Viele Leute sind der Ansicht, sie hätten einen Bandscheibenvorfall. Und haben gar keinen – zum Glück.

Viele Leute denken, sie hätten einen Bandscheibenvorfall. Dies beruht anscheinend darauf, dass viele Ärzte (Allgemeinmediziner, Orthopäden) das Wort „Bandscheibenvorfall“ wohl recht umgangssprachlich benutzen. Die Diagnose „Bandscheibenvorfall“ geht mit einer starken Verunsicherung auf Seiten des Patienten einher. Nachdem die Diagnose „Bandscheibenvorfall“ im Raum steht, passiert meist folgendes:

  • es wird ein MRT angeordnet,
  • es werden Spritzen angeboten und
  • oft, sobald die MRT-Ergebnisse vorliegen, wird zu einer Operation geraten.

Aus Sicht eines von der Dänischen Gesundheitsbehörde zugelassenen Chiropraktors ist dieses Vorgehen überdenkenswert. Was nämlich in Deutschland anscheinend viele Ärzte auslassen, ist eine neurologische Untersuchung. Nur eine neurologische Untersuchung in Verbindung mit der klinischen Untersuchung kann Sicherheit darüber geben, ob jemand einen Bandscheibenvorfall hat oder nicht.

WICHTIG: Ein Bandscheibenvorfall, der akut ist, kann auf einem MRT nicht eindeutig nachgewiesen werden. Daher rät die Staatliche Dänische Krankenkasse davon ab, nur ein MRT zu machen (und bezahlt MRTs auch nicht, wenn das Ergebnis der neurologischen Untersuchung eindeutig war).

WICHTIG: Der Effekt einer Spritze in den Nerv ist kurz und klein. Daher rät die Staatliche Dänische Krankenkasse davon ab.

WICHTIG: Erst nach Ablauf von 12 Wochen mit schweren und funktionshemmenden Schmerzen bei gleichzeitiger Behandlung durch einen Chiropraktor und Physiotherapie, rät die Staatliche Dänische Krankenkasse zur Vorstellung beim Chirurgen. Die meisten Personen erholen sich von einem Bandscheibenvorfall ohne Operation. Die Risiken und Kosten einer OP sollten vermieden werden. Die Dänische Forschung hat gezeigt, dass selbst bei Patienten mit schwerem Bandscheibenvorfall weniger als 5% eine Überweisung zur Operation erhalten (vgl. Kiropraktorguide 2017).

Die Dänische Gesundheitsbehörde hat klare Klinische Richtlinien zur Behandlung eines Bandscheibenvorfalls herausgegeben. Eine Kurzzusammenfassung finden Sie unter dieser Mitteilung.

Was können Sie als Patient tun?

  • Achten Sie darauf, ob Ihre Symptome ausstrahlen.
    • Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich (LWS) bzw. Bandscheibenvorfall im unteren Rücken: Haben Sie zusätzlich zu Ihren Rückenschmerzen starke Schmerzen in den Beinen und bis in die Füße? Haben Sie das Gefühl, Ihre Füße nicht mehr richtig steuern zu können? Haben Sie Lähmungserscheinungen? Haben Sie plötzlich eine Inkontinenz?
    • Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich (HWS) bzw. Bandscheibenvorfall im Nacken: Haben Sie Schmerzen im Nacken? Haben Sie ein Taubheitsgefühl im Arm? Lassen Sie Gegenstände ungewollt fallen?
    • Wenn Sie keine ausstrahlenden Symptome, sondern nur lokale Schmerzen haben, ist ein Bandscheibenvorfall eher unwahrscheinlich.
  • Achten Sie darauf, dass der Arzt eine neurologische Untersuchung macht. Lassen Sie sich nicht nur ins MRT überweisen, denn
  • Auf einem MRT werden oft „alte“ Bandscheibenvorfälle gefunden, die derzeit keine Symptome bzw. Schmerzen auslösen. Dies hat mit Ihren derzeitigen Beschwerden nichts zu tun – und ist schon gar kein Grund für eine Operation.
  • Seien Sie gewiss: Es gibt immer Alternativen zur Behandlung eines Bandscheibenvorfalls durch Spritzen in den Nerv oder eine Operation (falls Sie denn einen richtigen Bandscheibenvorfall haben). Diese „Alternativen“ sind keine „Alternativmedizin“ oder Quacksalberei, sondern sie sind in anderen Gesundheitssystemen wie in Dänemark die Standardbehandlung.
  • Lassen Sie sich Physiotherapie verschreiben und suchen Sie einen Chiropraktor (Mitglied der Deutschen Chiropraktoren Gesellschaft) auf.
  • Achten Sie auf die auf Ihrer Krankschreibung festgehaltene Diagnose. Ein Bandscheibenvorfall ist mit M 51.2 (Bandscheibenprolaps bzw. Bandscheibenvorfall) bezeichnet. Wenn da etwas anderes steht, ist sich der Arzt nicht sicher.

