Neuigkeiten aus der Forschung2016-11-30T10:18:09+02:00

Neuigkeiten aus der Forschung

Sagt die motorische Entwicklung als Baby Rückenschmerzen als Kind voraus?

Die Forschergruppe um Lise Hestbaek von der Süddänischen Universität (SDU) beschäftigt sich mit motorischen Fähigkeiten in der Kindheit und deren Effekt auf Rückenschmerzen im späteren Lebensalter. Sie führen derzeit eine Langzeitstudie mit einer Kohorte von Kindern in Dänemark durch. Hintergrund des Forschungsprojekts ist, dass Rückenschmerzen verantwortlich sind für massive persönliche und gesellschaftliche Herausforderungen, wobei der genaue Krankheitsgrund unklar ist. Defizite in motorischen Fähigkeiten wurden mit Rückenschmerzen im Erwachsenenalter in Zusammenhang gebracht und verzögerte motorische Fähigkeiten mit einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen und Risiken bei Kindern verbunden.

Ziel der Forschergruppe der SDU war, herauszufinden, ob es eine unabhängige Beziehung zwischen dem Alter, in dem Kleinkinder erstmals sitzen und ohne Unterstützung gehen und Rückenschmerzen im Alter von 11 Jahren gibt.

Die Forscher analysierten Daten der Dänischen Nationalen Geburtenkohorte. Es wurden Daten von ca. 23.000 Kindern und deren Eltern analysiert. Die Vorhersagevariablen waren das Alter, in dem das Kind erstmals saß und ging ohne Unterstützung. Die Vorhersagevariablen wurden erhoben, indem die Eltern berichteten und zwar im Alter von sechs Jahren und im Alter von 18 Monaten. Dazu wurde eine umfassende Liste von zusätzlichen Variablen erhoben: Geschlecht des Kindes, Geburtsgewicht, kognitive Entwicklung, sozioökonomische Indikatoren und Gesundheitsvariablen der Eltern. Das Ergebnis wurde im Alter von 11 Jahren erhoben. Dazu wurde auf den Young Spine Fragebogen zurückgegriffen, der das Vorkommen und die Intensität von Rückenschmerzen abbildet. Die gewonnenen Daten wurden mithilfe von statistischen Modellen analysiert, um die Determinanten für Nackenschmerzen, Brustrückenschmerzen, Lendenrückenschmerzen oder Schmerzen in mehreren Bereichen zu schätzen.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Es gab keine konsistenten unabhängigen Beziehungen zwischen dem Alter des ersten Sitzens oder des ersten Gehens ohne Unterstützung und Rückenschmerzen im Alter von 11 Jahren. Das Alter, in dem ein Kind erstmals sitzt oder geht ohne Unterstützung beeinflusst nicht die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind Rückenschmerzen im späteren Kindesalter erlebt.

Quelle:

Kamper, Steven/Willimas, Christopher/Hestbaek, Lise 2018: Does Motor Development in Infancy Predict Spinal Pain in Later Childhood? A Cohort Study, in: The Journal of orthopaedic and sports physical therapy, 47: 10, 763–768, unter: https://www.jospt.org/doi/10.2519/jospt.2017.7484 (14.08.2019)

 

