Chiropraktik ist hilfreich für natürliche Geburten

Kann Chiropraktik helfen, natürlich zu gebären und nicht per Kaiserschnitt o. Ä.? Laut einer Forschungsstudie lautet die Antwort: Ja.

Ziel der Studie war, ob eine einmalige Behandlung der Wirbelsäule durch einen Chiropraktor bei Schwangeren die Funktion der Beckenbodenmuskulatur verändern kann. Die Rolle der Beckenbodenmuskulatur für die Stabilisierung der Wirbelsäule ist gut dokumentiert. Die Beckenbodenmuskulatur ist stark involviert in den Geburtsprozess, vor allem während der zweiten Stufe. Bei Frauen, die einen Blasenhalsabstieg und eine begleitende Erhöhung der Zwerchfellmuskulatur haben, sind unkomplizierte vaginale Geburten wahrscheinlicher. Wenn chiropraktische Behandlungen in der Lage sind, die Beckenbodenmuskulatur zu verändern, kann dies während des Geburtsprozesses von Vorteil sein. Die Konsequenzen von Schwierigkeiten bei der vaginalen Geburt, vor allem wenn eine Intervention nötig ist, ist stark zusammenhängend mit der Entwicklung einer Störung (Dysfunktion) der Beckenbodenmuskulatur. Dies manifestiert sich oftmals in Stress-Inkontinenz, Beckenorgan Prolaps und/oder fäkaler Inkontinenz.

An der Studie nahmen 11 Frauen im zweiten Trimester der Schwangerschaft sowie 15 Frauen, die noch keine Kinder geboren haben, teil. In der Studie wurde die Beckenboden- Anatomie und -Funktion anhand von Ultraschallaufnahmen bewertet. Nach dem Urinlassen wurden ¾ dimensionale Ultraschallaufnahmen gemacht, während die Frauen auf dem Rücken lagen. Im Fokus stand dabei der Levator Hiatus, eines Portals von ca. 15cm² Fläche, das von Harnröhre, Vagina und Anorektum gekreuzt wird und das bei einer Geburt den Durchtritt des Kindskopfes erlauben soll. Die Anhebung des Levator Hiatus in der Ruheposition, bei maximaler Beckenbodenanspannung und während des Höhepunkts des Valsalva-Manövers (forcierte Ausatmung bei verschlossener Mund- und Nasenöffnung und gleichzeitiger Bauchmuskelanspannung) wurde gemessen und zwar bevor und nach der chiropraktischen Behandlung oder einer Kontrollintervention.

Die Forscher kamen zu folgenden Ergebnissen: Die Levator Hiatus-Gegend im Ruhezustand erhöhte sich signifkant (P < .05) nach der Wirbelsäulenmanipulation bei den Schwangeren. Bei den nicht schwangeren Frauen gab es keine Veränderung nach dem chiropraktischen Eingriff weder im Ruhezustand noch bei irgendeiner anderen der gemessenen Parameter. Die chiropraktische Behandlung der Wirbelsäule bei Schwangeren im zweiten Trimester steigert den Levator Hiatus-Bereich im Ruhezustand und scheint daher die Beckenbodenmuskulatur zu entspannen. Dies passierte nicht bei den nicht schwangeren Kontrollpersonen, was darauf hindeutet, dass dies mit der Schwangerschaft zusammenhängt.

Quelle: Haavik, Heidi/Murphy, Bernadette/Kruger, Jennifer 2016: Effect of Spinal Manipulation on Pelvic Floor Functional Changes in Pregnant and Nonpregnant Women: A Preliminary Study, in: Journal of Manipulative and Physiological Therapeutics, 39: 5, 339-347, unter: http://www.jmptonline.org/article/S0161-4754(16)30034-3/fulltext (abgerufen am 03.05.2017).

03.05.2017 Ι aus der Forschung

2017-05-03T11:23:13+00:00