Neuigkeiten aus der Forschung2016-11-30T10:18:09+02:00

Neuigkeiten aus der Forschung

Überweisungen von Rückenpatienten von der Chirurgie zur Chiropraktik: Ergebnisse

Rückenschmerzen im unteren Rücken (Lendenwirbelbereich) ist global die führende Ursache für Lebensjahre mit Beeinträchtigungen. Die Punkt-Prävalenz [Anm: Das Vorkommen zu einem bestimmten Zeitpunkt z. B. an einem Stichtag] wird auf 12 % und die ein-Monats-Prävalenz [Anm: Das Vorkommen innerhalb eines Zeitraums von einem Monat] wird auf 23 % geschätzt. Rückenschmerzen im unteren Rücken verursachen hohe soziale und ökonomische Belastungen, vergleichbar mit Herzkreislauf-Erkrankungen in Staaten mit hohem Einkommen.

Weniger als 20 % der Patienten, die sich bei einem Chirurgen vorstellen, benötigen typischerweise eine chirurgische Lösung. Die Herausforderung ist die verlässliche Identifizierung von Operationsindikationen. Daher ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Rückenchirurgen und nicht-chirurgischen Rückenexperten wie Chiropraktoren entscheidend.

Für die optimale Versorgung von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen im unteren Rücken (Lendenwirbelbereich) ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Chirurgen und nicht-chirurgisch arbeitenden Rückenexperten äußerst wichtig. Die Angliederung einer Chiropraktik-Klinik an ein Universitätskrankenhaus mit einer großen Abteilung für Rückenschmerzen in Zürich, Schweiz, ermöglicht eine solche Zusammenarbeit. Das Ziel dieser Studie war die Beschreibung der Bewegungsbahnen und Ergebnisse von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen im unteren Rücken, die von der Chirurgie an die Chiropraktik-Klinik der Universitätsklinik überwiesen wurden.

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Chiropraktor Alexander Meier zeigt, wo der untere Rücken (Lendenwirbelbereich) ist.

Die Patienten füllten eine 11-Punkte numerische Bewertungsskala für die Schmerzintensität aus sowie den Bournemouth Fragebogen (bio-psycho-soziale Messung) zu Beginn und nach der ersten, dritten, sechsten Woche und nach 12 Monaten aus. Zusätzlich wurde die Skala der Veränderung aus Patientensicht (Patient’s Global Impression of Change) zu allen Zeitpunkten außer zu Beginn bei den Patienten abgefragt. Der Verlauf der numerischen Bewertungsskala und des Bournemouth Fragebogen wurden statistisch analysiert (lineare gemischte Modellanalysen und wiederholten Messzahlen ANOVA). Der Anteil der Patienten, der klinische relevante ganzheitliche Besserung berichtete, wurde kalkuliert und die dahinter liegenden Faktoren wurden statistisch bestimmt (mithilfe logistischer Regressionsanalysen).

Zwischen Juni 2014 und Oktober 2016 wurden 67 Studienteilnehmer rekrutiert. Von diesen litten 46 an Rückenschmerzen im unteren Rücken seit mehr als einem Jahr und 21 Patienten hatten seit mehr als drei Monaten jedoch weniger als ein Jahr Rückenschmerzen im unteren Rücken. Zum Ausgangszeitpunkt war die mittlere numerische Bewertungsskala 5.43 und der mittlere Bournemouth Fragebogen 39.80 Punkte. Die numerische Bewertungsskala nahm signifikant ab auf 4.05 nach 12 Monaten. Eine signifikante Reduzierung konnte nicht vor sechs Monaten nach Behandlungsbeginn beobachtet werden. Der Bournemouth Fragebogen verringerte sich signifikant von 39.80 Punkten auf 29.00 nach 12 Monaten und zeigte eine signifikante Reduzierung innerhalb des ersten Monats. Der Anteil der Patienten, der von gesamter Besserung berichtete, stieg signifikant von 23 % nach einer Woche auf 47 % nach einem Monat. Dann stabilisierte es sich: Der Anteil der Patienten, der von gesamter Besserung berichtete, stieg auf 56 % nach drei Monaten und sechs Monaten und betrug 44 % nach 12 Monaten. Die Reduktion der bio-psycho-sozialen Beeinträchtigung (erhoben mit dem Bournemouth Fragebogen) war bei der gesamten Besserung von höherer Wichtigkeit als Schmerzreduktion.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Chiropraktik vom Chiropraktor ist eine wertvolle konservative Behandlungsmethode, die mit klinisch relevanter Besserung bei circa der Hälfte der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen im unteren Rücken einhergeht. Die Ergebnisse dieser Studie sind ein Beispiel für die Wichtigkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit bei der Behandlung von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen.

