Haben chiropraktische Behandlungen von Patienten mit lumbalem Bandscheibenvorfall und Hypomobilität des Iliosakralgelenks einen Effekt?

Die Forschergruppe um Esmaeil Shokri von der Shiraz Universität für Medizin im Iran erforschte den Effekt von chiropraktischer Behandlung der Lendenwirbelsäule (LWS) und des Iliosakralgelenks (ISG) auf Schmerzen und funktionale Einschränkung. Zielgruppe waren Patienten, die einen lumbalen Bandscheibenvorfall einhergehend mit einer Hypomobilität des ISGs aufwiesen. [Anmerkung: Ein lumbaler Bandscheibenvorfall ist ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (unterer Rücken). Das ISG ist das Beckengelenk. Eine Hypomobilität ist eine eingeschränkte Beweglichkeit].

Bandscheibenvorfälle gehen typischerweise mit Schmerzen und Taubheit, die zum Gesäß und in die Beine ausstrahlen, einher. Gleichwohl ist ein Bandscheibenvorfall in 24% aller Fälle asymptomatisch, also ohne Schmerzen oder Einschränkungen [Anmerkung: hier finden Sie mehr Informationen zu Bandscheibenvorfällen]. Ein lumbaler Bandscheibenvorfall geht typischerweise mit Rückenschmerzen in der Lendenwirbelsäule (LWS), die mit Funktionseinschränkungen des Beckengelenks (ISGs) gekoppelt sind, einher.

An der quasi experimentellen Untersuchung nahmen 20 Patienten im Alter von 20 Jahren bis 50 Jahren teil. Alle Teilnehmer hatten einen Bandscheibenvorfall, der durch ein MRT festgestellt wurde, und eine Hypomobilität des ISGs. Patienten mit einem Bandscheibenvorfall, die auch chemische Reizungen durch das Austreten des geleemassigen Bandscheibenkerns in den Spinalkanal hatten, wurden ausgeschlossen.

Alle Studienteilnehmer erhielten fünf chiropraktische Behandlungen der LWS und des ISGs innerhalb von zwei Wochen. Die Intensität von Rückenschmerzen und von Beinschmerzen sowie das Maß der funktionalen Einschränkungen wurden gemessen. Die Messung basierte auf der numerischen Skala (NRS) und dem Oswestry Disability Index (ODI). Es wurde zum Ausgangspunkt, direkt nach der fünften Behandlung und einen Monat nach der Ausgangsmessung gemessen.

Was waren die Ergebnisse? Eine signifikante durchschnittliche Verbesserung bei Rückenschmerzen und Beinschmerzen wurde in der fünften Behandlung und einen Monat nach dem Ausgangspunkt der Studie festgestellt. Die durchschnittliche Veränderung in der fünften Behandlung und einen Monat nach dem Ausgangspunkt der Studie mit Blick auf das Maß funktionaler Einschränkungen zeigte ebenfalls signifikante Verbesserung. Der minimale klinische wichtige Veränderung (minimal clinically important change (MCIC)) betrug 20 Punkte bei Rücken- und Beinschmerzen und sechs Punkte bei funktionaler Einschränkung, weshalb die erwähnten Verbesserungen aus Forschungssicht nicht als klinisch signifikant gelten.

Fünf chiropraktische Behandlungen können Rückenschmerzen und Beinschmerzen sowie funktionale Einschränkungen verbessern.

Quelle:

Shokri, Esmaeil/Kamali, Fahimeh/Sinaei, Ehsan/Ghafarinejad, Farahnaz 2018: Spinal manipulation in the treatment of patients with MRI-confirmed lumbar disc herniation and sacroiliac joint hypomobility: a quasi-experimental study, in: Chiropractic & Manual Therapies, 26:16, unter: https://chiromt.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12998-018-0185-z (abgerufen am 20.07.2018).

20.07.2018 Ι aus der Forschung

2018-07-26T14:20:17+00:00