Den Begriff „Hexenschuss“ hat wohl jeder schon einmal gehört. Medizinisch heißt das Beschwerdebild „Lumbago“. In dem lateinischen Wort leuchtet schon der Ort der Symptome auf: Lumbus ist die Lende. Es handelt sich also um ein Beschwerdebild, das die Lendenwirbelsäulenregion betrifft. Man kann demnach keinen Hexenschuss im Nacken bekommen. Ein Hexenschuss ist die akute Blockierung eines Gelenks in der Lendenwirbelsäule, die durch eine Fehlbelastung ausgelöst wurde. Ein Lumbago ist typischerweise mit starken Schmerzen verbunden, weshalb der/die Betroffene meist eine Schonhaltung einnimmt. Typische Schonhaltungen sind ein vorne gebückter Oberkörper oder ein seitlich geneigter Oberkörper. Der Bewegungsradius ist deutlich eingeschränkt und die Betroffenen haben oftmals Mühe, sich die Schuhe an- oder auszuziehen. Sich setzen oder aufstehen ist eine Qual. Die Schonhaltung löst einen Dominoeffekt aus: Die Muskulatur wird stark beansprucht und weitere Gelenke werden negativ beeinträchtigt.

Ein Hexenschuss ist eine akute Blockade eines Gelenks in der Lendenwirbelsäule. Foto: pixabay

Dass der Hexenschuss in der Umgangssprache so heißt, ist wohl auf das plötzliche Auftreten („Schuss“) der Symptome zurückzuführen.

Bei einem Hexenschuss bzw. Lumbalgie sollte man regelmäßig kühlen. Foto: pixabay

Was sollte man im Falle eines Hexenschusses machen? So verlockend es ist, eine einmal endlich eingenommene Haltung (z. B. auf dem Sofa liegen) nicht wieder zu verlassen, ist es bei einem Hexenschuss ratsam, regelmäßig zwischen Gehen im Sinne von einem Spaziergang von 10-20min (nicht in der Wohnung) und Sitzen zu wechseln. Die Wirbelsäule muss beweglich gehalten werden. Wenn man stundenlang in einer Körperhaltung bleibt, verschlimmern sich die Symptome typischerweise. Wichtig bei akuter Lumbalgie ist das regelmäßige Kühlen. Viele berichten immer wieder, sie hätten sich ein Wärmekissen gemacht oder zur Heizdecke gegriffen. Diese Strategie wird – so können wir es aus Patientenberichten entnehmen – sehr oft von Ärzten empfohlen. Doch sie ist symptomverschlimmernd. Wärme ist wunderbar für die Entspannung der Muskulatur. Sobald jedoch Gelenkblockaden wie beim Hexenschuss eine Rolle spielen, ist lokale Wärme nicht die gewinnbringende Strategie. Bei Gelenkblockaden sollte zu lokaler Kälte gegriffen werden. Machen Sie sich also ein Kühlpack (mit Handtuch umwickeln) oder wickeln Sie ein Handtuch um die gefrorenen Erbsen aus dem Tiefkühlfach. Kühlen Sie alle 2-3 h für 15min. Wenn es ganz schlimm ist, können Schmerzmittel die Symptome dämpfen. Bedenken Sie aber, dass Schmerzmittel Symptome/Folgen zwar weniger spürbar machen, jedoch nicht die Ursache beseitigen. Ein Chiropraktor kann die Gelenkblockade lösen und die verspannte Muskulatur lockern.

Was kann man tun, damit es gar nicht erst zum Hexenschuss kommt?

  • Achten Sie auf Ihre Körperhaltung,
  • bleiben Sie nicht allzulange in einer Körperhaltung (höhenverstellbare Schreibtische sind ideal),
  • heben Sie schwere Dinge nur mit geradem Rücken an, indem Sie in die Knie gehen,
  • vermeiden Sie es, etwas Schweres anzuheben und sich gleichzeitig zu drehen,
  • bewegen Sie sich, kräftigen Sie Ihre stabilisierende Muskulatur (vor allem im Rücken),
  • vermeiden Sie Überanstrengungen z.  B. beim Sport,
  • setzen Sie sich nicht verschwitzt kalter Witterung oder Wind aus.

Ein Hexenschuss ist zwar äußerst unangenehm, doch nicht lebensbedrohlich. Gleichwohl wird uns von einem Besuch in der Notaufnahme immer wieder berichtet. Es ist aus Sicht eines Chiropraktors übertrieben, sich wegen eines Hexenschusses in der Notaufnahme vorzustellen. In der Notaufnahme bekommt der Patient Schmerzmittel und wenn die Schmerzmittel nachlassen, hat er die Symptome nach wie vor. Dies konnten wir vielen Patientenberichten entnehmen.

Am besten Sie verfolgen eine langfristige Strategie und beugen durch Bewegung und achtsame Körperhaltungen einem Hexenschuss vor. Ihr Körper wird es Ihnen danken.

17.09.2019 Ι aus der Praxis