[Anmerkung: Die Zusammenarbeit zwischen Chirurgen und Chiropraktoren ist nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Dänemark Alltag. So werden in Dänemark Patienten mit Rückenschmerzen oder auch Bandscheibenvorfällen nur äußerst selten operiert. Die chirurgische Option wird grundsätzlich erst nach drei Monaten konservativer Behandlung (Chiropraktik und Physiotherapie) ohne Besserung und mit anhaltenden schweren funktionshemmenden Schmerzen erwogen. Am Rückenzentrum der Universitätsklinik, in die die besonders schweren Fälle überwiesen werden, arbeiten viele Chiropraktoren. Angehende Chiropraktoren müssen während des Studiums dort 9 Monate Praktikum machen.]

Quelle:

Wirth, Brigitte/ Riner, Fabienne/ Peterson, Cynthia/ Humphreys, Barry Kim/ Farshad, Mazda/ Becker, Susanne/ Schweinhardt, Petra 2019: An observational study on trajectories and outcomes of chronic low back pain patients referred from a spine surgery division for chiropractic treatment, in: Chiropractic & Manual Therapies, 27:6, https://chiromt.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12998-018-0225-8 (abgerufen am 17.04.2019).

18.04.2019 Ι aus der Forschung

Nicht-pharmazeutisches Management von anhaltenden Kopfschmerzen zusammen mit Nackenschmerzen: Chiropraktik in neuer klinischer Richtlinie

Das nicht-medikamentöse Management von anhaltenden Kopfschmerzen zusammen mit Nackenschmerzen stand im Mittelpunkt der neuen evidenz-basierten klinischen Richtlinie aus Kanada (Ontario). Die Forscher, die diese Richtlinie entwickelt haben, prüften die wissenschaftlichen Studien zu Kopfschmerzen und Nackenschmerzen. Sie untersuchten die Evidenz des klinischen Nutzens, die Kosteneffizienz, soziale und ethische Werte und Patientenerfahrungen bei der Behandlung von Nackenschmerzen als Grundlage für die Formulierung der Klinischen Richtlinie.

Chiropraktor-Haus-Kopfschmerzen_2Die neue Klinische Richtlinie ist für Ärzte und Patienten von großer Bedeutung, da sie die Behandlung von Kopfschmerzen aufgrund von Nackenschmerzen vereinheitlicht und so die Behandlungsqualität erhöht.

Beim Management von Patienten mit Kopfschmerzen, die mit Nackenschmerzen einhergehen, sollten die Behandler

  • strukturelle oder andere Pathologien oder Migräne als Grund für die Kopfschmerzen ausschließen
  • Kopfschmerzen, die mit Nackenschmerzen einhergehen, klassifizieren als Spannungskopfschmerz oder zervikogener Kopfschmerz, nachdem andere Ursachen für Kopfschmerzen ausgeschlossen wurden
  • die Behandlung in Kooperation mit dem Patienten anbieten und den Patienten in Behandlungsplan und Entscheidungsfindung einbeziehen
  • strukturierte Patientenerziehung (patient education) anbieten
  • belastungsarme craniocervikale und cervicosacpulare Übungen für episodische oder chronische Spannungskopfschmerzen oder zervikogene Kopfschmerzen von mehr als drei Monaten Dauer in Erwägung ziehen
  • generelles Training (Übungen), eine multimodale Behandlung (Wirbelsäulenmobilisierung, craniocervikale Übungen, Haltungskorrektur) oder klinische Massage für chronische Spannungskopfschmerzen in Erwägung ziehen
  • nicht als einzige Behandlungsform eine Wirbelsäulenmobilisation für episodischen und chronischen Spannungskopfschmerz anbieten
  • Manipulation mit oder ohne Mobilisierung für die Halswirbelsäule und die Brustwirbelsäule bei zervikogenen Kopfschmerzen mit mehr als drei Monaten Dauer in Erwägung ziehen. Es gibt keinen Mehrwert bei der Kombination von Wirbelsäulenmanipulation, Wirbelsäulenmobilisation und Übungen.
  • den Patienten bei jedem Besuch erneut bewerten.

Diese evidenz-basierte Richtline aus Kanada stellt Empfehlungen für das konservative Management von andauernden Kopfschmerzen, die mit Nackenschmerzen einhergehen, zur Verfügung. Chiropraktische Behandlungen, Weichteilmassage und Übungen stehen im Mittelpunkt der Klinischen Richtlinie.

Quelle:

Pierre Côté/ Hainan Yu/ Heather M. Shearer/ Kristi Randhawa/ Jessica J. Wong/ Silvano Mior/ Arthur Ameis/ Linda J. Carroll/ Margareta Nordin/ Sharanya Varatharajan/ Deborah Sutton/ Danielle Souther/ Craig Jacobs Maja durchgeführt Stupar/ Anne Taylor-Vaisey, Douglas P. Gross, Robert J. Brison, Mike Paulden, Carlo Ammendolia, David Cassidy, Patrick Loisel, Shawn Marshall, Richard N. Bohay, John Stapleton und Michel Lacerte 2019: Non‐pharmacological management of persistent headaches associated with neck pain: A clinical practice guideline from the Ontario protocol for traffic injury management (OPTIMa) collaboration, in: European Journal of Pain, unter: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ejp.1374#.XFkXMHMNalw.email (abgerufen am 03.04.2019).

11.04.2019 Ι aus der Forschung

Chiropraktik ermöglicht eine bessere Wiederherstellung der Funktion als Medikamente oder Training

Das British Medical Journal veröffentlichte eine Studie, die auf fast 10.000 Patienten basiert und zeigt, dass die manuelle Behandlung der Wirbelsäule durch Chiropraktoren (Justierung) eine wirksame Behandlungsmethode ist – so effektiv wie Training für den Rücken, jedoch mit schnellerer Wiederherstellung der Funktion.

Die wissenschaftliche Untersuchung wurde von einer Cochrane-Kollaboration durchgeführt. Cochrane ist im Allgemeinen sehr zurückhaltend in seinen Schlussfolgerungen. Die Zusammenarbeit Cochrane ist die maßgebliche internationale Organisation, um die Wirksamkeit von Behandlungen zu bestimmen. Die Cochrane Back and Neck Group hat ihren Sitz in Toronto und ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation.

Die Studie um Sidney Rubenstein hatte das Ziel, die Effektivität von Chiropraktik im Hinblick auf Schmerzminderung und Funktionsverbesserung auf kurze, intermediäre und lange Sicht zu bewerten im Vergleich zu anderen Therapien für chronische Rückenschmerzen im unteren Rücken. Das zweite Ziel war die Einschätzung von Nebenwirkungen.

