann ein Arzt oder Chiropraktor machen. Für einen neurologischen Test braucht man keine Geräte – er wird händisch konservativ durchgeführt. Ein EEG entspricht dem neurologischen Test nicht.

Welche Symptome treten bei einem symptomgebenden Bandscheibenvorfall auf?

  • Haben Sie starke Schmerzen in der Lendenwirbelsäule mit Ausstrahlung ins Bein bis zum Fuß oder in der Nackenwirbelsäule mit Ausstrahlung in den Arm bis zur Hand?
  • Ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Beinen?
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Armen?

Ein Bandscheibenvorfall ist meist mit solchen Symptomen verbunden. Je nachdem, wo der Bandscheibenvorfall sich ereignet hat, können die Symptome in den Armen oder in den Beinen auftreten.

Chiropraktor Alexander Meier erklärt einen Bandscheibenvorfall

Bei einem Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule wird der untere Rücken oft steif und unbeweglich. Es können starke Schmerzen in den Beinen und bis in die Füße auftreten. Es kann dazu kommen, dass sich der Fuß nicht mehr richtig steuern und koordinieren lässt und einfach „herunter fällt“. Dies nennt man „drop foot“. Zu den schweren und funktionshemmenden Symptomen/Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich zählen auch, dass Gehen kaum möglich bzw. nur unter sehr starken Schmerzen möglich ist, eine aufgerichtete Körperhaltung kaum möglich ist, dass nur leichte Positionswechsel starke Schmerzen auslösen, Verschlimmerung durch Niesen und/oder Husten, Lähmungserscheinungen und Inkontinenz.

Bei einem Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich können Schmerzen im Nacken und ein Taubheitsgefühl in den Armen auftreten. Oftmals lässt auch die Kraft in der Hand nach, so dass Sie Gegenstände ungewollt fallen lassen. Zu den schweren und funktionshemmenden Symptomen/Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule zählen, dass selbst leichte Bewegungen mit dem Arm und/oder dem Kopf sehr starke Schmerzen auslösen und Niesen und/oder Husten verschlimmert.

Was ist KEIN Bandscheibenvorfall?

Wenn die klinische und neurologische Untersuchung nichts ergibt, ist es sehr unwahrscheinlich, einen akuten Bandscheibenvorfall zu haben. Wenn Sie keine ausstrahlenden Schmerzen oder Symptome in Gesäß und Beine oder in den Arm haben, ist ein Bandscheibenvorfall ebenfalls eher unwahrscheinlich. Wenn Sie also nur lokale Schmerzen haben, ist ein Bandscheibenvorfall eher unwahrscheinlich.

Wie sollte der Behandler erkennen, ob ich einen Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich habe?

Die Diagnose Bandscheibenvorfall kann in der Regel ziemlich sicher auf Grundlage dessen, was Sie dem Behandler berichten, und der dafür vorgesehenen klinischen und neurologischen Untersuchung vorgenommen werden. Ein Bandscheibenvorfall kann durch eine neurologische Untersuchung, die ein Chiropraktor bei Bedarf ausführen kann, sowie bildgebend mit einer Kernspintomographie (MRT) nachgewiesen werden. Sollte die neurologische Untersuchung eindeutig sein, wird in Dänemark kein MRT mehr gemacht. Die empfehlenswerte Reihenfolge bei Verdacht auf Bandscheibenvorfall der Staatlichen Dänischen Krankenkasse ist:

  1.  Neurologische Untersuchung durch einen Arzt oder Chiropraktor
  2. MRT.

WICHTIG: Bei vielen MRT-Aufnahmen werden „alte“ Bandscheibenvorfälle gefunden, die zum derzeitigen Zeitpunkt keine Schmerzen bzw. Symptome verursachen. Deshalb ist es so wichtig, dass der Behandler eine neurologische Untersuchung macht und nicht sofort ins MRT schickt und sich nicht nur auf die MRT-Bilder verlässt.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Ein Bandscheibenvorfall ist eine Ausbuchtung an einer der Knorpelscheiben, die zwischen den Wirbel sitzen. Die äußere Schicht ist unfähig, den weichen Kern, der in der Mitte des Knorpels ist, zu halten. Ein Bandscheibenvorfall geht mit bestimmten Symptomen einher und kann durch die dafür vorgesehene klinische und neurologische Untersuchung diagnostiziert werden.