Das Thema „Bandscheibenvorfall“ liegt uns sehr am Herzen. Wir erleben oft, dass Patienten sich bei uns vorstellen in der Annahme, sie hätten einen Bandscheibenvorfall, und tatsächlich haben sie keinen symptomgebenden Bandscheibenvorfall (sondern meist Gelenkblockaden). Wir erleben auch oft, dass Patienten zu einer Operation geraten wird, wenn sie die Diagnose „Bandscheibenvorfall“ erhalten. Eine Operation ist aus Sicht eines von der Dänischen Gesundheitsbehörde zugelassenen Chiropraktors meist nicht notwendig.

Mehr Informationen zu einem Bandscheibenvorfall finden Sie auch hier: http://chiropraktor-haus.de/schmerzen/bandscheibenvorfall/ 

Quelle: Kiropraktorguidedk: Ryg, Diskusprolaps, unter: http://www.kiropraktorguide.dk/artikler/ryg/ryg-diskusprolaps (abgerufen am 27.07.2017).

27.07.2017 Ι aus der Praxis

Dänische Gesundheitsbehörde

Nationale Klinische Richtlinien für einen Bandscheibenvorfall

Die Dänische Gesundheitsbehörde hat Nationale Klinische Richtlinien für einen neu aufgetretenen Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich mit Ausstrahlung ins Bein herausgegeben.

Laut der Dänischen Gesundheitsbehörde

  • soll der Patient sich eher normal bewegen als bettlägerig zu sein.
  • soll der Arzt Physiotherapie empfehlen. Der Patient sollte richtungsspezifische Übungen oder Übungen zum Training der neuromuskulären Kontrolle machen. Eine Kombination der beiden Übungsformen sei besser als eine Übungsform alleine.
  • soll der Patient von einem Chiropraktor behandelt werden.
  • sei Akupunktur möglich. Der Effekt von Akupunktur sei wissenschaftlich jedoch nicht untersucht.
  • wird abgeraten, nur ein MRT zu machen, weil der zu erwartende Effekt unsicher sei. Es sollte gleich mit Chiropraktik und Physiotherapie begonnen werden.
  • wird abgeraten, nur eine Schmerzspritze in den Nerv zu setzen. Der zu erwartende Effekt sei kurz und klein. Es sollte gleich mit Chiropraktik und Physiotherapie begonnen werden.
  • sollte ein Patient, der trotz nicht-chirurgischer Behandlung (Chiropraktik und Physiotherapie) innerhalb 12 Wochen weiterhin schwere und funktionshemmende Schmerzen hat, einen Rückenchirurgen aufsuchen.

Quelle: Dänische Gesundheitsbehörde 2016: Nationale Klinische Richtlinien für die nicht-chirurgische Behandlung eines neu aufgetretenen Bandscheibenvorfalls im Lendenwirbelbereich, unter: https://www.sst.dk/da/Feeds/~/media/2F85F728D715400AB004C59C8E2C7937.ashx