Die Forscher führten eine systematische Durchsicht und Meta-Analyse von randomisierten kontrollierten Studien durch. [Anmerkung: Das sind wissenschaftliche Studien auf höchstem wissenschaftlichem Niveau bei denen die Teilnehmer zufällig (randomisiert) in zwei oder mehrere Gruppen eingeteilt werden. Eine Gruppe erhält die zu untersuchende Behandlung, während die andere (n) Gruppe(n) keine Behandlung, Placebo-Behandlung oder eine andere Behandlung erhält.] Für die Studie wurden Studien ausgewählt, die den Effekt von Manipulation oder Mobilisation an der Wirbelsäule bei Personen, die älter waren als 18 Jahre und chronische Rückenschmerzen im unteren Rücken mit oder ohne Schmerz untersuchten. Studien, die nur Ischias untersuchten, wurden ebenso ausgeschlossen wie graue Literatur [Anmerkung: als graue Literatur bezeichnet man Forschungsberichte, die nicht in öffentlichen Verlagen (Büchern oder Zeitschriften) erscheinen].

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Chiropraktor Alexander Meier zeigt, wo Schmerzen im unteren Rücken (Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich) sich typischerweise zeigen.

Wie wählten die Forscher Studien aus? Je zwei Prüfer wählten unabhängig voneinander Studien, extrahierten die Daten und bewerteten das Risiko von Bias (Abweichungen) und Evidenzqualität. Der Effekt von chiropraktischen Eingriffen an der Wirbelsäule wurde verglichen mit empfohlenen Therapien, nicht empfohlenen Therapien, Placebo-chiropraktischen Eingriffen und Chiropraktik als ergänzende Therapie. Die Bestimmung von empfohlenen und nicht empfohlenen Interventionen basierte auf kürzlich erschienen Richtlinien zur Behandlung von Rückenschmerzen im unteren Rücken aus den USA; aus dem Vereinigten Königreich und aus den Niederlanden. Eine Intervention wurde kategorisiert als empfohlene Therapie oder nicht empfohlene Therapie, wenn sie in mindestens zwei der Richtlinien als solche festgehalten war. Die empfohlenen Therapien waren nicht-medikamentös (zum Beispiel Training) oder medikamentös (z. B. nicht-steriodiale Entzündungshemmer, Analgetika). Nicht empfohlene Therapien umfassten nicht-effektive Therapien (z. B. leichte Leichtgewebemassage, keine Behandlung) oder potenziell schädliche Therapien (z. B. Elektrotherapie). Die Hauptergebnisse waren Schmerz und rückenspezifischer funktionaler Status sowohl als mittlere Unterschiede (mean differences) als auch als standardisierte mittlere Unterschiede. Die Ergebnisse wurden nach einem, nach sechs und nach 12 Monaten untersucht. Die Qualität der Evidenz wurde unter Rückgriff auf GRADE bewertet. Ein zufälliges Effekt-Modell wurde benutzt und statistische Heterogenität untersucht.

47 Studien wurden identifiziert. Diese Studien basierten auf 9.211 Teilnehmern, die durchschnittlich im mittleren Alter (36-50 Jahre) waren. Die meisten Studien verglichen Chiropraktik mit empfohlenen Therapien. Moderate Qualitätsevidenz konnte zeigen, dass Chiropraktik ähnliche Effekte wie andere empfohlene Therapien zur kurzfristigen Schmerzminderung hat und eine kleine klinische bessere Verbesserung/Regeneration. Hohe Qualitätsevidenz konnte zeigen, dass verglichen mit nicht empfohlenen Therapien Chiropraktik in kleinen nicht klinischen besseren Effekten für kurzfristige Schmerzminderung resultiert. Zudem resultiert Chiropraktik in kleinen bis moderaten klinischen besserer Verbesserung/Regeneration hinsichtlich der Funktion. Im Allgemeinen waren diese Ergebnisse für intermediäre und langfristige Ergebnisse wie für die Effekte von Chiropraktik als ergänzende Therapie. Evidenz für Placebo-Chiropraktik war niedrig bis sehr niedrig. Daher sollten diese Effekte als unsicher gelten. Statistische Heterogenität konnte nicht erklärt werden. Ungefähr die Hälfte aller Studien betrachtete Nebenwirkungen und ernste Nebenwirkungen, aber in den meisten war unklar wie und ob diese Ereignisse systematisch aufgenommen wurden. Die meisten der Nebenwirkungen waren bezogen auf den Muskel-Skelett-Apparat, von vorübergehender Natur und von milder bis moderater Schwere. Eine Studie mit einem niedrigen Risiko für Auswahlbias und ausgestattet um Risiko zu untersuchen (183 Fälle) fand kein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen oder Dauer des Ereignisses verglichen mit Placebo-Chiropraktik.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Chiropraktik produziert ähnliche Effekte wie empfohlene Therapien im Hinblick auf Rückenschmerzen im unteren Rücken, aber Chiropraktik resultiert in klinischen besseren Effekten hinsichtlich kurzfristiger Verbesserung der Funktion im Vergleich zu nicht empfohlenen Therapien, Placebo-Therapie oder als ergänzende Therapie. Behandler sollten ihre Patienten über das mögliche Risiko von Nebenwirkungen bei Chiropraktik informieren.