16.08.2019 Ι aus der Forschung

Neurophysiologische Effekte chiropraktischer Eingriffe

Die Forschungsgruppe der Universitätsklinik Zürich und des Karolinska Instituts Stockholm wollte die Evidenz von chiropraktischen Eingriffen zusammentragen. [Anm.: Unter „Evidenz“ versteht man den eindeutigen wissenschaftlichen Beleg, der durch Studien, die bestimmten und sehr hohen Kriterien der Versuchsaufstellung und der Kontrolle genügen müssen, erbracht wird]. Die manipulative Therapie an der Wirbelsäule sollte dazu mit Fokus auf chiropraktische Eingriffe, das heißt mit einem Eingriff von hoher Geschwindigkeit mit niedrigem Ausschlag („high velocity low amplitude“), an Personen mit Symptomen und an Personen ohne Symptome erforscht werden. Dazu führten die Forscher eine systematische Literaturrecherche (bis Juni 2018) durch. Zwei Forscher wählten diejenigen Studien aus, die dem Auswahlkriterium entsprachen, und untersuchten die Qualität der Studien. Für diese Studie wurden nur Studien, die kontrolliert durchgeführt wurden, und mindestens eine gemäßigte Qualität aufwiesen, berücksichtigt. 18 Studien (932 Studienteilnehmer insgesamt) konnten berücksichtigt werden. Die Forschergruppe sah einen „Effekt von chiropraktischen Eingriffen“ („high velocity low amplitude“) gegeben in denjenigen Studien, die einen signifikant größeren Effekt bei denjenigen Studienteilnehmern, die chiropraktische Eingriffe erhielten, zeigen als bei den Teilnehmern der Kontrollgruppe, die keine chiropraktischen Eingriffe erhielt.

Zu welchen Ergebnissen kamen die Forscher? Von den 18 Studien gab es Evidenz nur für den Zusammenhang zwischen chiropraktischem Eingriff („high velocity low amplitude“) und Veränderungen im autonomen Nervensystem. Die Veränderungen im autonomen Nervensystem wurden durch Veränderungen der Herzratenvariabilität und des elektrischen Leitungswiderstands der Haut („skin conductance“) nachgewiesen. Die meisten Studien wurden mit gesunden Personen durchgeführt und keine Studie setzte die neurophysiologischen Effekte in Zusammenhang mit Schmerzreduktion.

Die Studie der Universitätsklinik Zürich und des Karolinska Instituts konnte aufzeigen, dass ein chiropraktischer Eingriff das autonome Nervensystem beeinflusst. Die Effekte scheinen vom Bereich der Wirbelsäule, in dem ein chiropraktischer Eingriff durchgeführt wird, abzuhängen. Sie können bei gesunden Personen und symptomatischen Patienten unterschiedlich sein. Die Forscher sehen weiteren Forschungsbedarf: Qualitativ hochwertige wissenschaftliche Studien sollten mit symptomatischen Patienten durchgeführt werden, die Schmerzdauer und Ergebnismesszahlen zum Ausgangszeitpunkt sollten für die Studien berücksichtigt werden und die Beziehung zwischen neurophysiologischen Veränderungen und Schmerz sollten beleuchtet werden.

Quelle:

Wirth, Brigitte/Gassner, Antonia/de Bruin, Eling/Axén, Iben/Swanenburg, Jaap/Humphreys, Barry/Schweinhardt, Petra 2019: Neurophysiological Effects of High Velocity and Low Amplitude Spinal Manipulation in Symptomatic and Asymptomatic Humans: A Systematic Literature Review, in: SPINE. 44(15):E914–E926, unter: https://journals.lww.com/spinejournal/Abstract/2019/08010/Neurophysiological_Effects_of_High_Velocity_and.15.aspx (07.08.2019).

07.08.2019 Ι aus der Forschung

Neues Programm für Patienten mit Rückenschmerzen: Pilotstudie erfolgreich

Klinische Richtlinien für das Management von Rückenschmerzen im unteren Rücken werden nicht routiniert in der Praxis umgesetzt und die Richtlinien bieten kaum Werkzeuge für die Implementation. „GLA:D Ryg“ soll hier die Lücke schließen. Das Programm wurde von der Süddänischen Universität in Odense, Dänemark, entwickelt. Zielgruppe des Programms sind Personen mit anhaltenden oder wiederkehrenden Rückenschmerzen im unteren Rücken. GLA:D Ryg ist eine standardisierte Intervention mit Patientenschulung und überwachten Übungen. Sie basiert auf den Empfehlungen des Dänischen Gesundheitsministeriums für die Behandlung von Patienten mit Rückenschmerzen und auf den Prinzipien der Selbsthilfe. Das Programm besteht aus (1) einer Fortbildung für Chiropraktoren und Physiotherapeuten im Umgang mit dem GLA:D Ryg Programm, (2) dem Behandlungsverlauf von Patienten mit Rückenschmerzen. Die Behandlung umfasst Schulung und Training und (3) der Registrierung von Patientendaten im GLA:D-Register (vgl. GLA:D Ryg 2019).

