Neuigkeiten aus dem Chiropraktor-Haus Hamburg2016-12-21T10:11:39+02:00

Neuigkeiten aus dem Chiropraktor-Haus Hamburg

Chiropraktor-Studium mit fünfhöchster Zulassungsbeschränkung Dänemarks

Der Studiengang „Klinische Biomechanik“ an der Süddänischen Universität ist eine Erfolgsgeschichte. Obwohl die Zahl der Studienplätze auf 108 Plätze dieses Jahr erhöht wurde, ist für die Zulassung zum Studium der Chiropraktik in Dänemark die fünfthöchste Zulassungsbeschränkung in ganz Dänemark erforderlich. Jahr für Jahr wurde die Zahl der angebotenen Studienplätze erhöht und doch gibt es Arbeit für alle Absolventen – sowohl im Primärsektor (Praxen) als auch im Sekundärsektor (Krankenhäuser). Jahr für Jahr hat sich gleichzeitig auch die Zulassungsbeschränkung erhöht.

25% der Studienplätze werden über Quote 1-Verfahren (Numerus clausus) vergeben und 75% über das Quote 2-Verfahren (Auswahlverfahren). Man kann sich nur mit definierten Mindestnoten und Kombinationen in den für Klinische Biomechanik wichtigen Fächern bewerben (Dänisch, Englisch, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Geowissenschaften, Biotechnologie).

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Übungsraum für Chiropraktor-Studenten an der Süddänischen Universität

Bei der Studienzulassung im Juli 2019 für den Studienbeginn zum Wintersemester zeigte sich, dass der Numerus Clausus in diesem Jahr bei 11,3 lag [Anm: 11,3 entspricht dem Abiturdurchschnitt von 1,2 in Deutschland], um in die Quote 1 einzusteigen. Die Zulassungsbeschränkung für allgemeine Medizin lag mit 11,0 niedriger als die Zulassungsbeschränkung für Chiropraktik. Für die Bewerber im Quote 2-Verfahren wird ein Auswahlverfahren durchgeführt. Das Auswahlverfahren besteht aus uniTest und fallbasiertem Interview. Im Test werden die allgemeinen Lernfähigkeiten in folgenden Bereichen überprüft: Kritisches Denken, Quantitatives Denken, Sprachliches und kulturelles Verständnis, Zwischenmenschliches Verständnis, Wissenschaftliches Denken. Der Test dauert 3,5 Stunden und besteht aus 150 Fragen. Das Ergebnis des uniTest bestimmt, welche Studienbewerber eine Runde weiterkommen und zum fallbasiertem Interview eingeladen werden. Das fallbezogene Interview bewertet die beruflichen und persönlichen Fähigkeiten in folgenden Bereichen: Motivation, Kognitive Fähigkeiten, Persönliche Integrität, Fachspezifische Kenntnisse und Fähigkeiten, Ethik, Kommunikation. Das Ergebnis des fallbasierten Interviews bestimmt die Reihenfolge der Bewerber im Quote 2-Verfahren.

Insgesamt bewarben sich für den Studienbeginn zum Wintersemester 2019 417 Studienanwärter auf 108 Plätze.

Um Chiropraktor zu werden, braucht man neben dem Bachelor in Klinischer Biomechanik, einen Masterabschluss in Klinischer Biomechanik sowie ein einjähriges Praktisches Jahr in einer Praxis, währenddessen Blockunterricht stattfindet. Nach erfolgreichem Abschluss wird man von Dänischen Gesundheitsministerium zugelassen und kann über die Krankenkasse abrechnen. Während des Bachelor- und Master-Studiums werden bereits Klinikaufenthalte in Rückenambulanzen, Krankenhäusern und bei niedergelassenen Chiropraktoren absolviert.

