Der Begriff „Schleudertrauma“ wird in der Umgangssprache verwendet für eine Halswirbelsäulendistorsion [distorsion (lateinisch)= Verrenkung, Verstauchung].

Was sind die Ursachen für ein Schleudertrauma?

Ein Schleudertraum wird dadurch ausgelöst, dass sich der Kopf ruckartig nach vorne oder hinten bewegt und sich der Rumpf nicht mitbewegt. Die häufigste Ursache für ein Schleudertrauma ist ein Auffahrunfall. Wird der Kopf durch einen harten Aufprall erst nach hinten geschleudert, spricht man von Hyperextensionstrauma [hyper (lateinisch) = übermäßig, extension (lateinisch) = Streckung, Dehnung, trauma (griechisch) = Verletzung]. Wird der Kopf zuerst nach vorne geschleudert, sprechen Mediziner von Hyperflexionstrauma [flexion (lateinisch)= Beugung]. Eine übermäßige Dehnung oder eine übermäßige Beugung, die ruckartig erfolgt, kann zu verschiedenen negativen Folgen für die Gelenke, Muskeln, Sehnen, Bänder, Nerven, Blutgefäße und Knochen führen. Typischerweise führt ein Schleudertrauma zu Gelenkblockaden in der Halswirbelsäule. Je nach Schweregrad der Verletzungen wird ein Schleudertrauma in verschiedene Schweregrade eingeteilt.

Welche Symptome gehen typischerweise mit einem Schleudertrauma einher?

Typische Symptome bei einem Schleudertrauma sind Kopfschmerzen, Schwindel, Empfindungsstörungen und Bewegungseinschränkungen. Bewegungseinschränkungen können beispielsweise ein „steifer Nacken“ sein, das heißt die betroffene Person kann den Kopf nur noch leicht drehen. In der aktuen Phase kann es auch zu Sehstörungen, ausgeprägter Müdigkeit und Unwohlsein kommen.

Häufig sind die Symptome eines Schleudertraumas innerhalb von sechs Wochen vorbei. In vielen Fällen gibt es länger andauernde Symptome. Studien zeigen, dass ca. 30% bis 40% der Betroffenen langfristige Konsequenzen haben.  Für bis zu 10% sind die Folgen eines Schleudertraumas so gravierend, dass sie zu einer gewissen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen. Die Wahrscheinlichkeit für länger andauernde Symptome steigt, wenn ein Schleudertrauma nicht erkannt oder falsch oder zu spät behandelt wurde. In der Phase direkt nach dem Schleudertrauma merken viele Personen keine Symptome. Typischerweise treten die Symptome innerhalb der ersten drei Tage nach dem Schleudertrauma auf, können sich aber auch erst einige Tage später bemerkbar machen. Die akute Phase kann einige Tage bis drei Wochen dauern. Daran schließt sich die subakute Phase an. Sie dauert einige Wochen bis 12 Wochen und ist dadurch gekennzeichnet, dass die Symptome allmählich nachlassen und der Patient aktiver an der Behandlung teilnehmen kann. Wenn man länger als drei Monate Symptome hat, spricht man von chronischen Schleudertraumasymptomen. Bei Langzeitsymptomen ist die Intensität der Symptome verringert, es können jedoch auch neue Symptome hinzukommen, die häufig kognitive Auslöser haben.

Es gibt viele gemeinsame Nenner eines Schleudertraumas, doch in den meisten Fällen gibt es spezielle Umstände, die die Situation des einzelnen Betroffenen charakterisieren (u.a. Vorschädigungen etc.).

Man sollte sich vergegenwärtigen, dass ein Schleudertraum gravierend ist und langfristig eine Schwachstelle für den Körper bleiben wird. Bei Stress oder anderer Belastung ist diese Schwachstelle also im Nachteil und wird der psychischen oder physischen Belastung nicht so lange standhalten wie andere Körperteile ohne Vorgeschichte. So können auch Jahrzehnte später Symptome auftreten oder die Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen auf ein Jahre zurückliegendes Schleudertrauma zurückgeführt werden.

 

Wie sollte ein Schleudertrauma behandelt werden?

Häufig sieht man Personen, die ein Schleudertrauma haben, mit einem Stützkragen bzw. Halskrause. Dies ist bei der überwiegenden Mehrheit der Personen nicht angebracht. Im Gegenteil: Die Genesung wird durch die Ruhigstellung der Halswirbelsäule bei vielen Personen verzögert und mitunter erschwert. Aus Sicht der Klinischen Biomechanik sollten bei einem Schleudertrauma die Gelenkblockaden in der Halswirbelsäule und in der restlichen Wirbelsäule (Dominoeffekt) gelöst werden. Zudem sollte die verspannte Muskulatur gelockert werden. Gelöste Gelenkblockaden wirken schon auf die Muskulatur ein und schaffen eine bessere Möglichkeit zur Muskelentspannung. Die Behandlung und Wiederherstellung der Funktion der Wirbelsäule, der Muskeln, Sehnen, Bänder ist äußerst wichtig für die Genesung. Der Körper gewöhnt sich sonst an die Schonhaltung und kompensiert durch andere Gelenke und Muskeln.

Sollten Sie einen Auffahrunfall oder eine sonstige Begebenheit, bei der Ihr Kopf vor- oder zurückgeschleudert wird, ohne das Ihr Rumpf mitgeht, erleben, machen Sie bitte umgehend einen Termin bei einem Chiropraktor. Lassen Sie nicht jeden an Ihre Wirbelsäule (hier gehts zu Informationen zum Unterschied zwischen Chiropraktor, Chiropraktiker, Chirotherapeuth und Osteopath).  Ein sanftes Lösen der Gelenkblockaden ist wichtig und sollte schnell passieren. Wir vom Chiropraktor-Haus haben eine spezielle Vorrichtung an der Behandlungsbank, so dass unser Chiropraktor Alexander Meier auch im akuten und gravierenden Zustand sanft behandeln kann.

Studien haben ergeben, dass chiropraktische Behandlung durch einen Chiropraktor, eine aktive Intervention (z. B. angeleitetes Training durch einen Physiotherapeuten), eine Schmerzlinderung und eine gründliche Information des Patienten in Bezug auf Schleudertrauma, Verletzungen und Schmerzen/Symptome relevante Themen eines guten Behandlungsverlaufs sind.

Ein Schleudertrauma ist nicht kurzfristig heilbar. Geduld und Akzeptanz, dass man für einen bestimmten Zeitraum eingeschränkt ist und nicht in der Lage ist, das Gleiche wie vor dem Schleudertrauma zu tun, helfen.

07.11.2019 Ι aus der Praxis