Sie finden sich in einem der folgenden Punkte wieder? Wir empfehlen eine Vorstellung bei einem Chiropraktor (Mitglied der Deutschen Chiropraktoren-Gesellschaft).

  • Ihr Orthopäde/Neurologe vermutet einen Bandscheibenvorfall

  • Ihr Orthopäde/Neurologe hat einen Bandscheibenvorfall diagnostiziert

  • Man hat Ihnen zu einer Operation geraten ohne Ihnen alternative nicht-invasive Behandlungsmethoden aufzuzeigen

  • Sie möchten eine Zweitmeinung bezüglich einer Operation an der Bandscheibe einholen

  • Sie möchten eine Operation vermeiden und sind an einer konservativen Behandlung interessiert

  • Sie möchten keine Spritzen

  • Sie haben ein Gefühl von Kribbeln im Bein oder im Arm bzw. in der Hand

  • Sie haben starke Schmerzen mit Ausstrahlung

  • Sie haben Taubheitsgefühle

  • Sie möchten sich bei einem Experten für Bandscheibenvorfälle vorstellen, der ein fünfjähriges Studium der Medizin mit Fachrichtung Chiropraktik inklusive radiologischer Ausbildung absolviert hat (kein Chiropraktiker (keine geregelte Mindeststundenzahl der Ausbildung), kein Chirotherapeut (Arzt mit Fortbildung))

Nationale Klinische Richtlinien für einen Bandscheibenvorfall

Die Dänische Gesundheitsbehörde hat Nationale Klinische Richtlinien für einen neu aufgetretenen Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich mit Ausstrahlung ins Bein herausgegeben.

Laut der Dänischen Gesundheitsbehörde

  • soll der Patient sich eher normal bewegen als bettlägerig zu sein.
  • soll der Arzt Physiotherapie empfehlen. Der Patient sollte richtungsspezifische Übungen oder Übungen zum Training der neuromuskulären Kontrolle machen. Eine Kombination der beiden Übungsformen sei besser als eine Übungsform alleine.
  • soll der Patient von einem Chiropraktor behandelt werden.
  • sei Akupunktur möglich. Der Effekt von Akupunktur sei wissenschaftlich jedoch nicht untersucht.
  • wird abgeraten, nur ein MRT zu machen, weil der zu erwartende Effekt unsicher sei. Es sollte gleich mit Chiropraktik und Physiotherapie begonnen werden.
  • wird abgeraten, nur eine Schmerzspritze in den Nerv zu setzen. Der zu erwartende Effekt sei kurz und klein. Es sollte gleich mit Chiropraktik und Physiotherapie begonnen werden.
  • sollte ein Patient, der trotz nicht-chirurgischer Behandlung (Chiropraktik und Physiotherapie) innerhalb 12 Wochen weiterhin schwere und funktionshemmende Schmerzen hat, einen Rückenchirurgen aufsuchen.

Quelle: Dänische Gesundheitsbehörde 2016: Nationale Klinische Richtlinien für die nicht-chirurgische Behandlung eines neu aufgetretenen Bandscheibenvorfalls im Lendenwirbelbereich, unter: https://www.sst.dk/da/Feeds/~/media/2F85F728D715400AB004C59C8E2C7937.ashx

Paketverlauf bei einem Bandscheibenvorfall der Staatlichen Dänischen Krankenkasse

Der Paketverlauf bei einem Bandscheibenvorfall der Staatlichen Dänischen Krankenkasse umfasst:

Paketverlauf der Staatlichen Dänischen Krankenkasse (Grafik: http://www.danskkiropraktorforening.dk/pakkeforloeb)

  • Patienten mit Symptomen innerhalb dreier Monate nach erstmaligen Auftreten der Symptome
  • Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich (unterer Rücken)
  • Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich (Nacken)
  • Behandlung durch einen Chiropraktor nach Bedarf
  • Nach dem Ersttermin gibt es Meilenstein-Termine nach 2, 4 und 8 Wochen
  • wichtigste Aufgaben des Chiropraktors: Monitoring der neurologischen Funktionen, Schmerzbehandlungen, Förderung der Beweglichkeit, Anleitung für tägliche Übungen, Information zu Prognosen und evtl. Prävention, Kommunikation mit Hausarzt, evtl. Überweisung zur Beratung und chirurgischen Bewertung ins Krankenhaus