Das Studium „Klinische Biomechanik“ an der Süddänischen Universität ist einer von acht Studiengängen der Chiropraktik in der Europäischen Union. In Deutschland wird kein Studiengang in Chiropraktik, der den weltweiten Standards entspricht, angeboten. Auch das Berufsbild „Chiropraktor“ ist in Deutschland unbekannt und wird oft mit „Chiropraktiker“ verwechselt. „Chiropraktiker“ ist ein deutscher Sonderweg: Weltweit ist es einzigartig, Eingriffe vornehmen zu dürfen, ohne ein medizinisches Studium abgeschlossen zu haben und ohne staatlich geregelte Mindestanforderungen der Ausbildung. Zur Verwechslung zwischen Chiropraktoren und Chiropraktikern trägt weiter bei, dass in Deutschland im Gegensatz zu anderen Staaten die Berufsbezeichnung nicht rechtlich geschützt ist. Es gibt nur ca. 140 „echte“ Chiropraktoren in Deutschland. Diese haben alle ein mehrjähriges den weltweiten Standards entsprechendes Studium im Ausland absolviert. Sie finden „echte“ Chiropraktoren nur über die Auswertung ihres Lebenslaufs: Wenn sie an einer zugelassenen Universität den Abschluss gemacht haben, haben sie es mit einem echtem Chiropraktor zu tun. Eine Liste der anerkannten Universitäten finden Sie hier.

Informationen zum Studiengang Klinische Biomechanik an der Süddänischen Universität, den unser Chiropraktor Alexander Meier absolviert hat, gibt es hier: https://www.sdu.dk/da/uddannelse/bachelor/klinisk_biomekanik

08.08.2019 Ι aus der Praxis

Neu: Kurse in Qigong und Meditation im Chiropraktor-Haus

Training ist ein wichtiger Baustein für die Gesundheit des Muskel-Gelenk-Apparats. Beschwerden oder Schmerzen im Bewegungsapparat werden typischerweise durch körperlichen Stress oder psychischen Stress verursacht, mitausgelöst oder verschlimmert. Training, das mit Chiropraktik Hand in Hand geht, sollte daher sowohl auf körperlicher als auch auf der Stressebene ansetzen.

Ein solches Training bietet nun das Chiropraktor-Haus an. Unser Training in Form von Qigong und Meditation startet am 05.09.2019.

Qigongtrainerin Dr. Laura Meier bei der Übung „Himmel und Erde verbinden“ am Strand von Nyborg, Dänemark

Qigong ist eine Kultivierung von Körper und Geist aus China, die schon über 2.000 Jahre alt ist, klinisch erforscht ist und zur Prävention, Behandlung und Rehabilitation eingesetzt wird. Mit langsamen fließenden Bewegungen, einer bestimmten Atemtechnik und dem gezielten Einsatz der Aufmerksamkeit wird die stabilisierende Muskulatur trainiert, die Beweglichkeit erhöht, Gelenke mobilisiert, Koordinationsfähigkeit ausgebaut, die Körperwahrnehmung und Körperhaltung geschult, Sehnen und Bänder gedehnt und der Geist beruhigt und aus dem Stress heraus zur Ruhe geführt (Ankommen im Hier und Jetzt).

Qigongtrainerin Dr. Laura Meier mit Prof. Song Tianbin, Universität für Traditionelle Chinesische Medizin, Peking

Wir bieten medizinisches Qigong an, das auf chiropraktische Zwecke abgestimmt ist. Unsere Trainerin hat ihr Studium in Qigong, selbstregulativen Techniken und Gesundheitsförderung im Frühsommer diesen Jahres an der Universität Oldenburg abgeschlossen. „Besonders die Dozenten, die aus China eingeflogen wurden, und von der Universität für Traditionelle Chinesische Medizin und der Gesundheitsakademie Peking kamen, haben mich sehr bereichert. Vor allem durch deren Unterrichtsstil, der etwas anders war als Europäer es gewöhnt sind, habe ich sehr viel gelernt“, so Qigongtrainerin Dr. Laura Meier.

Wer kann an unseren Kursen teilnehmen?

Unsere Kurse stehen allen unseren aktuellen und ehemaligen Patienten offen. Unser Trainingsangebot ist Teil des Behandlungsverlaufs (Prävention und Rückfallprophylaxe). Für Interessierte, die nicht in unserer Patientenkartei sind, prüfen wir die Teilnahme gerne nach Vorlage einer Empfehlung oder Überweisung durch einen Arzt oder Heilpraktiker.