Chiropraktik ermöglicht eine bessere Wiederherstellung der Funktion als Medikamente oder Training. Training und Chiropraktik sollten gleichermaßen als Behandlungsoption empfohlen werden.

Quelle: Rubinstein, Sidney/de Zoete, Annemarie/van Middelkoop, Marienke/Assendelft, Willem/de Boer, Michiel/van Tulder, Maurits 2019: Benefits and harms of spinal manipulative therapy for the treatment of chronic low back pain: systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials, in: British Medical Journal, 364, unter: https://www.bmj.com/content/364/bmj.l689 (abgerufen am 20.03.2019)

28.03.2019 Ι aus der Forschung

Sind Patienten mit Schmerzen im unteren Rücken und MODIC Change anders als andere Rückenschmerzpatienten?

Die niederländisch-dänische Forschergruppe nahm MODIC Change in den Blick. Als MODIC Change werden Veränderungen in den Wirbelkörper-Endplatten und Veränderung des Knochenmarks nahe der Endplatten bezeichnet. Endplatten sind die Ober- und Unterkante eines Wirbels. Der Name für dieses Phänomen kommt vom Nachnamen des Entdeckers dieser Veränderung, Herrn Modic, und vom englische Wort für Veränderung, change.

Veränderungen in den Wirbelkörperendplatten werden am leichtesten durch MRT nachgewiesen. Es gibt drei Typen solcher Veränderungen: Der erste Typ kann als eine Entzündung beschrieben werden, die von den zerklüfteten Endplatten der Lendenwirbelscheiben mit dem Gefäßgranulationsgewebe in den Wirbelkörper übergeht. Beim zweiten Typ ist im Knochenmark des Wirbelkörpers ein fetter Knochenersatz zu finden, während der dritte Typ Anzeichen von Knochensklerose in den Wirbelkörpern und den Endplatten zeigt. Eine Vielzahl von Studien konnte zeigen, dass bestimmte Faktoren das Risiko für MODIC Change erhöhen. Dazu gehören: Alter, Rauchen, hoher Body Maß Index, schwere Arbeitslast, Schmerzdauer, Schmerzintensität, Schmerz bei Bewegung, Schmerz beim Strecken, Entzündungsschmerzmuster, hohe Empfindlichkeit, C-reaktives Protein, Bandscheibendegeneration, Bandscheibenvorfall [Anmerkung: Bei einer Diskushernie tritt der innere Gallertkern der Bandscheibe durch einen Riss aus dem ihn umgebenden Faserring aus und kann auf einen Nerv oder auf das Rückenmark drücken (siehe https://chiropraktor-haus.de/schmerzen/bandscheibenvorfall/ ].

MRTs werden genutzt, um anatomische Faktoren, die zu Schmerzen im unteren Rücken (Lendenwirbelsäulenschmerzen) wie MODIC Change beitragen, zu suchen. Es bleibt gleichwohl unklar, ob klinische Befunde Patienten mit MODIC Change identifizieren können. Das Ziel der Studie war, den Vorhersage-Wert von klinischen Tests und Fragebogen, die verbreitet für Patienten mit Schmerzen im unteren Rücken genutzt werden, auf MODIC Change zu bewerten.