Das Programm greift auf einen kognitiven Verhaltenstherapieansatz zurück. Das Ziel der Übungskomponente ist die Wiederherstellung der Fähigkeit und des Vertrauens des Patienten, sich frei bewegen zu können. Die klinische Intervention besteht aus zwei Sitzungen mit Schulung (Wissensvermittlung) und 16 Mal angeleitetes Gruppentraining über acht Wochen überwachten Übungen. Die Behandler entscheiden, welche Patienten eine Teilnahme am Programm angeboten bekommen.

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Ein Übungsraum für Chiropraktoren an der Süddänischen Universität in Odense, Dänemark.

Nun ist die Pilotstudie durchgeführt worden. Das Programm befindet sich derzeit in der Testphase und soll ab 2020 landesweit in Dänemark im Klinikalltag umgesetzt werden. Eine zweitägige Fortbildung für Physiotherapeuten und Chiropraktoren ist die Hauptaktivität in der Testphase und der Kern der Implementationsstrategie. Die Fortbildung zielt darauf ab, das Selbstmanagement von Patienten mit Rückenschmerzen im unteren Rücken zu unterstützen. Es gibt dafür Materialien und Übungsprogramme. Der Kurs ist zugeschnitten auf Physiotherapeuten und Chiropraktoren, aber jeder Behandler, der vom Dänischen Gesundheitsministerium autorisiert ist, Behandlungen von Rückenschmerzen vorzunehmen, kann teilnehmen. Die Pilotstudie testete die Machbarkeit der Implementierung des Programms im klinischen Alltag in Dänemark am Beispiel einer Test- Fortbildung für Physiotherapeuten und Chiropraktoren.

31 Behandler von neun Praxen nahmen an der Pilotstudie teil. Die Auswertung der Pilotstudie zur Machbarkeit der Umsetzung erfolgte über die Übernahme des Erlernten in die Praxis und durch fokussierte Gruppeninterviews und ein Rückmeldungstreffen. Um Vorher- Nachher-Effekte zu sehen, wurden in drei Gruppen Daten von Patienten wie Schmerzen, Einschränkungen und Schmerzaktivierung gesammelt. Die erste Patientengruppe bestand aus Patienten, die die teilnehmenden Praxen in einem spezifizierten zwei Wochen-Zeitfenster zwei Monate vor der GLA:D Ryg Fortbildung für die Behandler aufsuchten (84 Patienten). Die zweite Gruppe, von der Daten gesammelt wurden, waren Patienten, die die teilnehmenden Praxen in einem spezifizierten zwei Wochen-Zeitfenster zwei Monate nachdem die Behandler am GLA:D Ryg-Fortbildung teilgenommen hatten, aufsuchten (77 Patienten). Und die dritte Gruppe von Daten war von Patienten, die am GLA:D Ryg-Programm innerhalb vier Monate nach der Implementation teilnahmen (89 Patienten). Von jeder der Gruppen wurden die Patientendaten zum Ausgangszeitpunkt und nach vier Monaten erhoben.