Interesse? Mehr Informationen zu unseren Kursen in Qigong und Meditation gibt’s hier.

08.07.2019 Ι aus der Praxis

Wie Sie in den Sommerferien Schmerzen im Muskel-Gelenk-Apparat vermeiden

Die Sommerferien stehen vor der Tür! Sechs Wochen schulfrei, Sonne, viel Zeit für Dinge, die man sonst nicht tut – herrlich! Viele fahren in den Urlaub. Dabei warten einige Herausforderungen auf Ihren Muskel-Skelett-Apparat. Wir haben ein paar Tipps für Sie, wie Sie Schmerzen während des Urlaubs vermeiden.

Chiropraktor-Haus-Hamburg-Packen

Viel Gepäck zu transportieren ist eine Herausorderung für den Muskel-Gelenk-Apparat.

Nehmen Sie nicht so viel mit. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Gerade, wenn wir mit dem Auto zum Urlaubsziel gelangen, gibt es keine von Dritten verordnete Gepäckbeschränkung und wir neigen dazu, weitere Sachen ins Auto zu quetschen. Denken Sie daran: Sie müssen das auch alles schleppen. Oder gehören Sie zu den wenigen, die eine Unterkunft mit Gepäckträgerservice gebucht haben? Wenn Sie schweres oftmals unhandliches Gepäck von zuhause ins Auto und dann vom Auto in die Ferienwohnung oder aufs Zimmer bringen – wohlgemerkt in mehreren Fuhren – dann wissen Sie, was Sie geschafft haben. Wenn Ihnen dann noch mehrere Stockwerke ohne Fahrstuhl in die Quere kommen, ist Ihr Muskel-Skelett-Apparat schon bei der Ankunft am Urlaubsort stark beansprucht oder überbeansprucht worden. Rückenschmerzen, Nackenschmerzen oder Schmerzen im ISG (Beckengelenk) sind oftmals die Folge von zu viel Last auf einmal und falschem Anheben. Unsere Tipps:

  • Nehmen Sie nicht so viel mit.
  • Wenn Sie ein Gepäckstück anheben, vermeiden Sie, sich mit dem Oberkörper abzuklappen und nach vorne zu beugen. Gehen Sie stattdessen mit geradem Rücken in die Knie und heben Sie das Gepäckstück an.
  • Vermeiden Sie Drehbewegungen mit dem Rumpf beim Anheben. Dabei wirken zu viele Kräfte von verschiedenen Seiten auf die Wirbelkörper ein.
  • So verführerisch es ist, schnell ausgeladen haben zu wollen: Nehmen Sie pro Fuhre so viel mit, wie es angenehm ist. Achten Sie möglichst darauf, in der rechten und der linken Hand gleich schwere Teile zu tragen (Balance).

Wir freuen uns meist sehr, am Urlaubsort zu sein und endlich die Gegend zu erkunden, ins Wasser zu springen, die Seele baumeln zu lassen. Am nächsten Morgen sieht die Welt oft etwas getrübter aus. Wie vielen von uns hat ein für den eigenen Körper ungeeignetes Bett nicht schon die Urlaubsfreude vermasselt? Betten in Hotels und Ferienwohnungen sind meist zu weich und durchgelegen (selten zu hart). Wer schon mal eine Nacht in Bananenhaltung verbracht hat, weiß, dass der Körper am nächsten Morgen sein Missfallen deutlich durch Schmerzen zum Ausdruck bringt. Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Verspannungen, Rückenschmerzen, Hüftschmerzen und/oder Beckengelenksschmerzen (ISG) sind oft die Folge von zu weichen Matratzen oder Matratzen mit Sprungfederfühlung. Die nächste Sache ist das Kopfkissen. Kopfkissen, die den Kopf nicht stützen, sind häufig anzutreffen in Hotels und Ferienwohnungen. Zudem ist generell ein neues Kopfkissen immer eine Umgewöhnung für den Körper. Durch Kopfkissen können Kopfschmerzen, Schulter-Nackenverspannungen und Rückenschmerzen auftreten.

