Europäische Chiropraktoren Union: Meilenstein zur klinischen und beruflichen Ausbildung von Chiropraktoren

Auf dem Gipfel der Europäischen Chiropraktoren Union wurde ein Positionspapier mit Blick auf die klinische und berufliche Ausbildung von Chiropraktoren verabschiedet. Dies ist ein Meilenstein für die Chiropraktoren in Europa und Afrika. 

Anfang November 2017 fand ein Gipfel der Europäischen Chiropraktoren-Union (ECU) statt. Wichtige bildungspolitische Entscheidungen wurden getroffen. Einstimmig wurde ein Vorschlag der Dänischen Chiropraktoren Vereinigung und der Norwegischen Chiropraktoren Vereinigung zur formalen Anerkennung der klinischen und professionellen Ausbildung von Chiropraktoren angenommen. Ein Positionspapier wurde herausgegeben. Das Papier stellt einen Meilenstein für die Ausbildung von Chiropraktoren in Europa und Afrika dar. Erstmals haben sich die Universitäten, die einen akkreditierten Studiengang im Fach Chiropraktik anbieten, auch formal auf gemeinsame Leitlinien zur klinischen und beruflichen Ausbildung von Chiropraktoren verpflichtet.

Das Positionspapier beeinhaltet folgende Leitlinien zur Ausbildung von Chiropraktoren:

  • Die Ausbildung von Chiropraktoren muss das biopsychosoziale Modell anerkennen und sich auf biologische plausible Theorien und auf Forschungsergebnisse, die durch andere Forscher validiert sind, stützen.
  • Ein evidenz-basierter Ansatz, effektive klare Kommunikation, ein präventiver Ansatz sind Grundpfeiler.
  • Wenn möglich sollte die chiropraktische Fakultät in Universitäten und hier in der Medizinischen Fakultät oder in der Gesundheitsfakultät angesiedelt oder an diese angeschlossen werden.
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    Übungsraum für Chiropraktoren an der Süddänischen Universität (SDU)

  • Chiropraktische Fakultäten sollten innovative Modelle zur Entwicklung von Wissen und Lernen unterstützen.
  • Die Lehre vom vertebralen Subluxationskomplex als einem vitalistischen Konstrukt, das annimmt, dass es die Ursache für Krankheit ist, wird nicht von Evidenz unterstützt. [Im Speziellen betrifft dies die Form des Vitalismus, die annimmt, dass, wenn die vertebrale Subluxation korrekt justiert wird, die Störung aufgehoben, der Druck beseitigt, die Belastbarkeit wieder normalisiert und die Gewebezelle wieder hergestellt wird sowie Leben und Gesundheit beginnen, wieder normal zu werden. All dies wird, so die Vitalisten, von angeborener Intelligenz (innate intelligence) gesteuert und durchgeführt] (Anm.: Vitalisten sind vor allem in den USA, Spanien und teilweise in Neuseeland vertreten. Vitalistische Strömungen wurden in letzter Zeit auch vermehrt an Universitäten in Großbritannien vorgefunden).
  • Die Ausbildung von Chiropraktoren sollte ethische Praxis und professionelle Standards während des gesamten Ausbildungsverlaufs reflektieren.
  • Praxisstile, die zu einer unangemessenen Abhängigkeit von Patienten beitragen, die Glaubwürdigkeit von Patienten komprimitieren oder wiederholte Aussetzung des Patienten durch radiologische Strahlung voraussetzen, sind nicht Teil des Ausbildungsweges von Chiropraktoren. Solche Praxisstile sind:
    • „high volume“-Modelle mit nur wenigen Minuten pro Patient,
    • „open plan“-Modelle mit mehreren Behandlungsbänken in einem Raum, wo die Behandlung bei einem der Patienten sich bereits auf die anderen Patienten auswirken soll sowie
    • das Angebot von unbegründeten „Behandlungspaketen“ (Anm.: z. B. Flatrate-Modelle) oder unbegründeten klinischen Techniken.

Studenten sollte gelehrt werden, anzuerkennen, dass solche Ansätze nicht akzeptabel sind im besten Interesse für Patienten oder bezüglich des Berufes als Chiropraktor.

Folgende Universitäten aus Europa und Afrika sind dem Dokument beigetreten:

  • Anglo-European College of Chiropractic, Großbritannien
  • The Welsh Institute of Chiropractic, Großbritannien,
  • The Education of Clinical Biomechanics, University of Southern Denmark, Dänemark
  • Chiropractic Medicine, University of Zürich, Schweiz
  • Institut Franco-Européen de Chiropraxie, Frankreich
  • Department of Chiropractic, University of Johannesburg, Südafrika
  • Department of Chiropractic and Somatology, Durban University of Technology, Südafrika

(Anm.: Damit sind fünf von neun Universitäten in Europa der Vereinbarung beigetreten. Nicht beigetreten sind: McTimoney College of Chiropractic, Großbritannien; RCU Escorial Maria-Cristina – Madrid, Spanien; Barcelona College of Chiropractic, Spanien).

Quelle: The European -South-African Education Collabaration 2017: Clinical and Professional Chiropractic Education: a Position Statement, unter: http://danskkiropraktorforening.dk/Global/Uddannelse/Education_position_statement%20(1).pdf

06.12.2017 Ι aus der Forschung

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