Nackenschmerzen? Aber bloß keine Chiropraktik! – so denken viele. Den Zusammenhang zwischen einer chiropraktischen Behandlung der Halswirbelsäule und einem Schlaganfall hat nun eine Forschergruppe untersucht.

Mit Nackenschmerzen stellen sich Patienten häufig bei Ärzten und bei Chiropraktoren vor. Laut dem Center for Disease Control der USA und nationalen Umfragen gab es 10,2 Millionen ambulante Besuche wegen Nackenschmerzen in den Jahren 2001 und 2002. Viele Menschen mit Nackenschmerzen nehmen Chiropraktik in Anspruch und erhalten eine Justierung der Halswirbelsäule. Im Gegensatz zum Vorkommen von Nackenschmerzen und chiropraktischem Eingriff, ist eine Dissektion der zervikalen Arterie, also des hirnversorgenden Blut vom Herzen wegleitenden Blutgefäßes, rar. Jährlich gibt es Schätzungen zufolge 0,0025% Dissektionen der internen carotiden Arterie und 0,001% Dissektionen der vertebralen Arterie. Einen Schlaganfall wiederum erhält nur ein kleiner Anteil der Menschen mit Dissektion der zervikalen Arterie und sein Vorkommen ist schwer zu schätzen. Schätzungen zufolge sind 2% von ischämischen Schlaganfällen auf eine Dissektion zurück zu führen.

Chiropraktor-Haus-Hamburg-Nacken_2Berichte über Fälle und Untersuchungen von Fällen haben einen Zusammenhang zwischen einer chiropraktischen Behandlung im Nacken und der Dissektion der zervikalen hirnführenden Arterie vermutet, doch es besteht kein Nachweis eines kausalen Zusammenhangs. Das Forscherteam um Ephraim Church wertete die Evidenz zu diesem Thema aus, indem es eine systematische Sichtung und eine Meta-Analyse der veröffentlichten Daten zu chiropraktischem Eingriff und Dissektion der zervikalen Arterie vornahm. Suchbegriffe wurden systematisch in Suchmaschinen eingegeben. Die darauf ermittelten wissenschaftlichen Artikel wurden von Forschern ausgewertet, nach der Stufe der Evidenz bewertet und in einer Meta-Analyse kombiniert. Das Gesamtergebnis wurde auf Grundlage der GRADE Kriterien ausgewertet. Die Untersuchung stützt sich auf 253 wissenschaftliche Veröffentlichungen. Die Forscher konnten zwei Untersuchungen der Klasse II und vier Untersuchungen der Klasse III identifizieren. Es gab keine Diskrepanz zwischen den Artikelbewertungen. Die Meta-Analyse deckte einen leichten Zusammenhang zwischen chiropraktischem Eingriff und Dissektion der zervikalen Arterie auf. Die Qualität der Artikel auf Grundlage der GRADE Kriterien war sehr niedrig.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Die Qualität der veröffentlichten Literatur zum Zusammenhang zwischen chiropraktischem Eingriff und Dissektion der zervikalen Arterie ist sehr niedrig. Die Analyse zeigte einen schwachen Zusammenhang zwischen chiropraktischem Eingriff und Dissektion der zervikalen Arterie. Dieser Zusammenhang kann durch das hohe Risiko des Bias (systematische Messabweichung, Voreingenommenheit) und Verwechslungen in den verfügbaren wissenschaftlichen Studien und insbesondere betreffend den Zusammenhang zwischen chiropraktischem Eingriff und Dissektion der zervikalen Arterie erklärt werden. Es besteht keine Evidenz für einen kausalen Zusammenhang zwischen chiropraktischem Eingriff und Dissektion der zervikalen Arterie. Die Forscher weisen darauf hin, dass der Glaube an einen kausalen Zusammenhang signifikante negative Konsequenzen wie zahlreiche Episoden von Rechtsstreitigkeiten haben könnte.

Quelle: Church, Ephraim/Sieg, Emily/Zalatimo, Omar/Hussain, Namath/Glantz, Michael/Harbaugh, Robert 2016: Systematic Review and Meta-analysis of Chiropractic Care and Cervical Artery Dissection: No Evidence for Causation, in: Cureus, 8:2, unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4794386/ (abgerufen am 29.3.2017).

Unser Tipp: Wenn ein chiropraktischer Eingriff ratsam ist, ist es wichtig, diesen von einem gut ausgebildeten Behandler, am Besten von einem Chiropraktor mit Universitätsstudium der Chiropraktik an einer öffentlichen und anerkannten Universität, vornehmen zu lassen.

26.04.2017 Ι aus der Forschung