Wir haben ein paar Tipps für Sie:

  • Nehmen Sie Ihr Kopfkissen von zuhause mit in den Urlaub oder testen Sie ein Reisekopfkissen aus Kaltschaum.
  • Bitten Sie um eine neue festere Matratze oder um eine feste Auflage. Oder seien Sie präventiv und nehmen Sie eine eigene Reisematratze aus Kaltschaum mit. Wenn es ganz schlimm ist, schlafen Sie auf dem Boden.
  • Wenn Sie Schmerzen haben, bewegen Sie sich viel und nicht einseitig. Machen Sie Spaziergänge und schwingen Sie die Arme mit (keine Taschen, nichts in der Hand).

Herausforderungen für den Muskel-Gelenk-Apparat können die Urlaubsfreude trüben.

Die unterschiedlichen Urlaubstypen bringen ebenfalls Herausforderung für den Muskel-Gelenk-Apparat mit sich:

Der Aktivurlauber kann nun endlich je nach Gusto wandern, Fahrrad fahren, surfen lernen und ähnliche körperliche Aktivitäten machen, die er im Alltag nicht umsetzen kann. Unser Tipp:

  • Übernehmen Sie sich nicht. Wer zuhause keine 30 km Fahrrad fährt, sollte es im Urlaub nicht gleich mit einer dementsprechend großen Tour probieren. Es ist empfehlenswert, auf seine Konstitution Rücksicht zu nehmen, sich langsam ranzutasten und den Körper nicht zu überfordern. Wir empfehlen, z. B. bei Wanderurlaub erst einmal einen längeren Spaziergang oder eine Wanderung fast ohne Steigung zu machen und sich einzulaufen. Wer am zweiten Urlaubstag 800 Höhenmeter erwandert und sonst den Feierabend auf der Coach verbringt, kann damit rechnen, dass der Körper seine Grenzerfahrung durch Schmerzen kommuniziert.

Der Faulenzertyp sinkt zwei Wochen lang auf die Liege am Pool oder sitzt im Strandkorb – unterbrochen nur von Nahrungsaufnahme. Viel Sitzen oder Liegen und keine regelmäßige körperliche Bewegung ist nicht gut für den Muskel-Gelenk-Apparat. Die einseitige Haltung, die meist auch gekrümmt ist (man liest ein Buch oder schaut aufs Handy), kann ebenfalls zu Beschwerden führen wie Verspannungen, Rückenschmerzen etc. Wir empfehlen:

  • Nehmen Sie keine einseitigen Körperhaltungen über lange Zeit ein. Bewegen Sie sich regelmäßig und so lange, dass ein Ausgleich zur sitzenden ode rliegenden Position geschaffen wird. Einmal in 20m Abstand Eis holen, gilt nicht. Experten empfehlen, 6.000 Schritte pro Tag zu gehen, um eine gesundheitsfördernde Wirkung zu haben – das gilt auch im Urlaub.

Achten Sie auf Ihren Körper und Ihre Körperhaltungen, wenn Sie im Urlaub sind. Seien Sie präventiv und schaffen Sie sich Bedingungen, die Ihrem Körper gut tun. Wir vom Chiropraktor-Haus wünschen Ihnen einen wunderbaren Urlaub, das Wetter, das Sie sich wünschen, viel Freude bei Ihren Vorhaben und gute Erholung!

20.06.2019 Ι aus der Praxis

Was ist eigentlich Skoliose?

Als Skoliose bezeichnet man eine Verkrümmung der Wirbelsäule zur Seite. Sie kann mit verschiedenen Ausprägungen auftreten: Der Rücken kann schief stehen, die Schultern können unterschiedlich hoch sein und es kann sich ein Buckel bilden (insbesondere wenn man sich nach vorne beugt). Skoliose kann zu Rückenschmerzen führen. Viele von Skoliose betroffene Personen haben keine Symptome. Langfristig kommt es durch die veränderte Statik zu Verschleiß und Folgeprobleme können auftreten.

