Neuigkeiten aus der Forschung

Wie hoch ist das Risiko für Kniearthrose nach einer Knieverletzung?

Gibt es ein Risiko nach einer Knieverletzung Kniearthrose zu entwickeln? Wie hoch ist dieses Risiko? Diesen Fragen widmete sich die Forschergruppe um Erik Poulsen. Die Wissenschaftler untersuchten, wie hoch das Risiko für Kniearthrose in Folge einer Knieverletzung – genauer nach einer Verletzung des vorderen Kreuzbandes, eines Meniskusschadens oder einer Kombination der beiden Verletzungen – ist.

Die Forschergruppe wertete dazu wissenschaftliche Literatur aus und zwar prospektive und zurückblickende Studien mit über zwei Jahren Nachprüfung nach Knieverletzung, mit über 18jährigen und unverletztem anderen Knie bzw. unverletzter Gruppe als Vergleich. Das Ergebnis der Studien wurde per Röntgenaufnahmen, Symptomen oder selbst-eingeschätzten Symptomen definiert. Das Abweichungsrisiko für wissenschaftliche Studien wurde von der Forschergruppe kontrolliert und weitere statistische Methoden zum Vergleich von Studien angewendet. 4.559 Studien wurden in die Vorauswahl genommen, 261 wissenschaftliche Studien im Volltext ausgewertet.

Chiropraktor-Haus-Hamburg-KnieKniearthrose wurde mittels Röntgenaufnahme des Knies in 96% der Studien nachgewiesen. Hinsichtlich einer Verletzung des vorderen Kreuzbands wurden 12 Forschungsstudien (185.276 Teilnehmer, Durchschnittsalter 28.0 Jahre, 35% Frauen) berücksichtigt. Bezüglich eines Meniskusschadens konnten 12 wissenschaftliche Studien (6.211 Teilnehmer, Durchschnittsalter 33.0 Jahre, 23% Frauen) herangezogen werden. Für die kombinierte Verletzung aus vorderem Kreuzband und Meniskus fanden 18 Studien (1.295 Teilnehmer, Durchschnittsalter 25.5, 32% Frauen) Berücksichtigung. Die Inkonsistenz der Einschätzungen der Studien für die drei Typen der Verletzung lag zwischen 57% und 91%.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher nach Auswertung der wissenschaftlichen Studien?

Das Risiko, Kniearthrose in Folge einer Verletzung am vorderen Kreuzband oder einer Meniskusverletzung zu entwickeln ist vier bis sechs Mal höher im Vergleich zum Risiko Kniearthrose in einem unverletzten Knie zu entwickeln. Liegt eine kombinierte Verletzung aus einer Verletzung des vorderen Kreuzbands und einer Verletzung des Meniskus‘ vor, ist das Risiko zur Entwicklung von Kniearthrose siebenmal höher als bei einem unverletzten Knie. Dieses Ergebnis ist jedoch vor dem Hintergrund der großen Inkonsistenz der Einschätzungen der Studien zu betrachten.

Quelle: Poulsen, Erik/Goncalves, Glaucia/Roos, Ewa/Thorlund, Jonas/Juhl, Carsten 2017: Quantifying the risk of developing knee osteoarthritis following knee injury – a systematic review and meta-analysis, vorgestellt auf dem Kongress der Europäischen Chiropraktoren Union, Limassol, Zypern, 25-27 Mai 2017, unter: https://chiromt.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12998-017-0166-7 (abgerufen am 27.04.2018).

Anmerkung: Weitere Informationen zu Kniearthrose finden Sie hier.

09.05.2018 Ι aus der Forschung

Orthodoxe und unorthodoxe Leitbilder bei Chiropraktoren in Europa

Historisch gesehen gibt es bei Chiropraktoren unterschiedliche Meinungen zu den Leitbildern von Zugängen von Gesundheitsfürsorge und Wissenschaft, die diese Überzeugungen untermauert. Man spricht von orthodoxen und unorthodoxen Leitbildern. Ob ein Chiropraktor der orthodoxen (evidenz-basierten) Gruppe oder der unorthodoxen Strömung zugeordnet werden kann, hat Konsequenzen für die von ihm behandelten Patienten.

Wissenschaftler um McGregor berichteten, dass die Zugehörigkeit von orthodoxen und unorthodoxen Leitbildern mit Verhalten einhergingen, die den evidenz-basierten Richtlinien in Kanada widersprachen [Anm.: Evidenz-basiert heißt, dass patientenoriente Entscheidungen auf Basis von Forschungsergebnissen getroffen werden und die Forschungsstudien, die diese Forschungsergebnisse hervorbringen, strenge Kriterien erfüllen müssen].

