Chiropraktoren praktizieren in 100 Staaten weltweit. In 90 Staaten besteht ein Berufsverband für Chiropraktoren. Chiropraktik ist die meist genutzte komplementäre Medizinrichtung in den USA und Europa. [Anm.: Informationen zum Unterschied zwischen Chiropraktoren und Chiropraktikern bzw. Chirotherapeuten finden Sie hier].

Mit der Studie um Peter Beliveau wird erstmals auf globaler Ebene betrachtet, wie Chiropraktik genutzt wird, von wem und warum.

Dazu werteten die Forscher systematisch Fachliteratur über Chiropraktik aus. Die Studien, die in Frage kamen, hatten folgende Gemeinsamkeiten: (1) Publikationssprache Englisch oder Französisch, 2) Fallserien, deskriptive Untersuchungen, fachübergreifende Untersuchungen oder Kohortenstudien, 3) Beschreibung von Patienten, die Chiropraktik in Anspruch nehmen, 4) berichteten zu folgenden Themen: Nutzung von Chiropraktik, Gründe der Inanspruchnahme von Chiropraktik, Profile von Patienten. Gutachter überprüften alle Zitate und Daten. Die Forschungsgruppe stellte beschreibende numerische Analysen bereit, z. B. identifizierte sie die mittlere Rate und den Interquartilbereich (Chiropraktiknutzungsrate), die durch die Studienteilnehmer oder den Studienteilnehmerzustand bewirkt sind.

Die Literaturrecherche ergab 14.149 wissenschaftliche Artikel. 328 Studien waren relevant. Die Auswertung der wissenschaftlichen Literatur ergab, dass die meisten Chiropraktor-Patienten Frauen sind (57%) mit einem Durchschnittsalter von 43,4 Jahren. Im Allgemeinen waren 77,3% berufstätig (Arbeitnehmer). Personen mit Behinderung stellten nur 1,4% der Patienten von Chiropraktoren.

Frauen, Patienten mit chronischen Schmerzen und Patienten mit Rückenschmerzen nahmen Chiropraktik häufiger in Anspruch als die allgemeine Bevölkerung. Hingegen nahmen Kinder (unter 18 Jahren) und Ältere (über 55 Jahre) Chiropraktik weniger in Anspruch als die allgemeine Bevölkerung.

Die häufigsten Gründe, Chiropraktik vom Chiropraktor in Anspruch zu nehmen, waren Rückenschmerzen im unteren Rücken (Lendenwirbelbereich) (49,7%), Nackenschmerzen (22,5%) und Extremitätsprobleme (Arme, Beine, Füße) (10%). Bei Kindern (Personen unter 18 Jahren) waren die häufigsten Gründe, einen Chiropraktor aufzusuchen, Schmerzen/Probleme im Bewegungsapparat (44%), übermäßiges Schreien/Weinen (19,8%), neurologische Probleme (17,9%), gastrointestinale Beschwerden (Verdauungsbeschwerden) (17,5%).

Die Mehrzahl der relevanten Studien wurden zwischen 2005 und 2016 veröffentlicht und wurden in den USA, Kanada oder Australien durchgeführt.

Quelle: Beliveau, Peter/Wong, Jessica/Sutton, Deborah/Simon, Nir/Bussiéres, André/Mior, Silvano/French, Simon 2017: The chiropractic profession: a scoping review of utilization rates, reasons for seeking care, patient profiles, and care provided, in: Chiropractic & Manual Therapies, 25:35, https://chiromt.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12998-017-0165-8 (abgerufen am 27.03.2018).

27.03.2018 Ι aus der Forschung