Röntgenbild des gesamten Körpers: Man sieht deutlich den Beckenschiefstand sowie die Skoliose

Die meisten Verkrümmungen einer Wirbelsäule sind kleine Verzerrungen oder Ungleichgewichte und verursachen keine Probleme. Manche Ungleichgewichte sind jedoch so groß, dass sie Probleme verursachen können. Der Rücken einer von Skoliose betroffenen Person kann von hinten gesehen eine S-Form oder eine C-Form haben.

Die Ungleichgewichte können sich in verschiedenen Formen ausprägen. Zusätzlich zu den Verzerrungen können die Schultern unterschiedlich hoch sein, ein Schulterblatt kann mehr hervorstehen als das andere, der Kopf kann schief erscheinen, die Hüftkämme können unterschiedliche Höhen aufweisen und der Körper neigt sich zu einer Seite.

Skoliose geht meist einher mit einer Verdrehung von einzelnen Wirbelkörpern. Eine Skoliose kann leicht sein oder so stark sein, dass die betroffene Person einen Buckel zu haben scheint. Je stärker eine Skoliose ist, desto stärker werden durch die Verkrümmung der Wirbelsäule Muskeln, Sehnen und Bänder belastet. Rückenschmerzen oder Atemnot können auftreten. In gravierenden Fällen erfährt die von einer Skoliose betroffene Person eine so starke Krümmung, dass auch innere Organe beeinträchtigt werden. In diesen Fällen wird bei Kindern und Jugendlichen typischerweise ein Korsett empfohlen.

Eine Skoliose bekommt man nicht von heute auf morgen. Sie entwickelt sich über einen längeren Zeitraum. Sie beginnt meist im jugendlichen Alter (zwischen 10 und 16 Jahren). Bei frühzeitigem Erkennen von Skoliosetendenzen kann eine Verschlechterung vermieden werden.

Wie wird Skoliose festgestellt?

Die Diagnose beruht typischerweise auf der Krankengeschichte, einer körperlichen Untersuchung und ggf. auch auf einer Röntgenaufnahme der Wirbelsäule. Die einfachste Methode ist, das Kind bzw. den Jugendlichen zu bitten, sich nach vorne zu beugen. Von hinten ist das Ungleichgewicht in vielen Fällen deutlich zu erkennen.

Wo tritt Skoliose meist auf?

Die Veränderungen bzw. Ungleichgewichte treten am Häufigsten in der Brustwirbelsäule auf. Sie können auch im Lendenwirbelbereich oder im Übergang zwischen Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule auftreten.

Was sind die Ursachen für Skoliose?

In ca. 90 % der Fälle findet man keine bestimmte Ursache für Skoliose. Diese Art von Skoliose wird als idiopathische Skoliose bezeichnet (Merksatz: „Der Idiot, der die Pathologie (Krankheitslehre und Entstehung) nicht kennt“).  In den übrigen Fällen kann die Skoliose genetisch bedingt sein oder auf angeborene Missbildungen, Verletzungen und Erkrankungen des Muskelsystems oder Nervensystems zurückgeführt werden. Bei einer funktionalen Skoliose ist die Wirbelsäule selbst normal und die Ungleichgewichte sind auf andere funktionelle Bedingungen wie z. B. eine ungleiche Länge der Beine zurückzuführen. Eine funktionale Skoliose verursacht selten besondere Probleme.

Leichte Skoliose mit einem Krümmungswinkel von weniger als 12 ° wird als skoliotische Fehlhaltung bezeichnet.

Was macht ein Chiropraktor bei Skoliose?

Beckenschiefstände und Beckenverwringungen sind die Hauptursachen für Skoliose bei Patienten, die sich in Chiropraktor-Praxen vorstellen. Jede Skoliose verursacht langfristig Abnutzungserscheinungen (Verschleiß) an den Bandscheiben und Wirbelgelenken. Ein Chiropraktor gleicht daher bei Skoliosepatienten die Statik aus, indem er Gelenkblockaden löst und so die Wirbelsäulenbeweglichkeit erhöht. Muskeltrainining im Sinne von Übungen für die Ansprache von überlasteten, geschwächten oder verkürzten Muskeln ist ebenfalls sinnvoll. Der Chiropraktor kann dem Patienten hier Übungen für zuhause mitgeben. Skoliose sollte überwacht werden.

