Neue klinische Richtlinie für Schmerzen im Muskel-Skelett-Apparat

Generalisierte Schmerzen im Bewegungsapparat sind eine der häufigsten Ursachen für Vorstellungen bei einem Arzt für Allgemeinmedizin. Die Patienten leiden häufig an starken Schmerzen, die von Müdigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten begleitet werden. Dies beeinträchtigt sowohl die Funktion als auch die Lebensqualität. Der Zustand ist in der Regel auf viele verschieden Faktoren zurück zu führen, die sowohl biologisch als auch sozial sein können.

Generalisierte Schmerzen sind Schmerzen, die nicht auf eine Körperregion beschränkt sind. Oftmals ist ein komplexes Krankheitsbild mit vielen verschiedenen Symptomen vorzufinden.

Das dänische Gesundheitsministerium hat eine neue aktualisierte klinische Richtlinie für die Untersuchung, Behandlung und Rehabilitation von Patienten mit generalisierten Schmerzen im Muskel-Skelett-Apparat veröffentlicht. Die Aktualisierung der Richtlinie wurde vor dem Hintergrund von neuen Erkenntnissen vorgenommen. Eine Änderung ist zum Beispiel, dass es eine starke Empfehlung für die Verwendung der kognitiven Verhaltenstherapie für Patienten mit komplexen Problemen aufgrund von generalisierten Schmerzen im Muskel-Skelett-Apparat gibt.

Folgende Empfehlung spricht das dänische Gesundheitsministerium aus:

 Gute Praxis:

  • Untersuchung des Patienten zum Ausschluss von Differentialdiagnosen. Der Patient kann anhand von Anamnese, Symptombilder, Dauer und vollständiger objektiver Untersuchung aufgeklärt werden. „Verallgemeinerte Schmerzen im Bewegungsapparat“ kann viele verschiedene Diagnosen haben.
  • Aufklärung der Gesamtfunktion des Patienten durch einen bio-psycho-sozialen Rahmen.
  • Angebot von Interventionen, die Strategien nutzen, die Aktivität und Teilhabe im Alltag fördern für ausgewählte Patienten.
  • Aufzeigen der Fähigkeit des Patienten am Arbeitsmarkt. Arbeitsbedingungen des Patienten, einschließlich der Auswirkungen der Arbeit auf den Patienten, auf Krankheit, Lebensstil und Gesundheitszustand werden aufgedeckt. Der Zweck ist, dem Patienten die Möglichkeit bewusst zu machen, korrigierte Arbeitsplatzanstrengungen einzuleiten für den Verbleib auf dem Arbeitsmarkt.
  • Kein Angebot von Opiaden ohne Dual Action.

Starke Empfehlung:

  • Angebot von Patientenschulungen (Unterricht in Schmerzphysiologie, Behandlungsmöglichkeiten, Bedeutung von psychosozialen Faktoren, Schmerzmanagement). Eine Patientenschulung oder Psychoquenching ist zwischen „Information“ und „Psychotherapie“ einzuordnen. Die Patientenschulung unterscheidet sich von allgemeinen Informationen, da die Informationen dem Verständnisrahmen des Patienten angepasst sind und Wahrnehmungen, die unangemessen sein könnten, angesprochen werden.
  • Angebot von kognitiver Verhaltenstherapie für Patienten mit komplexen Problemen aufgrund von Schmerzen im Bewegungsapparat.

Schwache Empfehlung:

  • Angebot von überwachtem Training, um die Funktionsfähigkeit zu erhöhen, für ausgewählte Patienten.
  • Abwägung eines Angebots einer multidisziplinären Intervention, die aus mindestens zwei Behandlungsmodalitäten besteht und mindestens von zwei Berufsgruppen erbracht wird.
  • Erwägung des Angebots tryzyklischer Antidepressiva.
  • Verwendung von Opiate mit Dual Action nur nach sorgfältiger Überlegung.
  • Erwägung des Angebots von Serotonin-und-Noradrenalin-Aufnahme-Hemmer (SNRI) zur Schmerzlinderung.
  • Angebot von SSRIs (Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (Antidepressiva)) nur nach sorgfältiger Abwägung.
  • Erwägung von Antikonvulsiva zur Schmerzlinderung.

Quelle:

Dänisches Gesundheitsministerium 2018: National klinisk retningslinje for udredning og behandling samt rehabilitering af patienter med generaliserede smerter i bevægeapparatet, unter: https://www.sst.dk/da/udgivelser/2018/~/media/82268C6BAF19461399C4FC8D1647DCC0.ashx (abgerufen am 11.07.2018).

11.07.2018 Ι aus der Forschung

2018-07-11T09:29:50+00:00