Was waren die Ergebnisse der Pilotstudie? Die Auswertung von GLA:D Ryg von Seiten der teilnehmenden Chiropraktoren und Physiotherapeuren war positiv und resultierte in mehreren Anpassungen. Die klinische Intervention wurde von allen teilnehmenden Praxen übernommen. Die meisten Patientencharakteristika waren ähnlich auch über die Gruppen hinweg. Die Patienten hatten hauptsächlich anhaltende Rückenschmerzen im unteren Rücken (73 % der Patienten länger als drei Monate) und die meisten waren für mehr als vier Wochen behandelt worden, bevor sie in das GLA:D Ryg-Programm aufgenommen wurden. Die Patienten, die am Programm teilnahmen, waren oft im Ruhestand (30% gegenüber 16% vor der Implementation) und hatten ein hohes Risiko für schlechte Prognose (25% gegenüber 13%). Die Prozeduren für die Datensammlung waren machbar, und die Ergebnisse nach der Implementation, speziell für GLA:D Ryg, waren so gut wie oder besser als vor der Implementation. Die Rekrutierung von Patienten und die Bildung von wissenschaftlich vergleichbaren Vorher- und Nachhergruppen war schwierig für die Forscher.

Die Pilotstudie zeigt, dass die Umsetzung (Implementation) des Programms „GLA:D Ryg“ als klinische Intervention im dänischen primären Gesundheitssektor bei Physiotherapiepraxen und Chiropraktorpraxen durch eine zweitägige Fortbildung für die Behandler machbar war. Sowohl die Physiotherapeuten und Chiropraktoren als auch die Patienten waren zufrieden mit dem Programm und die patientenbezogenen Ergebnisse waren leicht besser als die Ergebnisse von Patienten, die vor der Implementation registriert wurden.

Quelle:

Kongsted, Alice/Hartvigsen, Jan/Boyle, E/Ris, I/Kjaer, P/Thomasse, L/Vach, W 2019: GLA:D® Ryg: group-based patient education integrated with exercises to support self-management of persistent Ryg pain – feasibility of implementing standardised care by a course for clinicians., in: Pilot and feasibility studies, 5: 65, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31086676 (abgerufen am 09.07.2019).

GLA:D Ryg 2019: http://gladryg.sdu.dk/  (abgerufen am 11.07.2019)

11.07.2019 Ι aus der Forschung

Rückenschmerzen richtig behandeln – Weltgesundheitsorganisation setzt Maßstäbe

Dem Thema Rückenschmerzen im unteren Rücken und die Verbesserung der Behandlungserhebnisse für Patienten mit Rückenschmerzen im unteren Rücken hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der neuesten Ausgabe ihres Newsletters gewidmet. In dem Beitrag, der in der Rubrik „Politikinhalte und Praxis“ erschien, geht es darum, ob die Gesundheitssysteme mit Rückenschmerzen richtig umgehen.

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Rückenschmerzen im unteren Rücken sind weltweit der Hauptgrund für Lebensjahre mit Beeinträchtigung bzw. Behinderungen – Chiropraktor Alexander Meier zeigt, welcher Bereich als unterer Rücken gilt

Rückenschmerzen im unteren Rücken – das ist der Hauptgrund für Lebensjahre mit Beeinträchtigungen bzw. Behinderungen weltweit. Demzufolge sind Rückenschmerzen eine große Herausforderung für Gesundheitssysteme fast aller Staaten. Eine internationale Arbeitsgruppe identifizierte im Jahr 2018 ein weltweites Problem des Mißmanagements bei der Behandlung von Rückenschmerzen im unteren Rücken. Die Arbeitsgruppe dokumentierte das Phänomen von unnötigen Behandlungen, bei denen Patienten Behandlungen erhielten, die nicht in Übereinstimmung mit klinischen Richtlinien stehen. Die internationale Arbeitsgruppe forderte die Weltgesundheitsorganisation auf, die Aufmerksamkeit auf die Probleme und Folgen durch Rückenschmerzen im unteren Rücken zu legen und auf die Notwendigkeit, exzessive Medikamentenlösungen zu vermeiden.