11.06.2019 Ι aus der Praxis

Was sagen uns Diagnosen?

Wenn man sich mit Beschwerden bei einem Behandler vorstellt, vergibt dieser eine Diagnose. Jede Diagnose bezieht sich auf die Gesundheit des Patienten. Und damit sind wir schon in einer philosophischen Diskussion. Der Begriff „Gesundheit“ ist nämlich nicht einheitlich definiert. Für die westliche Welt findet sich die wohl bekannteste Definition von Gesundheit in der Satzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO): „Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen“ (WHO 2005: 1). Es werden also drei Ebenen von Gesundheit definiert: körperlich, geistig und sozial. Das Konzept von Gesundheit ist von Menschen gemacht: Die Zuschreibung von Gesundheit (und Krankheit) basiert auf Annahmen, die der Betrachter (oder die Gesellschaft) zugrunde legt. Mit Blick auf die zugrunde gelegten Annahmen wird eine Norm definiert (z. B. „Der Blutdrucknormalwert ist 120 zu 80“) und daraus werden Handlungsoptionen bzw. Handlungszwänge abgeleitet („Wenn der Blutdruck bei einer Person vom „normalen Blutdruck“ abweicht, muss gehandelt werden und z. B. Blutdrucksenker eingenommen werden“). Gesundheit ist jedoch nicht objektiv messbar. Dies gilt auch für die oftmals als Gegensatz von Gesundheit angenommene Krankheit.

Krankheit ist nach der Definition der WHO eine Abweichung vom Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Krankheit ist demnach nicht eindeutig definiert. Auch das Sozialgesetzbuch V enthält keine Definition von Krankheit. Wenn man sich mit dem Begriff „Krankheit“ auseinandersetzt, sollte man zwischen der Definition für einen Versicherungsfall in Deutschland und philosophischen Erörterungen unterscheiden. Für den Eintritt eines Versicherungsfalls hat das Bundessozialgericht eine konsensfähige Definition festgelegt: „Krankheit“ im Sinne der gesetzlichen Krankenversicherung [beschreibt] einen regelwidrigen Körper- oder Geisteszustand […], dessen Eintritt entweder die Notwendigkeit einer Heilbehandlung – allein oder in Verbindung mit Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat.“ (Bundessozialgericht 1971 Grund 9). Im Umkehrschluss kann man in Deutschland also versicherungstechnisch gar nicht krank sein, wenn man keine Heilbehandlung in Anspruch nimmt oder sich krank schreiben lässt. Egal, wie hoch der Blutdruck gerade ist. Philosophisch können wir dies mit Blick auf die Unschärfe des Begriffs und mit Blick auf die Definition von Gesundheit der WHO sicher diskutieren.

Um Krankheiten bzw. Beschwerden vergleichbar zu machen, wurde ein internationales statistisches Klassifikationssystem für Krankheiten und verwandte Gesundheitsprobleme entwickelt. Der Katalog von Krankheiten wird von der Weltgesundheitsorganisation herausgegeben. Es ist das wichtigste und weltweit anerkannte System der Codierung medizinischer Diagnosen. Die aktuelle gültige Ausgabe nennt sich ICD-10 (ICD von „International Classification of Diseases“ also Internationale Klassifikation von Krankheiten und 10 bedeutet 10. Ausgabe).

Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis von ICD-10

In Deutschland wird die deutsche Version vom Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information im Auftrag des Bundesgesundheitsministerium herausgegeben. Niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten, die über die Krankenkassen abrechnen, sind nach § 295 SGB V und stationäre Einrichtungen sind nach § 301 SGB V verpflichtet, dieses Codierungssystem für medizinische Diagnosen anzuwenden.