Die orthodoxen (auf Forschungsergebnissen basierenden) und unorthodoxen Leitbilder können in fünf Aussagen abgebildet werden. Bisher wurde dies nur in Kanada untersucht. Ein leicht abgeänderter Fragebogen wurde im Frühjahr 2017 an Chiropraktoren in Europa verteilt.

Die Verbreitung erfolgte durch eine Online-Plattform mit Links zu der Umfrage, die an alle Chiropraktorenverbände in Europa gesendet wurde. Über Social Media Kanäle wurde ebenfalls der Link zur Umfrage verbreitet. 1.132 Chiropraktoren (16% der Chiropraktoren in Europa) nahmen teil. Die Glaubenssätze waren in fünf Kategorien zusammengefasst. Die Glaubenssätze reichten vom Fokus auf den Muskel-Skelett-Apparat (orthodox) bis zur Überzeugung, dass Subluxationen ein Hindernis für die Gesundheit (unorthodox) darstellen. Basierend auf den Antworten wurde eine Analyse durchgeführt.

Was war das Ergebnis?

  • 47,7% der Antworten waren dem orthodoxen/evidenz-basiertem Leitbild zuzuordnen und 18,2% der Antworten entsprachen dem unorthodoxen Leitbild.
  • Wenn man die Zahl der Neupatienten, die geröntgt wurden, vergleicht, röntgen nur 5% der orthodoxen/evidenz-basierten Gruppe ihre Neupatienten, während 23% der unorthodoxen über 50% ihrer Neupatienten röntgen.
  • Die Chiropraktoren, die annahmen, dass Subluxationen durch Röntgenaufnahmen identifiziert werden können, stellten 2% in der orthodoxe/evidenz-basierten Gruppe und 33% in der unorthodoxen Gruppe.
  • Der Anteil von Chiropraktoren, die mehr als 150 Patienten pro Woche sehen, lag in der orthodoxen/evidenz-basiertem Gruppe bei 11% und war in der unorthodoxen Gruppe mit 22% doppelt so hoch.
  • Der Anteil derjenigen, die der Aussage „Im Allgemeinen hatten Impfungen einen positiven Effekt auf die öffentliche Gesundheit weltweit“ widersprachen, lag bei 4,02% in der orthodoxen/evidenz-basierten Gruppe im Vergleich zu 56,8% in der unorthodoxen Gruppe.

Trotz der eingeschränkten Generalisierbarkeit dieser Umfrage war der Anteil von Anhängern bestimmter Glaubenskategorien erstaunlich ähnlich der Umfrage in Kanada von McGregor. Zudem und in Übereinstimmung mit den Ergebnissen für Kanada deutet das Ergebnis dieser Umfrage an, dass wichtige Praxischarakteristika, die im Gegensatz zu nationalen Richtlinien für Röntgenaufnahmen oder evidenz-basierter öffentlicher Gesundheitspolitik stehen, signifikant mit unorthodoxen Sichtweisen einhergehen. Ob ein Chiropraktor auf Forschungsergebnissen basierend arbeitet und zur unorthodoxen Gruppe gehört, hat Konsequenzen für die von ihm behandelten Patienten.

Quelle: Gíslason, Halldór Fannar/Salminen, Jari Kullervo/ Sandhaugen, Linn/Storbråten, Andreas Stenseth/ Versloot, Renske/Rouge, Inger/Newell, Dave 2017: The shape of chiropractic in Europe survey: a preliminary comparative analysis of two self selected identities, ECU convention research prasentations, Limassol, Cyprus, 25-27 May 2017, unter: https://chiromt.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12998-017-0166-7  (abgerufen am 23.04.2018)

Anmerkung: Beim Gipfel der Europäischen Chiropraktoren Union im November 2017 haben sich die Universitäten in Dänemark, Frankreich, Großbritannien und der Schweiz formal auf gemeinsame Leitlinien zur klinischen und beruflichen Ausbildung von Chiropraktoren verpflichtet:

