MRT-Bilder: keine Vorhersagekraft für Entscheidung ob OP oder Chiropraktik besser ist

Im Mittelpunkt der Studie des niederländischen Forschungsteams standen Patienten mit Ischiasschmerzen in Verbindung mit einem Bandscheibenvorfall. [Anm: Ischiassyndrom (Ischiasneuralgie oder Lendenwirbelwurzelsyndrom) ist die häufigste neurologische Rückenkrankheit. Schmerzen am Ischiasnerv können vom unteren Rücken an der Rückseite der Beine entlang führen.] 

Die Forscher untersuchten, ob MRT-Aufnahmen die Entscheidung zwischen einem frühen chirurgischen Eingriff und einer längeren konservativen Behandlung durch einen Chiropraktor erleichtern können. 283 Patienten mit Ischiasschmerzen, die einen radiologisch bestätigten Bandscheibenvorfall hatten, nahmen an der Studie teil. Die Studie verlief über einen Zeitraum von einem Jahr (1-year follow-up). Die Patienten wurden willkürlich in zwei Gruppen aufgeteilt: Die eine Gruppe bekam einen chirurgischen Eingriff, die andere Gruppe erhielt einen längeren konservativen Behandlungsverlauf bei einem Chiropraktor.

Die Ergebnismessung basierte auf dem Grad der Genesung und der Schwere der Beinschmerzen. Zur Ergebnisermittlung wurde auf Skalen zurückgegriffen. Verschiedene MRT-Aufnahmen wurden von drei Rückenexperten unabhängig voneinander bewertet. Mit analytischen Modellen wurde der Einfluss der MRTs auf den Grad der Genesung und der Vorhersagewert von MRT-Aufnahmen für die Schwere der Beinschmerzen während des follow-ups analysiert.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? MRT-Aufnahmen von Patienten mit Schmerz im Zusammenhang mit einem Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) haben nur einen begrenzten Wert als prognostisches Instrument. Die MRT-Aufnahmen können nicht herangezogen werden, um vorherzusagen, ob der Patient sich durch einen chirurgischen Eingriff oder durch eine Langzeitbehandlung bei einem Chiropraktor schneller erholt. Die Größe des Bandscheibenvorfalls zum Ausgangspunkt der Studie stand nicht in Zusammenhang mit dem Ergebnis (Genesung, Beinschmerzen). Es gab keine signifikante Veränderung der Effekte der beiden Gruppen (chirurgischer Eingriff, chiropraktische Behandlung). MRT-Aufnahmen, die einen Druck auf die Nervenwurzel und Verdrängung des Bandscheibenvorfalls zum Ausgangspunkt der Studie zeigtem standen mit weniger Beinschmerzen während des einjährigen Follow-ups in Zusammenhang – unabhängig von einem chirurgischen Eingriff oder einer konservativen Behandlung.

MRT-Befunde scheinen nicht hilfreich dafür zu sein, zu bestimmen, welche Patienten besser mit einem frühen chirurgischen Eingriff im Vergleich zu einem verlängerten konservativen Behandlungsverlauf durch einen Chiropraktor [Anm.: mit akkreditiertem 5-jährigem Universitätsstudium] fahren.

Quelle:

El Barzouhi, Abdelilah/ Verwoerd, Annemieke/ Peul, Wilco/Verhagen, Arianne/Lycklama à Nijeholt, Geert/Van der Kallen, Bas/Koes, Bart/Vleggeert-Lankamp, Carmen 2016: Prognostic value of magnetic resonance imaging findings in patients with sciatica, in: Journal of Neurosurgery: Spine 2016, unter: http://thejns.org/doi/full/10.3171/2015.10.SPINE15858

09.11.2017 Ι aus der Forschung

2017-11-09T16:35:15+00:00