Doch sagen uns diese nach ICD vergebenen Diagnosen wirklich etwas über die Krankheit der Person? Diagnosen und Normalwerte sind Versuche, einen Krankheitswert näher zu beschreiben. Das Klassifizierungssystem erfasst Krankheiten über die Symptomatik. Für den Bereich der Chiropraktik wurden keine konkreten ICD-10-Ziffern entwickelt. In der neuen Version, ICD-11, die 2022 in Kraft treten soll, sollen auch chiropraktische Diagnosen enthalten sein. In der Orthopädie, der Unfallchirurgie und der Chiropraktik grenzen die Diagnosen nach ICD-10 oftmals den Bereich, wo Funktionsstörungen vorliegen ein (z. B. BWS-Syndrom), sagen aber nichts konkret im Hinblick auf die Fundstelle aus. Es bleibt die damit Frage offen, bei welchem Gelenk oder sogar mehreren Gelenken genau Funktionsstörungen vorliegen. Es gibt natürlich auch konkrete Diagnosen (z. B. Hallux Valgus), diese sind aber, wenn man sich alle ICD-10-Diagnosen anschaut, in der Minderheit. Dann kommt noch hinzu, dass oftmals Diagnosen vergeben werden, die zwar einen Befund beschreiben, aber mit den konkreten Symptomen des Patienten nichts zu tun haben (ganz deutlich wird dies an der Diagnose „Bandscheibenvorfall“ siehe dazu https://chiropraktor-haus.de/schmerzen/bandscheibenvorfall/ ).

Wenn Sie sich bei einem Behandler vorstellen und eine Krankschreibung, einen Befundbericht oder als Privatzahler eine Rechnung erhalten, steht eine Diagnose nach ICD-10 darauf. Diese Diagnose gibt Anhaltspunkte darüber, welche Abweichung vom Gesundheitszustand sich aus den verschiedenen Symptomen ergibt.

ICD-10-Codes werden oft verschlüsselt, also nur mit Buchstaben und Zahlen (z. B. J20) angegeben. Sie können selbst im Internet nachschauen, welche Diagnose sich dahinter verbirgt: https://www.dimdi.de/dynamic/de/klassifikationen/icd/icd-10-gm/ .

Die Diagnosen drücken nur das Vorliegen einer Abweichung aus. Sie drücken nicht aus, wie stark ihre Beschwerden sind. Darüber hinaus sollten wir beachten, dass jeder Behandler Experte für sein Fachgebiet ist und mit einer „Brille“ auf den Patienten, der sich vorstellt, schaut. Je nach Behandler nehmen die Diagnosen nur eine Ebene (körperlich, psychisch, sozial) in den Fokus. Ein Chiropraktor wird wohl eine Diagnose auf körperlicher Ebene stellen (z. B. BWS-Syndrom), während ein Psychiater für denselben Patienten am selben Tag eine psychische Diagnose stellen könnte (z. B. Anpassungsstörung). In der ärztlichen Abrechnung ist die Diagnose Grundlage für die Abrechnung. Der Behandlungsfall ist mit einer Diagnose verknüpft und pro Behandlungsfall (definiert als ein Monat nach erster Inanspruchnahme des Arztes) kann man bestimmte Gebührenziffern nur einmal abrechnen (Beratung und symptombezogene Untersuchung) (vgl. GOÄ 2019: B Grundleistungen und allgemeine Bestimmungen). Mit der Vergabe einer neuen Diagnose und damit der Eröffnung eines neuen Behandlungsfalls können bei Ärzten wieder die Grundabrechnungsziffern in Rechnung gestellt werden.

Quelle:

Bundessozialgericht 1971: Urt. v. 23.11.1971, Az.: 3 RK 26/70, unter: https://www.jurion.de/urteile/bsg/1971-11-23/3-rk-26_70/ (abgerufen am 29.05.2019).

GOÄ 2019: B Grundleistungen und allgemeine Bestimmungen, http://www.e-bis.de/goae/defaultFrame.htm (abgerufen am 31.05.2019).

WHO 2015: Constitution of the World Health Organization, unter: http://apps.who.int/gb/bd/PDF/bd47/EN/constitution-en.pdf (abgerufen am 01.09.2018).

31.05.2019 Ι aus der Praxis