  • Verpflichtung auf evidenz-basierten Ansatz (patientenoriente Entscheidungen werden auf Basis von Forschungsstudien getroffen, die strengen Kriterien erfüllen müssen)
  • Ablehnung des vitalistischen Konzepts: Die Lehre vom vertebralen Subluxationskomplex als einem vitalistischen Konstrukt, das annimmt, dass es die Ursache für Krankheit ist, wird nicht von Evidenz (Forschungsergebnissen) unterstützt. [Im Speziellen betrifft dies die Form des Vitalismus, die annimmt, dass, wenn die vertebrale Subluxation korrekt justiert wird, die Störung aufgehoben, der Druck beseitigt, die Belastbarkeit wieder normalisiert und die Gewebezelle wieder hergestellt wird sowie Leben und Gesundheit beginnen, wieder normal zu werden. All dies wird, so die Vitalisten, von angeborener Intelligenz (innate intelligence) gesteuert und durchgeführt] (Anm.: Vitalisten sind vor allem in den USA, Spanien und teilweise in Neuseeland vertreten. Vitalistische Strömungen wurden in letzter Zeit auch vermehrt an Universitäten in Großbritannien vorgefunden).
  • nur wenige Minuten pro Patient (bis 5 Minuten) („high volume“) wird abgelehnt
  • mehrere Behandlungsbänke in einem Raum, wo die Behandlung bei einem der Patienten sich bereits auf die anderen Patienten auswirken soll, wird abgelehnt sowie
  • das Angebot von unbegründeten „Behandlungspaketen“ (Anm.: z. B. Flatrate-Modelle) oder unbegründeten klinischen Techniken wird abgelehnt.

Mehr dazu finden Sie in unserer Mitteilung vom 06.12.2017.

Wir vom Chiropraktor-Haus arbeiten ausschließlich evidenz-basiert.

23.04.2018 Ι aus der Forschung

Falscher Umgang mit Rückenschmerzen kosten das Gesundheitssystem Milliarden

Zu viel Medikamente, zu viel unnötige Scans und OPs, zu viele Krankschreibungen – Fehlbehandlungen bei Rückenschmerzen kosten das Gesundheitsystem Milliarden

Rückenschmerzen sind die Volkskrankeit Nummer 1. Die falsche Behandlung von Rückenschmerzen ist eine große Herausforderung. 29 der weltweit führenden Rückenforscher kritisieren scharf, wie Gesundheitssysteme mit Rückenschmerzen umgehen. Weltweit sind 540 Millionen Menschen betroffen. Das Behandlungssystem bei Rückenschmerzen läuft auf unwirksamen Autopilot. Es kostet die Gesellschaft Milliarden von Dollar und hat Folgen für die Lebensqualität der Betroffenen.

Jan Hartvigsen, Professor in der Abteilung Sport und Klinische Biomechanik der Süddänischen Universität, ist einer der Forscher, der sich seit langem mit Rückenschmerzen befasst, und nun Alarm schlägt. Er hat keine Zweifel, dass wir in der Art und Weise, wie unsere Gesellschaft mit Rückenschmerzen umgeht, deutliche Verbesserungen erzielen können. „Wir verschwenden unser Geld, indem wir fehlbehandeln und Menschen mit Rückenschmerzen in der Patientenrolle festhalten, die zur Krankheit beiträgt. Statt den Patienten eine wirksame Behandlung zu geben und sie arbeitsfähig zu halten, geben wir ihnen zu viel Medikamente, zu viel unnötige Scans und Operationen und schreiben sie zu viel krank“, sagt Hartvigsen. Das Gesundheitssystem unterstützt falsche Entscheidungen. „Wir haben gute und gut dokumentierte Behandlungen, die bei vielen Menschen mit Rückenschmerzen wirksam sind, und das sind in erster Linie Training (Übungen zu Hause) und Physiotherapie und Behandlungen durch einen Chiropraktor. Aber diese Behandlung ist zunächst teurer als die Behandlung mit Medikamenten oder einer Operation. Aber die Rechnung geht nicht auf für die Gesellschaft. Rückenschmerzen kosten die Gesellschaft einen enormen Betrag. In Dänemark sprechen wir auf Basis einer konservativen Rechnung von 6,7 Milliarden Kronen jährlich [Anm. 899 Millionen Euro jährlich]. Ein Teil des Geldes könnte verwendet werden, um Training (Übungen in Eigenregie) und Physiotherapie und Chiropraktik kostenlos oder billiger anzubieten. Dies wäre Hilfe zur Selbsthilfe. Es fehlt jedoch die Bereitschaft, Ressourcen zu bewegen. Zudem fehlt es an Forschung. Rückenschmerzen sind die häufigste Ursache für Behinderungen – in allen Altersgruppen von Erwachsenen. Doch wir verwenden weniger als 1% der Forschungsmittel im Bereich der Gesundheitsforschung für Rückenschmerzen.

Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was man weiß, was bei Rückenschmerzen am wirksamsten ist, und dem, was tatsächlich getan wird. Diese Lücke zwischen Wissen und Umsetzung tritt in allen Staaten auf. Das Ergebnis sind unnötige oder schädliche Medikamente, wiederholte Scans und Operationen statt Information, Training (Übungen in Eigenregie) und Behandlung. Die Forscher warnen, dass Staaten mit mittlerem und niedrigem Einkommen Gefahr laufen, die Fehler der am weitesten entwickelten Staaten zu wiederholen. Es besteht eine große Herausforderung in der öffentlichen Bildung. Wir müssen den Menschen erklären, dass sie nicht in Panik geraten sollen, wenn sie Rückenschmerzen haben. Das Leben hört nicht auf. Sie müssen aktiv bleiben und arbeiten gehen, soweit sie können.

Jan Hartvigsen spricht drei Empfehlungen für den Umgang mit Rückenschmerzen in der Gesellschaft aus:

  1. Wir sollten jedem im Gesundheitssystem aktuelles Wissen über Rückenschmerzen geben, damit sie nicht durch nutzlose Untersuchungen und Medikamente angewidert sind.
  2. Wir sollten jedem Zugang zu physische Aktivität und Training (Übungen in Eigenregie) geben, der Bedarf hat.
  3. Wir sollten ein Präventions- und Behandlungssystem schaffen, in dem Gesundheitssystem und Arbeitsplatz miteinander verbunden sind.

Fakten über Rückenschmerzen:

  • Jedes Jahr erleben 30% bis 50% aller Deutschen Rückenschmerzen.
  • Menschen mit Rückenschmerzen gehen 5-Mal so oft zum Arzt wie Menschen ohne Rückenschmerzen.
  • Menschen mit Rückenschmerzen gehen häufig stationär ins Krankenhaus und werden 7-Mal so oft ambulant im Krankenhaus behandelt.
  • Rückenschmerzen sind der häufigste Grund für Krankschreibungen.

10.04.2018 Ι aus der Forschung

Wer geht zum Chiropraktor? Mit welchem Problem? Eine globale Analyse

Chiropraktoren praktizieren in 100 Staaten weltweit. In 90 Staaten besteht ein Berufsverband für Chiropraktoren. Chiropraktik ist die meist genutzte komplementäre Medizinrichtung in den USA und Europa. [Anm.: Informationen zum Unterschied zwischen Chiropraktoren und Chiropraktikern bzw. Chirotherapeuten finden Sie hier].

Mit der Studie um Peter Beliveau wird erstmals auf globaler Ebene betrachtet, wie Chiropraktik genutzt wird, von wem und warum.

Dazu werteten die Forscher systematisch Fachliteratur über Chiropraktik aus. Die Studien, die in Frage kamen, hatten folgende Gemeinsamkeiten: (1) Publikationssprache Englisch oder Französisch, 2) Fallserien, deskriptive Untersuchungen, fachübergreifende Untersuchungen oder Kohortenstudien, 3) Beschreibung von Patienten, die Chiropraktik in Anspruch nehmen, 4) berichteten zu folgenden Themen: Nutzung von Chiropraktik, Gründe der Inanspruchnahme von Chiropraktik, Profile von Patienten. Gutachter überprüften alle Zitate und Daten. Die Forschungsgruppe stellte beschreibende numerische Analysen bereit, z. B. identifizierte sie die mittlere Rate und den Interquartilbereich (Chiropraktiknutzungsrate), die durch die Studienteilnehmer oder den Studienteilnehmerzustand bewirkt sind.

Die Literaturrecherche ergab 14.149 wissenschaftliche Artikel. 328 Studien waren relevant. Die Auswertung der wissenschaftlichen Literatur ergab, dass die meisten Chiropraktor-Patienten Frauen sind (57%) mit einem Durchschnittsalter von 43,4 Jahren. Im Allgemeinen waren 77,3% berufstätig (Arbeitnehmer). Personen mit Behinderung stellten nur 1,4% der Patienten von Chiropraktoren.

Frauen, Patienten mit chronischen Schmerzen und Patienten mit Rückenschmerzen nahmen Chiropraktik häufiger in Anspruch als die allgemeine Bevölkerung. Hingegen nahmen Kinder (unter 18 Jahren) und Ältere (über 55 Jahre) Chiropraktik weniger in Anspruch als die allgemeine Bevölkerung.

Die häufigsten Gründe, Chiropraktik vom Chiropraktor in Anspruch zu nehmen, waren Rückenschmerzen im unteren Rücken (Lendenwirbelbereich) (49,7%), Nackenschmerzen (22,5%) und Extremitätsprobleme (Arme, Beine, Füße) (10%). Bei Kindern (Personen unter 18 Jahren) waren die häufigsten Gründe, einen Chiropraktor aufzusuchen, Schmerzen/Probleme im Bewegungsapparat (44%), übermäßiges Schreien/Weinen (19,8%), neurologische Probleme (17,9%), gastrointestinale Beschwerden (Verdauungsbeschwerden) (17,5%).

