Im Vereinigten Königreich gibt es deutlich mehr Chiropraktoren als in Deutschland. Kein Wunder – denn an drei Universitäten im Land kann man Chiropraktik studieren und Chiropraktoren sind in das Gesundheitssystem integriert. Hingegen gibt es in UK keine Chiropraktiker (Informationen zum Unterschied zwischen Chiropraktoren und Chiropraktikern finden Sie hier). Wir vom Chiropraktor-Haus in Hamburg blicken gerne über den Tellerrand hinaus und haben hier einige Informationen zum Berufsstand von Chiropraktoren im Vereinigten Königreich für Sie zusammengefasst.

Im Jahr 2016 gab es 3.150 registrierte Chiropraktoren im Vereinigten Königreich (vgl. GCC 2016: 2). Das sind 2.000% mehr als in Deutschland, wo es derzeit 150 Chiropraktoren gibt. Der General Chiropractic Council (GCC) hat im Jahr 2016 eine Studie zum Berufstand vorgelegt. Die Studie basiert auf einem Fragebogen, der an alle Chiropraktoren versendet wurde. 630 Chiropraktoren sendeten den Fragebogen zurück. Dies entspricht 20% aller Chiropraktoren. Auf den daraus gewonnen Daten basiert die Studie.

  • Das durchschnittliche Alter der Chiropraktoren im Vereinigten Königreich ist 46 Jahre. Die Hälfte der Chiropraktoren ist 45 Jahre oder älter (53%) (Anm: In Dänemark sind 65% mindestens 41 Jahre (vgl. Kiro Fakta 2016)).
  • 65% der Chiropraktoren haben ihren Studienabschluss nach 1996 erworben. Die Mehrheit Chiropraktoren (84%) hat ihr Universitätsstudium der Chiropraktik in Großbritannien abgeschlossen (am Anglo European Chiropractic College, am MCTimoney College oder am Welsh Institute of Chiropractic) und nur wenige in den USA, Australien, Südafrika, Kanada, Frankreich oder Neuseeland (vgl. GCC 2016: 4).
  • 64% der Chiropraktoren sind selbstständig und 31% arbeiten alleine in der Praxis (vgl. GCC 2016: 2). Dies spiegelt die Tendenz von Chiropraktoren wieder, oftmals an mehreren Orten oder in mehreren Praxen als selbstständiger Mitarbeiter zu arbeiten (vgl. GCC 2016: 5) (Anm.: „Scheinselbstständigkeit“ ist in Deutschland verboten).
  • Ein Viertel der Chiropraktoren arbeitet mit anderen Gesundheitsdienstleistern zusammen, vor allem mit Physiotherapeuten, Sporttherapeuten und Masseure (vgl. GCC 2016: 5).
  • Knapp über die Hälfte der Chiropraktoren (56%) arbeitet 31 Stunden oder mehr pro Woche (vgl. GCC 2016: 6) (Anm: In Dänemark sind es 70%, die über 30 Wochenstunden arbeiten (vgl. Kiro Fakta 2016)). 70% sind zufrieden mit ihrer derzeitigen Arbeitszeit.
  • 70% der Chiropraktoren, die auf den Fragebogen antworteten, haben weniger als 60 Patienten pro Woche, 20% der Studienteilnehmer sieht mehr als 80 Patienten pro Woche. 25 Chiropraktoren, die den Fragebogen einsendeten, sehen mehr als 100 Patienten pro Woche (7 Chiropraktoren 150; 5 Chiropraktoren sehen mehr als 150 Patienten pro Woche) (Anm.: Es gibt Chiropraktoren in Deutschland, die ca. 80 Patienten pro Tag, also 400 Patienten pro Woche, haben).
  • Über 80% der Chiropraktoren sehen es als wichtig an, dass sie Teil eines regulierten Gesundheitsberufes sind (vgl. GCC 2016: 10). Der meist genannte Grund für diese Einschätzung liegt in der Patientensicherheit, an zweiter Stelle folgt die Glaubwürdigkeit (vgl. GCC 2016: 10). 92% der Chiropraktoren machen gegenüber Patienten deutlich, dass sie registrierte Chiropraktoren sind (Registrierungszertifikat, Registrierungsnummer, Registrierungslogo). Die überwiegende Mehrheit der Chiropraktoren tut dies, um Patienten zu zeigen, dass sie es mit einem hochqualifizierten Behandler, der hohen Standards unterliegt, zu tun haben. Neue Patienten fragten oft nach dem Status des Chiropraktors und dessen Qualifikation (Anm.: Dies ist in Deutschland leider nicht der Fall) (vgl. GCC 2016: 11).

Quelle: 

GCC 2016: The Chiropractic Profession. Research on GCC registrants, General Chiropractic Council, unter:  https://www.gcc-uk.org/UserFiles/Docs/Prof%20Survey.pdf (abgerufen am 26.7.2017).

KiroFakta 2016: http://www.nikkb.dk/nyheder/laes-kirofakta-2016 (2.1.2016)

21.08.2017 Ι aus der Praxis