Die wichtigsten internationalen klinischen Leitlinien geben an, dass viele Menschen mit Schmerzen im unteren Rückenbereich nur eine geringe oder gar keine medikamentöse Behandlung benötigen. Es gibt wissenschaftliche Nachweise (Evidenz), dass unnötige Behandlungen gefährlich sind für die meisten Menschen mit Rückenschmerzen im unteren Rücken. Es wird empfohlen, die Verwendung von Schmerzmitteln, Steroidinjektionen und Wirbelsäulenchirurgie zu unterbinden und stattdessen physische und psychologische Therapien zu fördern. Als Erstbehandlung bei Rückenschmerzen im unteren Rücken bei Patienten, die akute Schmerzen haben, sollte der Arzt z. B. Chiropraktik empfehlen. Auch denjenigen Patienten, die ein Risiko für chronische Schmerzen oder Behinderung haben, sollten Ärzte u.a. Chiropraktik anbieten.

Viele Gesundheitssysteme sind nicht darauf ausgelegt, diesen Ansatz zu unterstützen. Die Behandlung von Rückenschmerzen im unteren Rücken, die den klinischen Richtlinien entsprechen, erfordert systemweite Veränderungen. Es gibt erhebliche Herausforderungen der Versorgung von Rückenschmerzen in den Gesundheitssystemen. Dazu gehören die finanziellen Interessen von pharmazeutischen und anderen Unternehmen, veraltete Zahlungssysteme, die die medizinische Versorgung gegenüber dem Selbstaktivwerden des Patienten bevorzugen, und tief verwurzelte medizinische Traditionen und Überzeugungen zur Behandlung von Rückenschmerzen bei Ärzten und in der Öffentlichkeit.

Nach klinischen Leitlinien benötigen viele Menschen mit Rückenschmerzen im unteren Rücken geringe oder gar keine Behandlung mit Medikamenten. Im Alltag wird den klinischen Leitlinien oft nicht gefolgt. Quelle: pixabay

Ein starke Führung auf allen Ebenen des Gesundheitssystems ist wichtig dafür, wie die Gesellschaft Rückenschmerzen sieht und wie Rückenschmerzen gemanagt werden. Die Gesundheitssysteme sollten Strategien wählen, die Behandler und Patienten in die Lage versetzen, fundierte Entscheidungen zu treffen, Ärzte ermutigen, die richtige Behandlung zu wählen, finanzielle Unterstützung für evidenz-basierte nicht-medikamentöse Behandlung bereitstellen und den Einfluss von denjenigen, die Interesse an der derzeitigen Situation haben, zu regulieren. Es gibt internationale Beispiele für vielversprechende Lösungen sowie Strategien und Praktiken für Gesundheitssysteme, die einer zunehmenden Belastung durch ineffiziente Behandlung von Schmerzen im unteren Rückenbereich ausgesetzt sind. Die Verlagerung von Ressourcen von unnötigen Behandlungen auf richtlinienkonforme Behandlung bei Schmerzen im unteren Rückenbereich kann kostenneutral sein. Jedes Jahr vergeuden Gesundheitssysteme Milliarden von Dollar für unnötige Test und für unnötige Behandlungen von Rückenschmerzen. Kleine Anpassungen der Gesundheitspolitik werden jedoch nicht isoliert funktionieren. Auch die Systeme am Arbeitsplatz, die rechtlichen Rahmenbedingungen, die persönlichen Überzeugungen, die Politik und der gesamtgesellschaftliche Kontext, in dem wir Gesundheit erleben, müssen sich ändern.

Da die derzeitigen Ansätze für das Management von Rückenschmerzen im unteren Rücken oftmals keinen wissenschaftlich nachweisbaren Nutzen haben, wird nachdrücklich empfohlen, neue Ansätze der Finanzierung und der Leistungserbringung sorgfältig zu prüfen.

Quelle:

Traeger, Adrian/Buchbinder, Rachelle/Elshaug, Adam/Croft, Peter/Maher, Chris 2019: Care for low back pain: can health systems deliver?, in: WHO-Bulletin, volume 97, https://www.who.int/bulletin/volumes/97/6/18-226050/en/ (abgerufen am 25.6.2019).