Die Mehrzahl der relevanten Studien wurden zwischen 2005 und 2016 veröffentlicht und wurden in den USA, Kanada oder Australien durchgeführt.

Quelle: Beliveau, Peter/Wong, Jessica/Sutton, Deborah/Simon, Nir/Bussiéres, André/Mior, Silvano/French, Simon 2017: The chiropractic profession: a scoping review of utilization rates, reasons for seeking care, patient profiles, and care provided, in: Chiropractic & Manual Therapies, 25:35, https://chiromt.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12998-017-0165-8 (abgerufen am 27.03.2018).

27.03.2018 Ι aus der Forschung

Schwangerschaft: Rückenschmerzen und verursachende Bewegungen

Rückenschmerzen im unteren Rücken (Lendenwirbelsäule) während der Schwangerschaft könnte stark mit der Körperhaltung und Körperbewegungen verbunden sein. Daher ist das Management von Rückenschmerzen in der Schwangerschaft ein wichtiges Thema aus klinischer Sicht. Ein Forscherteam nahm nun die Aktivitäten, die in der Schwangerschaft zu Rückenschmerzen führen, in den Blick.

275 Frauen vor der 12. Schwangerschaftswoche nahmen an der Studie teil. Die Frauen wurden in der 12. Woche, in der 24. Woche, in der 30. Woche und in der 36. Woche der Schwangerschaft untersucht. Die Intensität der Rückenschmerzen im unteren Rücken wurde mithilfe einer numerischen Skala gemessen. Die Bewegungen, die mit Rückenschmerzen im unteren Rücken verbunden waren, wurden mit freien Beschreibungen festgehalten. Mithilfe deskriptiver Statistiken wurden die Bewegungen, die laut den schwangeren Frauen Rückenschmerzen auslösten, bei jeder Evaluation zusammengetragen. Eine lineare Regressionsanalyse gab Auskunft über den Grad der Verbundenheit bestimmter Bewegungen mit Rückenschmerzen im unteren Rücken. Dazu wurden die Daten der Teilnehmer mit Rückenschmerzen genutzt. Die Intensität von Rückenschmerzen im unteren Rücken war die abhängige Variable, während die Bewegungen, die mit Schmerzen verbunden waren, die unabhängigen Variablen darstellten:

Bewegungen, die mit Schmerzen verbunden sind => Intensität von Rückenschmerzen im unteren Rücken

Chiropraktik, schwanger, Rückenschmerzen, Beckenschmerzen, Hüftschmerzen, Knieschmerzen, Chiropraktor, Chirorpaktor-Haus, HamburgZu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Es konnten 16 Bewegungen, die Rückenschmerzen im unteren Rücken auslösten, identifiziert werden. Alle diese 16 Bewegungen waren tägliche Aktivitäten und keine spezifischen Bewegungen, die besonderen Aufwand voraussetzten. Als die Schwangerschaft fortschritt, schrieben weniger Teilnehmer Schmerzen einer bestimmten Bewegung zu. Zu allen Untersuchungszeitpunkten waren Bewegungen, vor allem sich aufsetzen, von einem Stuhl aufstehen, sich drehen signifikant mit Rückenschmerzen im unteren Rücken während der gesamten Schwangerschaft verbunden. Sich hinlegen oder aufsetzen waren ebenfalls signifikant mit Rückenschmerzen im unteren Rücken verbunden, jedoch blieb dies nicht bis zum Ende der Schwangerschaft bestehen. Tägliche Routineaktivitäten sind mit Rückenschmerzen im unteren Rücken während einer Schwangerschaft verbunden. Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass Empfehlungen für schwangere Frauen für einfache physische Bewegungen hilfreich sein könnten, um das Gewicht auf den Körper zu reduzieren.

Quelle:

Morino, Saori/Ishihara, Mika/Umezaki, Fumiko/Hatanaka, Hiroko/IIjima, Hirotaka/Yamashati, Mamoru/Aoyama, Tomoki/Takahashi, Masaki 2017: Low back pain and causative movements in pregnancy: a prospective cohort study, in: BMC Musculoskeletal Disorders, 18:416, unter: https://bmcmusculoskeletdisord.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12891-017-1776-x (abgerufen am 13.03.2018).

13.03.2018 Ι aus der Forschung