Unterschied Chiropraktiker – Chiropraktor – Chirotherapeut – Osteopath

Chiropraktiker? Chiropraktor? Chirotherapeut? Das hört sich für viele alles gleich an. Doch es gibt bedeutende Unterschiede! Und der Osteopath? Macht der nicht dasselbe wie ein Chiropraktiker, Chirotherapeut, Chiropraktor? Nein, das ist nicht der Fall.

Der größte und gravierendste Unterschied zwischen Chiropraktikern, Chiropraktoren, Chirotherapeuten und Osteopathen liegt in der Ausbildung, genauer gesagt in der fachlichen Qualifikation! Ein akkreditiertes 5-jähriges Vollzeituniversitätsstudium der Chiropraktik bei einem Chiropraktor steht Aus- und Fortbildungsstunden von Chiropraktiker, Chirotherapeut und Osteopath gegenüber.

Quelle: Darstellung von Chiropraktor-Haus auf Basis der genannten Quellen

Für die Ausbildung zum Chiropraktiker gibt es keine vorgeschriebene Stundenanzahl, auch keine Mindeststundenanzahl. Die Ausbildung wird durch Ausbildungsstunden an Heilpraktikerschulen erlangt.

Bei Paracelsus, einer der größten Heilpraktikerschulen, hat die Ausbildung zum Chiropraktiker einen Umfang von 45 Unterrichtsstunden. „Am Ende des Seminars wird, nach der Prüfung, ein Zertifikat mit 45 Unterrichtsstunden ausgestellt. Dieses Zertifikat kann die Teilnehmer berechtigen, in ihrer Praxis auch mit Privatkassen abzurechnen. Voraussetzung dafür: Sie sind Heilpraktiker/in oder Ärztin/Arzt.“ (Ausbildungsstunden Chiropraktiker 2019).

Die Fortbildung zum Chirotherapeut steht nur Ärzten offen, Heilpraktiker dürfen sie nicht absolvieren. Sie ist eine Fortbildung mit einem Umfang von 320 Ausbildungsstunden (vgl. Ausbildungsstunden Chirotherapeut 2019). Nach Abschluss der Fortbildung kann die Zusatzbezeichnung „Manuelle Medizin/Chirotherapie“ bei der zuständigen Ärztekammer beantragt werden. Viele Ärzte, die diese Fortbildung wahrnehmen, sind Orthopäden oder Allgemeinmediziner. Wenn Ärzte also Chiropraktiker und keine Chirotherapeuten sind, haben sie weniger als 320 Ausbildungsstunden in Chiropraktik absolviert.

Nur wenige Chirotherapeuten wenden die Chiropraktik regelmäßig an. Ein Behandlungsverlauf wird in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle nicht angeboten, sondern es wird nur ein oder zwei Mal behandelt. Warum ein Behandlungsverlauf wichtig ist, erfahren Sie hier.

Die Ausbildung zum Chiropraktor ist keine Ausbildung an einer Heilpraktikerschule oder eine Fortbildung, sondern ein 5-jähriges Universitätsstudium der Chiropraktik bzw. der Medizin mit Fachrichtung Chiropraktik. Ein solches akkreditiertes Universitätsstudium wird in Deutschland nicht angeboten. In Europa kann das Studium in Dänemark, Großbritannien, Frankreich, Spanien und der Schweiz absolviert werden. Daneben wird es in vielen Staaten außerhalb Europas an vielen Universitäten angeboten. (Eine Liste akkreditierter Universitäten finden Sie hier.)

ACHTUNG: Die Berufsbezeichnung „Chiropraktor“ ist in Deutschland im Gegensatz zu anderen Staaten nicht geschützt. In Deutschland kann sich auch ein Chiropraktiker mit einer Ausbildung von 45 Stunden als Chiropraktor bezeichnen.

Sie als Patient sind gefragt! Recherchieren Sie auf der Internetseite des Anbieters, ob der Anbieter ein Studium an einer von der ECCE akkreditierten Universität abgeschlossen hat oder/und Mitglied in einem Berufsverband von Chiropraktoren wie z. B. der Dänischen Chiropraktoren Vereinigung Dansk Kiropraktor Forening, der Deutschen Chiropraktoren Gesellschaft DCG oder der Britischen Chiropraktoren Gesellschaft British Chiropractic Association ist. Auf der Seite des europäischen Dachverbands Europäische Chiropraktoren Union können Sie die nationalen Mitgliedsverbände einsehen. Auf der Seite der World Federation of Chiropractic können Sie die nationalen Mitgliedsverbände weltweit einsehen.

Das Studium der „Klinischen Biomechanik“ in Dänemark umfasst 9.000 Unterrichtsstunden. Wenn man nur den Bereich der „reinen Chiropraktik“ zu Grunde legt, sind dies 3.210 Unterrichtsstunden im Bereich der Chiropraktik (vgl. Studienordnung Bachelor Klinische Biomechanik 2014; Studienordnung Master Klinische Biomechanik 2015b). Um selbstständig als Chiropraktor zu arbeiten, ist ein Praktisches Jahr – das sogenannte „Turnus“ – Voraussetzung in Dänemark. Das Praktische Jahr ist reguliert und umfasst 1.739 Arbeitsstunden klinische Tätigkeit und 96 Unterrichtsstunden (vgl. Turnus 2019).

Osteopathie ist keine Chiropraktik, da das grundlegende Konzept auf dem die Osteopathie basiert, ein anderes ist. „Osteopathie behandelt […] keine Krankheitsbilder, sondern fokussiert sich auf die Wiederherstellung des vorhandenen Heilungspotentials“ (Konsensgruppe Osteopathie 2013: 3-4). „Das Tätigkeitsfeld des Osteopathen umfasst alle funktionellen und mittelbar auch strukturellen Störungen des muskuloskelettalen Systems (Orthopädie, Traumatologie, Sportmedizin), der Brust-, Bauch- und Beckenerorgane (Kardiologie, Pneumologie, innere Medizin, Gynäkologie und Urologie), des zentralen und peripheren Nervensystems (Neurologie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde), des stomatognathen Systems (Zahnheilkunde und Kieferorthopädie) sowie Defizite in der frühlindlichen sensomotorischen und psychosozialen Entwicklung (Neonatologie, Kinder- und Jugendmedizin)“ (Konsensgruppe Osteopathie 2019: 12). Nur ein Teilbereich der Osteopathie, die Parietale Osteopathie, befasst sich demnach mit der Behandlung von Störungen des Muskel-Skelett-Systems und entspricht damit am ehesten dem Behandlungsgebiet der Chiropraktik. Die Fachausbildung in der Parietalen Osteopathie umfasst bei Paracelsus, einer der größten Heilpraktikerschulen, 144 Unterrichtsstunden (Annahme von einer Stunde Pause pro 9h Blockunterricht an einem Tag) (vgl. Ausbildungsstunden Osteopath 2019).

Quellen: