Muskel-Skelett-Schmerzen treten häufig in mehr als einem Körperbereich auf. Bis zu 80% der Erwachsenen berichten von mehr als einer Gelenkschmerzstelle in den letzten 12 Monaten. Ältere Personen und Frauen sind bekannt dafür, anfälliger für multiple Gelenkschmerzen, also mehrere Gelenkschmerzstellen, zu sein. Der Zusammenhang zwischen vielen Gelenkschmerzstellen und physischen und psychosozialen Funktionen in diesen Populationen ist gleichwohl unbekannt.

Das Forscherteam nahm demnach Frauen im mittleren Alter in den Blick. Die Forscher analysierten Querschnittsdaten von 579 Frauen der Geburtsjahrgänge 1946-1951.  Das primäre Messergebnis war der Ort und die Zahl der Stellen der Gelenkschmerz. Die sekundären Messergebnisse waren Schmerzcharakteristika, gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie soziodemographische und gesundheitliche Verhaltensvariablen.

Den Frauen wurden folgende Frage gestellt: „Welche Ihrer Gelenke waren an den meisten Tagen des letzten Monats beschwerlich?“. Die Schmerzqualitäten wurden unter Rückgriff auf den McGill Schmerzfragebogen (McGill Pain Questionnaire) (Kurzform) und PainDETECT gemessen. Die Gesundheit wurde unter Rückgriff auf den SF-36 (ein krankheitsunspezifischer Fragebogen zur Erhebung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität) und soziodemographische Variablen bewertet. Statistische Analysen wurden durchgeführt. Statistische Analysen beinhalteten den Vergleich von drei Schmerzgruppen: keine Gelenkschmerzen, 1-4 Stellen mit Gelenkschmerzen, ≥ 5 Stellen mit Gelenkschmerzen.

Was waren die Ergebnisse? Zweidrittel der Teilnehmer hatten Schmerzen an mehr als einer Stelle und ein Drittel hatte Gelenkschmerzen an mehr als 5 Stellen. Der unteren Rücken (34,5%), das rechte Knie (27,5%), die rechte Hand (26,6%) und der Nacken (25%) waren die am verbreitesten Stellen für Gelenkschmerzen. Im Vergleich zu Frauen mit weniger Gelenkschmerzstellen wiesen Frauen mit mehr als 5 Gelenkschmerzstellen signifikant schwächere emotionale und körperliche gesundheitsbezogene Lebensqualität, mehr starke Schmerzen, eine höhere Wahrscheinlichkeit neuropathischer Schmerzen und eine längere Dauer der Schmerzen auf. Mehr als die Hälfte der Frauen mit multiplen Gelenkschmerzstellen waren Arbeitnehmer, wenn auch dem Rentenalter nahe. Im finalen Modell standen die Dauer der Schmerzen, die Zahl der Medikamente, Schmerzintensität (Unwohlsein und starke Beschwerden) und die körperliche Komponente von gesundheitsbezogener Lebensqualität in signifikantem Zusammenhang mit der erhöhten Anzahl der Gelenkschmerzstellen.

Mehr als ein Drittel der älteren Frauen in der Studie hatten mehr als 5 Gelenkschmerzstellen im letzten Monat. Diese Frauen zeigten signifikant schwächere psychosoziale Gesundheit und einen erhöhten Rückgriff auf Medikamente im Vergleich zu Frauen mit keinen oder weniger Gelenkschmerzstellen. Diese Studie hat wichtige Implikationen für zukünftige Forschung im Bereich Muskel-Skelett-Schmerzen, insbesondere in Bezug auf Frauen und für die klinische Praxis, wo erhöhte Achtsamkeit für die Implikationen von konkurrierenden Gelenkschmerzen an mehreren Stellen sein sollte. Personen mit multiplen Gelenkschmerzen neigen zu suboptimalen klinischen Ergebnissen, einer größeren Inanspruchnahme des Gesundheitssystems, reduzierter Arbeitsproduktivität, einem schlechteren Gesundheitszustand und zu reduzierten Aktivitäten des täglichen Lebens im Vergleich zu Personen mit einer Gelenkschmerzstelle. Multiple Gelenkschmerzen sind bekannt in Zusammenhang mit stärkeren körperlichen Beeinträchtigungen, psychischen Beschwerden, einer eingeschränkten Schlafqualität und schwachen Prognose unabhängig von Behandlungen zu stehen.

Quelle:

de Luca, Katie/Wong, Arnold/Eklund, Andreas/Fernandez, Matthew/Byles, Julie/Parkinson, Lynne/Loureiro Ferreira, Manuela/Hartvigsen, Jan 2019: Multisite joint pain in older Australian women is associated with poorer psychosocial health and greater medication use, in: Chiropractic & Manual Therapies, 27:8, https://chiromt.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12998-018-0224-9 (abgerufen am 5.3.2019).

05.03.2019 Ι aus der Forschung