Die Daten stammen von Angehörigen des Niederländischen Militärs und wurden im Zeitraum von April 2013 bis Juli 2016 erhoben. Hinsichtlich der untersuchten Fragebogen wurde zurückgegriffen auf die drei folgenden standardisierten Fragebogen: Roland Morris Disability Questionnaire, Numeric Pain Rating Scale und Pain Self-Efficacy Questionnaire. Die sechs klinischen Untersuchungen, deren Vorhersagewert für MODIC Change überprüft wurde, umfassten: Bewegungsradius, Schmerz bei Beugung und Streckung, Prone Instabilitätstest und das Anheben der gestreckten Beine. Mit statistischen Methoden wurde der Vorhersage-Wert für das Vorkommen von MODIC Change und den Type des MODIC Change eingeschätzt.

286 Patienten nahmen an der Studie teil. 112 medizinische Berichte und MRT-Bilder waren zugänglich, 60 Fälle mit MODIC Change und 52 Fälle ohne MODIC Change. Das Alter war signifikant höher in der MODIC Change-Gruppe. Die Analyse zeigte eine 2,57 Mal so hohe Wahrscheinlichkeit für Schmerz während einer Beugungsbewegung in der MODIC Change-Gruppe als bei den anderen Patienten. Statistische Methodenanwendungen auf klinische Symptome und Anzeichen ergaben keinen Zusammenhang mit anderen Variablen. Der diagnostische Wert der klinischen Tests zeigte für alle Kombinationen niedrige Vorhersage-Werte. Der einzige klinische Test, der in Verbindung zu MODIC Change stand, war Schmerz während einer Beugung.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Kein Modell zur Vorhersage von MODIC Change konnte gefunden werden. Patienten mit Schmerzen im unteren Rücken (Lendenwirbelsäulenschmerzen) mit MODIC Change scheinen sich daher nicht sehr von anderen Patienten mit Schmerzen im unteren Rücken zu unterscheiden. Basierend auf die Fragebogen und klinischen Tests in dieser Studie ist es nicht wahrscheinlich, dass MODIC Change-Patienten eine spezifische Untergruppe von Patienten mit Rückenschmerzen im unteren Rücken bilden. Die Studie untersuchte eine begrenzte Anzahl klinischer Befunde und es kann sein, dass eine größere Studie, die mehr Variablen untersucht, zu anderen Ergebnissen kommt.

Quelle: van der Wurff, Peter/Vredeveld, Tom/ van de Graaf, Caroline/Jensen, Rikke/ Jensen, Tue 2019: Exploratory study for clinical signs of MODIC changes in patients with low-back pain in the Netherlands armed forces, in: Chiropractic & Manual Therapies, 27:5, unter: https://chiromt.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12998-018-0229-4 (abgerufen am 20.03.2019).

20.03.2019 Ι aus der Forschung

Multiple Gelenkschmerzen: Wen trifft es?

Muskel-Skelett-Schmerzen treten häufig in mehr als einem Körperbereich auf. Bis zu 80% der Erwachsenen berichten von mehr als einer Gelenkschmerzstelle in den letzten 12 Monaten. Ältere Personen und Frauen sind bekannt dafür, anfälliger für multiple Gelenkschmerzen, also mehrere Gelenkschmerzstellen, zu sein. Der Zusammenhang zwischen vielen Gelenkschmerzstellen und physischen und psychosozialen Funktionen in diesen Populationen ist gleichwohl unbekannt.

Das Forscherteam nahm demnach Frauen im mittleren Alter in den Blick. Die Forscher analysierten Querschnittsdaten von 579 Frauen der Geburtsjahrgänge 1946-1951.  Das primäre Messergebnis war der Ort und die Zahl der Stellen der Gelenkschmerz. Die sekundären Messergebnisse waren Schmerzcharakteristika, gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie soziodemographische und gesundheitliche Verhaltensvariablen.