25.06.2019 Ι aus der Forschung

Rückenschmerzen bei Kindern: Vorkommen und Risikofaktoren

Die Studie der medizinischen Fakultät der Universität Kopenhagen und der Fakultät für Klinische Biomechanik der Universität Odense hatte das Ziel, das Vorliegen von Rückenschmerzen bei dänischen Kindern zu beschreiben und die sozio-demographischen Faktoren, die Rückenschmerzen begünstigen, zu untersuchen. In die Studie wurden 46.726 Kinder im Alter zwischen 11 und 14 Jahren einbezogen. Diese Kinder sind Teilnehmer an der Dänischen Nationalen Geburten Kohorte. Die Dänische Nationale Geburten Kohorte ist eine riesige Datensammlung und wurde eingerichtet, um die Ursachenbeziehen zwischen Aussetzungen im früheren Leben und Krankheiten im späteren Leben sowie die Möglichkeiten der Krankheitsvorbeugung zu untersuchen. Die skandinavischen Staaten sind hier im Vorteil gegenüber anderen Staaten aufgrund ihrer Bevölkerungsregister zu Krankheiten, Demographie und sozialen Bedingungen, die auf der individuellen Ebene über die Identifizierungsnummer, die allen Bürgern bei Geburt gegeben wird, verbunden werden kann.

Knapp ein Drittel der 11- bis 14-Jährigen hat Rückenschmerzen. Foto: pixabay

In der Studie wurde Rückenschmerzen (Nackenschmerzen, Rückenschmerzen im mittleren Rücken und Rückenschmerzen im unteren Rücken) registriert, sobald sie vom Teilnehmer selbst berichtet wurden. Die Rückenschmerzen wurden nach der Schwere der Schmerzen klassifiziert. In Statistikregistern Dänemarks wurden sozioökonomische Daten über die Kinder und deren Eltern identifiziert. Die Beziehungen zwischen sozio-demographischen Faktoren und Aspekten von Rückenschmerzen wurden geschätzt, indem statistische Regressionsmodelle verwendet wurden. Um die Stichprobenauswahl zu berücksichtigen, wurde auf umgekehrte Wahrscheinlichkeitsgewichtung zurückgegriffen.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Fast 10 % der Jungen und 14 % der Mädchen berichteten von schweren Rückenschmerzen. Etwa 30 % der Kinder berichteten von moderaten Rückenschmerzen. Effektschätzungen deuteten auf ein Risiko der Verschlimmerung mit zunehmendem Alter hin. Zudem hatten diejenigen Kinder eine höhere Wahrscheinlichkeit für Rückenschmerzen, die ohne Vollgeschwister aufwuchsen, nicht mit beiden Elternteilen zusammenlebten, in weniger gebildeten Familien oder Familien mit niedrigerem Einkommen lebten. Die Studienergebnisse waren im Wesentlichen nicht betroffen von der umgekehrten Wahrscheinlichkeitsgewichtung.

Eine beträchtliche Anzahl an Kindern leidet an Rückenschmerzen. Rückenschmerzen sind verbreiteter in benachteiligten Familien. Die Ursache von Rückenschmerzen muss weiter erforscht werden mit dem Ziel, eine effiziente und zielgerichtete Vorbeugung zu ermöglichen. Warum ist die weitere Forschung in diesem Bereich wichtig? Es ist bekannt, dass Rückenschmerzen im Kindesalter Unbehagen und Ungleichheit im Alltag der Kinder verursachen kann. Rückenschmerzen im Kindesalter wird in Forscherkreisen als wichtiges Anzeichen für Rückenschmerzen im Erwachsenenalter angenommen. Die methodische Heterogenität früherer Studien und die Komplexität, Schmerz zu messen, deuten daraufhin, dass Rückschlüsse auf einer breiteren Ebene nicht angebracht wären.

Quelle:

Joergensen, AC/Hestbaek, L/Andersen, PK/Nybo Andersen, AM 2019: Epidemiology of spinal pain in children: a study within the Danish National Birth Cohort, in: European journal of pediatrics, 178:5, 695-706, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30788593 (abgerufen am 13.06.2019).

14.06.2019 Ι aus der Forschung