Bei Justierungen durch einen Chiropraktor an der Wirbelsäule wird das Wirbelsäulengewebe belastet. Doch gibt es Unterschiede? Ja, sagt eine neue Forschungsstudie.

Die manipulative Therapie der Wirbelsäule stand im Mittelpunkt der Studie des Forscherteams um Martha Funabashi. Ziel der Studie war, die Belastung, die im Wirbelsäulengewebe bei Justierungen, d. h. chiropraktischen Eingriffen, entsteht, zu messen und zu quantifizieren. Es gibt verschiedene Methoden, Justierungen vorzunehmen. Die Forscher untersuchten dies bei drei verschiedenen Methoden der manipulativen Therapie der Wirbelsäule. Man weiß derzeit nicht, ob verschiedene Methoden manipulativer Therapie verschiedene Effekte auf das Wirbelsäulengewebe haben. Wenn sich durch die gewählte Methode der manipulativen Therapie der Wirbelsäule das Wirbelsäulengewebe anpassen sollte, könnte die Quantifizierung dieser Beziehung die verschiedenen Ergebnisse von Justierungen mit Blick auf Effekte und Sicherheit erklären.

Die manipulative Therapie der Wirbelsäule wurde auf den dritten Lendenwirbel in 12 Schweinekadavern mit drei Justierungs-Techniken angewendet: (1) durch ein klinisches Gerät, das Kräfte durch ein mit der Hand gehaltenes Gerät ausübte (Activator), (2) durch eine manuelle Technik ausgeübt von einem Chiropraktor und (3) durch einen Roboter. Die daraus sich ergebenden Bewegungen aus jeder Methode wurden optisch mit verbleibende Knochenstifte verfolgt. Das L3/L4-Segment wurde dann entfernt und in einen anderen Roboter eingebaut. Diesen zweiten Roboter ließ man die Bewegungsabläufe der manipulativen Therapie der Wirbelsäule für jede manipulative Technik abspielen. Anatomische Untersuchungen von Wirbelsäulenstrukturen wurde durchgeführt, um die Charakteristika der Belastung von diskreten Wirbelsäulengewebe zu quantifizieren.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Die Belastung war größer mit der manuellen Technik und dem Roboter als mit dem Activator. Zudem bewirkten die beiden zuletzt genannten Methoden vergleichbare hintere Kräfte im intakten Probekörper. Die manuelle Methode bewirkte größerer Kräfte auf Längsbänder-Strukturen im Vergleich zum Roboter. Die Forscher kamen zu folgendem Schluss: Spezifische Methoden der manipulativen Therapie bewirken einzigartige Belastungscharakteristika in der Wirbelsäule, die helfen können, die unterschiedlichen Ergebnisse manipulativer Therapie in Bezug auf Effekt und Sicherheit zu erklären.

Quelle: Funabashi, Martha/Nougarou, François/Descarreaux, Martin/Prasad, Narasimha/Kawchuk, Gregory 2017: Spinal Tissue Loading Created by Different Methods of Spinal Manipulative Therapy Application, in: Spine, Volume 42: Issue 9, 635–643, unter: http://journals.lww.com/spinejournal/Fulltext/2017/05010/Spinal_Tissue_Loading_Created_by_Different_Methods.5.aspx (abgerufen am 13.06.2017)

13.06.2017 Ι aus der Forschung