Rückenschmerzen im unteren Rücken (Lendenwirbelbereich) ist global die führende Ursache für Lebensjahre mit Beeinträchtigungen. Die Punkt-Prävalenz [Anmerkung: Das Vorkommen zu einem bestimmten Zeitpunkt z. B. an einem Stichtag] wird auf 12 % und die ein-Monats-Prävalenz [Anmerkung: Das Vorkommen innerhalb eines Zeitraums von einem Monat] wird auf 23 % geschätzt. Rückenschmerzen im unteren Rücken verursachen hohe soziale und ökonomische Belastungen, vergleichbar mit Herzkreislauf-Erkrankungen in Staaten mit hohem Einkommen.

Weniger als 20 % der Patienten, die sich bei einem Chirurgen vorstellen, benötigen typischerweise eine chirurgische Lösung. Die Herausforderung ist die verlässliche Identifizierung von Operationsindikationen. Daher ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Rückenchirurgen und nicht-chirurgischen Rückenexperten wie Chiropraktoren entscheidend.

Für die optimale Versorgung von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen im unteren Rücken (Lendenwirbelbereich) ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Chirurgen und nicht-chirurgisch arbeitenden Rückenexperten äußerst wichtig. Die Angliederung einer Chiropraktik-Klinik an ein Universitätskrankenhaus mit einer großen Abteilung für Rückenschmerzen in Zürich, Schweiz, ermöglicht eine solche Zusammenarbeit. [Anmerkung: In der Schweiz ist die Chiropraktik in das Gesundheitssystem integriert. Chiropraktoren haben dort eine arztgleiche Rolle. Mehr zu „Chiropraktor – wie ist das eigentlich in der Schweiz?“ finden Sie hier.] Das Ziel dieser Studie war die Beschreibung der Bewegungsbahnen und Ergebnisse von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen im unteren Rücken, die von der Chirurgie an die Chiropraktik-Klinik der Universitätsklinik überwiesen wurden.

Chiropraktik, Chiropraktor, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Hüftschmerzen, Fußschmerzen, Hamburg

Chiropraktor Alexander Meier zeigt, wo der untere Rücken (Lendenwirbelbereich) ist.

Die Patienten füllten eine 11-Punkte numerische Bewertungsskala für die Schmerzintensität aus sowie den Bournemouth Fragebogen (bio-psycho-soziale Messung) zu Beginn und nach der ersten, dritten, sechsten Woche und nach 12 Monaten aus. Zusätzlich wurde die Skala der Veränderung aus Patientensicht (Patient’s Global Impression of Change) zu allen Zeitpunkten außer zu Beginn bei den Patienten abgefragt. Der Verlauf der numerischen Bewertungsskala und des Bournemouth Fragebogen wurden statistisch analysiert (lineare gemischte Modellanalysen und wiederholten Messzahlen ANOVA). Der Anteil der Patienten, der klinische relevante ganzheitliche Besserung berichtete, wurde kalkuliert und die dahinter liegenden Faktoren wurden statistisch bestimmt (mithilfe logistischer Regressionsanalysen).

Zwischen Juni 2014 und Oktober 2016 wurden 67 Studienteilnehmer rekrutiert. Von diesen litten 46 an Rückenschmerzen im unteren Rücken seit mehr als einem Jahr und 21 Patienten hatten seit mehr als drei Monaten jedoch weniger als ein Jahr Rückenschmerzen im unteren Rücken. Zum Ausgangszeitpunkt war die mittlere numerische Bewertungsskala 5.43 und der mittlere Bournemouth Fragebogen 39.80 Punkte. Die numerische Bewertungsskala nahm signifikant ab auf 4.05 nach 12 Monaten. Eine signifikante Reduzierung konnte nicht vor sechs Monaten nach Behandlungsbeginn beobachtet werden. Der Bournemouth Fragebogen verringerte sich signifikant von 39.80 Punkten auf 29.00 nach 12 Monaten und zeigte eine signifikante Reduzierung innerhalb des ersten Monats. Der Anteil der Patienten, der von gesamter Besserung berichtete, stieg signifikant von 23 % nach einer Woche auf 47 % nach einem Monat. Dann stabilisierte es sich: Der Anteil der Patienten, der von gesamter Besserung berichtete, stieg auf 56 % nach drei Monaten und sechs Monaten und betrug 44 % nach 12 Monaten. Die Reduktion der bio-psycho-sozialen Beeinträchtigung (erhoben mit dem Bournemouth Fragebogen) war bei der gesamten Besserung von höherer Wichtigkeit als Schmerzreduktion.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Chiropraktik vom Chiropraktor ist eine wertvolle konservative Behandlungsmethode, die mit klinisch relevanter Besserung bei circa der Hälfte der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen im unteren Rücken einhergeht. Die Ergebnisse dieser Studie sind ein Beispiel für die Wichtigkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit bei der Behandlung von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen.

[Anmerkung: Die Zusammenarbeit zwischen Chirurgen und Chiropraktoren ist nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Dänemark Alltag. So werden in Dänemark Patienten mit Rückenschmerzen oder auch Bandscheibenvorfällen nur äußerst selten operiert. Die chirurgische Option wird grundsätzlich erst nach drei Monaten konservativer Behandlung (Chiropraktik und Physiotherapie) ohne Besserung und mit anhaltenden schweren funktionshemmenden Störungen erwogen. Am Rückenzentrum der Universitätsklinik, in die die besonders schweren Fälle überwiesen werden, arbeiten viele Chiropraktoren. Angehende Chiropraktoren müssen während des Studiums dort 9 Monate Praktikum machen.]

Quelle:

Wirth, Brigitte/ Riner, Fabienne/ Peterson, Cynthia/ Humphreys, Barry Kim/ Farshad, Mazda/ Becker, Susanne/ Schweinhardt, Petra 2019: An observational study on trajectories and outcomes of chronic low back pain patients referred from a spine surgery division for chiropractic treatment, in: Chiropractic & Manual Therapies, 27:6, https://chiromt.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12998-018-0225-8 (abgerufen am 17.04.2019).

18.04.2019 Ι aus der Forschung