Angst vor Schmerz löst gleiche Gehirnreaktion wie Schmerz aus

Angst vor Schmerz spielt eine wesentliche Rolle bei chronischen Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich. Die körperliche Einschränkung wird durch die Angst vor Schmerz ausgeweitet, indem Bewegungsmuster angepasst werden, um Schmerz zu vermeiden. Emotionen und Gedanken können die sensorische Wahrnehmung von Schmerz ebenfalls beeinflussen. Dabei spielen die Bereiche des Gehirns, die für Schmerzunterdrückung und die für die Verarbeitung externer Impulse und deren vegetative Auswirkungen zuständig sind, eine Schlüsselrolle. Die Forscher der Universität Balgrist in der Schweiz stellten die Vermutung auf, dass diese Gehirnregionen je nach dem Grad der Angst vor Schmerz aktiviert werden.

Die Forscher basierten die Studie auf Daten einer funktionellen MRT-Studie. Bei dieser Methode werden physiologische Funktionen im Inneren des Körpers mithilfe eines bildgebenden Verfahrens dargestellt. In der Studie wurden 20 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen und 20 gesunde Patienten gebeten, Videos anzusehen, in denen möglicherweise schmerzhafte sowie neutrale Aktivitäten des Rückens gezeigt wurden. Die Angst vor Schmerz wurde mithilfe einer Skala für Angst vor Schmerz sowie einem Angstvermeidungsfragebogen gemessen.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen konnte eine Reaktion im Gehirn nachgewiesen werden, während sie schmerzhafte Aktivitäten beobachteten. Das geschah nicht bei der Beobachtung von neutralen Aktivitäten. Bei der Kontrollgruppe, also den gesunden Patienten, konnten in beiden Fällen keine Reaktion der beobachteten Gehirnregionen nachgewiesen werden. Die Forscher sahen eine schlechtangepasste Reaktion der Psyche und des Körpers bei Patienten mit chronischen Schmerzen als gegeben an. Diese so genannte psychobiologische Interaktion zeichnet sich durch eine gestörte Verbindung zwischen der Gehirnregion für Schmerzunterdrückung und der Gehirnregion für die Verarbeitung externer Impulse und deren vegetative Auswirkungen aus. Diese Verbindung zwischen den beiden Gehirnregionen wird durch den Grad der Angst vor Schmerzen beeinflusst. Die Studienergebnisse werfen neues Licht auf Gehirnmechanismen, die durch die Psyche ausgelöst werden, jedoch Schmerz-Effekte auf Patienten mit chronischen Rückenschmerzen haben könnten.

Quelle:

Meier ML, Stämpfli P, Humphreys BK, Vrana A, Seifritz E, Schweinhardt P. 2017. The impact of pain-related fear on neural pathways of pain modulation in chronic low back pain. PAIN Reports, unter: http://journals.lww.com/painrpts/Citation/2017/06000/The_impact_of_pain_related_fear_on_neural_pathways.8.aspx (abgerufen am 7.11.2017).

24.11.2017 Ι aus der Forschung

2017-11-24T09:06:26+00:00