Rückenschmerzen in Verbindung mit einer Schwangerschaft sind nicht auf den Zeitraum der Schwangerschaft eingegrenzt. Obgleich sich die meisten Frauen innerhalb von sechs Monaten nach der Entbindung erholen, konnte in wissenschaftlichen Studien gezeigt werden, dass schwangerschaftsbezogene Rückenschmerzen im unteren Rücken für mehrere Jahre und bis zu 12 Jahre nach der Entbindung anhalten können.

Psychosoziale Faktoren werden seit langem mit chronischen Schmerzen in Verbindung gebracht und es konnte gezeigt werden, dass psychosoziale Faktoren eine Schlüsselrolle beim Übergang von akutem Schmerz zu subakutem und zu chronischem Schmerz haben. Schwangerschaftsbezogene Rückenschmerzen haben einen großen negativen emotionalen und psychischen Einfluss auf Frauen, wie wissenschaftliche Studien zeigen konnten. Es konnte in wissenschaftlichen Studien gezeigt werden, dass täglicher Stress einen Risikofaktor für schwangerschaftsbezogene Rückenschmerzen im unteren Rücken darstellt und Frauen mit Symptomen von Wochenbettdepressionen drei Mal so wahrscheinlich von schwangerschaftsbezogenen Rückenschmerzen berichten als Frauen ohne depressive Symptome.

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Rückenschmerzen, die in Verbindung mit einer Schwangerschaft entstehen, sind nicht auf den Zeitraum der Schwangerschaft begrenzt. Sie können chronisch werden und auch 12 Jahre nach der Entbindung noch anhalten.

Es gibt ungenügende wissenschaftlich eindeutige Erkenntnisse im Hinblick auf psychosoziale Faktoren und ihre Verbindung mit anhaltenden schwangerschaftsbezogenen lumbalen Rückenschmerzen [Anm.: Rückenschmerzen im unteren Rücken]. Die Forscher um Cecilia Bergström von der Umeå Universität, Schweden, untersuchten Frauen, die auch 12 Jahre nach der Entbindung schwangerschaftsbezogene Rückenschmerzen hatten und griffen dabei auf psychosoziale und verhaltensrelevante Charakteristika zurück. Sie verwendeten das Klassifikationssystem für die Verzeichnung von Schmerzen an mehreren Stellen (Multidimensional Pain Inventory (MPI)).

Für die Studie wurden Daten verwendet, die zu einem früheren Zeitpunkt für Studienzwecke aus einer Kohorte von im Jahre 2002 gerade entbundenen Frauen erhoben wurden. Alle Frauen, die zwischen Januar und 30. April 2002 an der Umeå Universitätsklinik entbanden, wurden zu Rückenschmerzen während der Schwangerschaft befragt. Daten zu Rückenschmerzen wurden zu vier Zeitpunkten erhoben: direkt nach der Entbindung, sechs Monate nach der Entbindung, 14 Monate nach der Entbindung und 12 Jahre nach der Entbindung. Die Daten für die jetzige Studie (12 Jahre nach der Entbindung) wurden erneut mithilfe eines Fragebogens gesammelt. Insgesamt antworteten 295 Frauen aus der früheren Kohorte von 2002 (639 Frauen). Dies entspricht einer Antwortrate von 47,3%. Um das Risiko, Schmerzen 12 Jahre nach Entbindung zu haben, zu bestimmen, wurden statistische Analysen durchgeführt. Diese Studie ist die erste Studie, die die Verzeichnung von Schmerzen an mehreren Stellen (MPI) als vorhersagende Variable bei Frauen mit anhaltenden schwangerschaftsbezogenen Rückenschmerzen verwendet.

Das Klassifikationssystem zur Verzeichnung von Schmerzen an mehren Stellen (MPI) wird bei Studien, in denen es um chronische Schmerzen geht, benutzt und wurde entworfen, um den Schmerzen an vielen Stellen bei chronischen Schmerzen wissenschaftlich zu erfassen. Drei klinisch relevante Untergruppen werden vom MPI abgeleitet: (1) zwischenmenschlich gestresste, (2) dysfunktionale und (3) anpassungsfähige. Personen in der ersten Gruppe (zwischenmenschlich gestresste) haben keine angemessene soziale Unterstützung. Personen in der dysfunktionalen Gruppe sind charakterisiert durch hohe Einschränkungen, gefühlsbetonten Stress und Schmerzintensität, während Personen in der anpassungsfähigen Gruppe eine erfolgreichere Anpassung an chronische Schmerzen aufweisen. 53 Frauen wurden als zwischenmenschlich gestresst klassifiziert, 82 Frauen wurden als dysfunktional klassifiziert und 91 Frauen als anpassungsfähig.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Frauen in der zwischenmenschlich gestressten und in der dysfunktionalen Gruppe hatten ein mehr als zwei Mal so hohes Risiko von anhaltenden schwangerschaftsbezogenen Rückenschmerzen im unteren Rücken 12 Jahre nach Entbindung als Frauen in der anpassungsfähigen Gruppe. Frauen in der dysfunktionalen Gruppe hatten ein fünfmal so hohes Risiko für eine Krankschreibung in den letzten 12 Monaten als Frauen in der anpassungsfähigen Gruppe. Die Studie demonstriert, dass es möglich ist, Frauen mit anhaltenden schwangerschaftsbezogenen Rückenschmerzen 12 Jahre nach Entbindung in relevante klinische Untergruppen einzuteilen, die auf psychosozialen und Verhaltenscharakteristika beruhen.

Quelle:

Bergström, Cecilia/Persson, Margareta/Morgen, Ingrid 2019: Psychosocial and behavioural characteristics in women with pregnancy-related lumbopelvic pain 12 years postpartum, in: Chiropractic & Manual Therapies, 27: 34, unter: https://chiromt.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12998-019-0257-8 (27.08.2019).

29.08.2019 Ι aus der Forschung