Bei Schulterschmerzen, die auf ein subakromiales Schulter-Schmerz-Syndrom zurückzuführen sind, wird oft ohne signifikanten Nutzen eine Operation durchgeführt. Dies zeigte nun eine Studie an 32 Kliniken in Großbritannien.

Modell einer Schulter

Schulterschmerzen stellen den Grund für 2-4% aller Hausarztbesuche in Großbritannien und 4-5 Millionen Besuche beim Hausarzt im Jahr in den USA dar. Subakromialer Schulter-Schmerz stellt bis zu 70% aller Schulterprobleme dar. Ein subakromiales Schulter-Schmerz-Syndrom tritt oben seitlich an der Schulter auf. Es verschlimmert sich bei Aktivitäten über Kopf (u. a. auch bei Sportlern) und kann mit Schmerzen in der Nacht einhergehen. Der Ursprung des Schmerzes liegt im Raum der Sehnen der Rotatorenmanschette und dem Schulterdach und kommt von der Rotatorensehne. Dies wird auch als Schulter Impingement bezeichnet.

Die Studie ging der Effektivität von subakromialen Dekompression-Operationen und den Mechanismen für Dekompression durch eine Operation nach. Die Studie umfasste 32 Krankenhäuser in Großbritannien mit 52 Chirurgen. Studienteilnehmer waren Patienten, die mindestens drei Monate subakriomalen Schmerz bei einer intakten Sehne der Rotatorenmanschette hatten. Alle Teilnehmer waren für eine arthroskopische Operation geeignet und hatten zuvor ein nicht-operatives Programm durchlaufen, das Bewegungstherapie und mindestens eine Steriod-Injektion beinhaltete. Von der Studie ausgeschlossen wurden Patienten mit einer voll ausgeprägten gerissenen Rotatorenmanschette.

Die Patienten wurden zufällig in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe erhielt eine arthroskopische subakromiale Dekompression (Operation), die zweite Gruppe erhielt eine experimentelle Arthroskopie (ohne Dekompressions-OP) und die dritte Gruppe erhielt keine Behandlung im Sinne einer Intervention, sondern eine Besprechung nach drei Monaten ab Studienbeginn mit einem Schulterspezialisten. Bei der subakromialen Dekompression (Operation) wird der Gleitraum unter dem Schulterdach vergrößert, indem der entzündete Schleimbeutel entfernt und die knöcherne Veränderung des Schulterdaches abgefräst wird. Die Arthroskopie, die in der zweiten Gruppe durchgeführt wurde, war ein Placebo, da die wichtigen Elemente wie Knochen und Gewebe ausgelassen wurden. In den beiden Gruppen, die einen operativen Eingriff erhielten, wurde den Patienten erzählt, dass sie eine Operation an der Schulter erhielten (um den Placebo aufrecht zu erhalten). Es gab eine Überprüfung der Patienten nach sechs Monaten und nach einem Jahr. Die Chirurgen optimierten ihre Warteliste, um sicherzustellen, dass die Patienten so zeitnah wie möglich nach der zufälligen Zuteilung in die Gruppen einen Termin erhielten.

Zwischen September 2012 und Juni 2015 nahmen 303 Patienten an der Studie teil. Nach sechs Monaten wurde der aktuelle Status überprüft. Was war das Ergebnis? Es gab keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen mit operativen Eingriffen nach sechs Monaten. Die beiden Gruppen, die eine Operation erhielten, erzielten besser Ergebnisse als die Gruppe ohne Behandlung (dritte Gruppe), gleichwohl waren die Unterschiede klinisch nicht relevant. Zudem bot die operative Dekompression keinen Vorteil gegenüber der Placebo-Operation-Gruppe. Der Unterschied zwischen den beiden operativen Gruppen und der Gruppe ohne Behandlung kann ebenso das Ergebnis eines Placebo-Effekts oder Ergebnis der Physiotherapie nach der Operation sein.

Die Befunde stellen den Wert einer Operation aufgrund dieser Diagnose in Frage. Dies sollte Patienten kommuniziert werden.

Quelle: Beard, David/Rees, Jonathan/Cook, Jonathan/Rombach, Ines/Cooper, Cushla/Merritt, Naomi/Shirkey, Beverly/Donovan, Jenny/Gwily, Stephen/Savulescu, Julian/Moser, Jane/Gray, Alstair/Jepson, Marcus/Tracey, Irene/Judge, Andrew/Wartolowska, Karolina/Carr, Andrew 2017: Arthroscopic subacromial decompression for subacromial shoulder pain (CSAW): a multicentre, pragmatic, parallel group, placebo-controlled, three-group, randomised surgical trial, in: Lancet, http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)32457-1/fulltext (abgerufen am 27.02.2018).

27.02.2018 Ι aus der Forschung