Das Ziel der Forschungsarbeit von Mette Stochkendahl war die Erforschung von akutem muskuloskeletalem Brustschmerzen bzw. Herzschmerzen bei Patienten, bei denen ein Herzinfarkt vermutet wurde und die in die kardiologische Notaufnahme eingeliefert wurden. Welche Diagnosen und klinischen Charakteristika liegen bei Patienten mit akuten Brustschmerzen bzw. Herzschmerzen vor und wie ist der Vergleich mit Patienten mit oder ohne ischemischer Herzkrankheit – diese Fragen stellte sich die Forscherin.

Die Studie basierte auf Patienten, die in die kardiologische Abteilung der Notaufnahme der Universitätsklinik in Odense (Dänemark) eingeliefert wurden. Insgesamt 1.063 Patienten wurden in die Studie einbezogen (758 Patienten von Mai bis Juni 2004 (Paper II) und 305 Patienten von August 2006 bis März 2008 (Paper III, IV, V)).

Brustschmerzen ist eines der Hauptsymptome für einen Herzinfarkt bzw. ein akutes koronares Syndrom, also eine Minderdurchblutung des Herzmuskels (myokardiale Ischämie). Die Vermutung eines koronaren Syndroms steht für 5-8% für Aufnahmen in die Notaufnahme eines Krankenhauses. Brustschmerzen bzw. Herzschmerzen können jedoch nicht nur vom Herzen ausgelöst werden, sondern auch von einer Vielzahl anderer Ursachen stammen. Die Ursachen für Herzschmerzen können in einem akuten koronaren Syndrom, in Angina pectoris, in nicht-kardialem Herzschmerz (von der Lunge, vom Magen-Darm-Trakt, von der Psyche), in muskuloskeletalem Herzschmerz, in einer segmentalen Dysfunktion des Nackens und der Brustwirbelsäule oder differentialen Diagnosen liegen. Einige dieser Ursachen können zu ernsthaften lebensbedrohlichen Krankheiten führen, während anderer von gutartigerer Natur sind. Die Erhellung dieser Ursachen birgt Herausforderungen für viele Ärzte.

Die segmentale Dysfunktion der Wirbelsäule ist vielleicht ein der am meisten unter-diagnostizierten Ursachen für muskuloskeletale Brustschmerzen. Der Schmerz wird ausgelöst von Gelenkblockaden der unteren zervikalen Wirbelsäule (C4-C7) und der oberen Brustwirbelsäule (Th1-Th8) und umliegenden Strukturen. Schmerzen im vorderen Aspekt der Brustwand können auftreten. Der Begriff „cervicothoracic angina“ (CTA), also ein Unwohlsein in der Brust, das von der Wirbelsäule ausgelöst wird, wurde für dieses Syndrom geprägt.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Die Auswertung von Patientenakten ergab, dass 84% der unter Brustschmerzen bzw. Herzschmerzen leidenden Patienten und von der kardiologischen Abteilung entlassenden Patienten keinen Herzinfarkt bzw. kein akutes koronares Syndrom hatten (Paper II). Nur drei Prozent erhielten die Diagnose muskuloskeletale Brustschmerzen. Muskuloskeletale Brustschmerzen bzw. Herzschmerzen in Form von Brustunwohlsein, das von der Wirbelsäule herrührte (cervicothoracic angina (CTA)), konnte bei 38% der Patienten gefunden werden (Paper III). CTA-Patienten berichteten mit höherer Wahrscheinlichkeit von Schmerz, der stach, der allmählich anfing, dessen Beginn nichts mit Mahlzeiten zu tun hatte, der ausgelöst wurde bei Bewegung des Oberkörpers und mit Schmerzmitteln abnahm. Diese Patienten hatten mit höherer Wahrscheinlichkeit auch Befunde nach Abtasten (Palpation). Die Hauptdeterminanten für eine CTA positive Diagnose war das Vorliegen von positiven Befunden in Palpationskategorien, die Zahl der Palpationsbefunde und die Absenz von Indikatoren für kardiologische Herzschmerzen. Indem diese Indikatoren in Kombination mit Indikatoren der Krankengeschichte genutzt wurden, konnte ein Diagnosewerkzeug in fünf Schritten zur Identifizierung von muskuloskeletalen Brustschmerzen entwickelt werden. Mit dem daraus resultierenden Entscheidungsbaum konnten 60% der Patienten korrekt diagnostiziert werden. Patienten, die sowohl chiropraktische Behandlung durch Chiropraktoren erhielten als auch Informationen für ihr Selbstmanagement bekamen, erlebten einen Rückgang der Schmerzen und selbst wahrgenommene positive Veränderungen. Ein Vergleich zwischen zwei Gruppen war zugunsten der chiropraktischen Behandlung und zwar nach vier Wochen betreffend das Ergebnis von selbstwahrgenommenem Schmerzveränderung und nach 12 Wochen betreffend das Ergebnis der numerischen Veränderung in der Schmerzintensität.

Die Ergebnisse ergaben, dass chiropraktische Behandlung eine valide therapeutische Möglichkeit für Patienten mit akuten Brustschmerzen bzw. Herzschmerzen, die die Ursache im Muskel-Skelett-Apparat haben, sein kann.

Quelle:

Stochkendahl, Mette 2009:  Musculoskeletal Chest Pain. Diagnosis and manual treatment in patients with acute chest painadmitted to an emergency cardiology department, University of Southern Denmark, unter: https://nikkb.dk/images/stories/afhandlinger/phd_mjs.pdf (abgerufen am 13.02.2019).

14.02.2019 Ι aus der Forschung