Den Frauen wurden folgende Frage gestellt: „Welche Ihrer Gelenke waren an den meisten Tagen des letzten Monats beschwerlich?“. Die Schmerzqualitäten wurden unter Rückgriff auf den McGill Schmerzfragebogen (McGill Pain Questionnaire) (Kurzform) und PainDETECT gemessen. Die Gesundheit wurde unter Rückgriff auf den SF-36 (ein krankheitsunspezifischer Fragebogen zur Erhebung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität) und soziodemographische Variablen bewertet. Statistische Analysen wurden durchgeführt. Statistische Analysen beinhalteten den Vergleich von drei Schmerzgruppen: keine Gelenkschmerzen, 1-4 Stellen mit Gelenkschmerzen, ≥ 5 Stellen mit Gelenkschmerzen.

Was waren die Ergebnisse? Zweidrittel der Teilnehmer hatten Schmerzen an mehr als einer Stelle und ein Drittel hatte Gelenkschmerzen an mehr als 5 Stellen. Der unteren Rücken (34,5%), das rechte Knie (27,5%), die rechte Hand (26,6%) und der Nacken (25%) waren die am verbreitesten Stellen für Gelenkschmerzen. Im Vergleich zu Frauen mit weniger Gelenkschmerzstellen wiesen Frauen mit mehr als 5 Gelenkschmerzstellen signifikant schwächere emotionale und körperliche gesundheitsbezogene Lebensqualität, mehr starke Schmerzen, eine höhere Wahrscheinlichkeit neuropathischer Schmerzen und eine längere Dauer der Schmerzen auf. Mehr als die Hälfte der Frauen mit multiplen Gelenkschmerzstellen waren Arbeitnehmer, wenn auch dem Rentenalter nahe. Im finalen Modell standen die Dauer der Schmerzen, die Zahl der Medikamente, Schmerzintensität (Unwohlsein und starke Beschwerden) und die körperliche Komponente von gesundheitsbezogener Lebensqualität in signifikantem Zusammenhang mit der erhöhten Anzahl der Gelenkschmerzstellen.

Mehr als ein Drittel der älteren Frauen in der Studie hatten mehr als 5 Gelenkschmerzstellen im letzten Monat. Diese Frauen zeigten signifikant schwächere psychosoziale Gesundheit und einen erhöhten Rückgriff auf Medikamente im Vergleich zu Frauen mit keinen oder weniger Gelenkschmerzstellen. Diese Studie hat wichtige Implikationen für zukünftige Forschung im Bereich Muskel-Skelett-Schmerzen, insbesondere in Bezug auf Frauen und für die klinische Praxis, wo erhöhte Achtsamkeit für die Implikationen von konkurrierenden Gelenkschmerzen an mehreren Stellen sein sollte. Personen mit multiplen Gelenkschmerzen neigen zu suboptimalen klinischen Ergebnissen, einer größeren Inanspruchnahme des Gesundheitssystems, reduzierter Arbeitsproduktivität, einem schlechteren Gesundheitszustand und zu reduzierten Aktivitäten des täglichen Lebens im Vergleich zu Personen mit einer Gelenkschmerzstelle. Multiple Gelenkschmerzen sind bekannt in Zusammenhang mit stärkeren körperlichen Beeinträchtigungen, psychischen Beschwerden, einer eingeschränkten Schlafqualität und schwachen Prognose unabhängig von Behandlungen zu stehen.

Quelle:

de Luca, Katie/Wong, Arnold/Eklund, Andreas/Fernandez, Matthew/Byles, Julie/Parkinson, Lynne/Loureiro Ferreira, Manuela/Hartvigsen, Jan 2019: Multisite joint pain in older Australian women is associated with poorer psychosocial health and greater medication use, in: Chiropractic & Manual Therapies, 27:8, https://chiromt.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12998-018-0224-9 (abgerufen am 5.3.2019).

05.03.2019 Ι aus der Forschung