Kann man einen chiropraktischen Eingriff im Gehirn messen? Verändert Chiropraktik die geistige Reaktionszeit? Diesen Fragen ist ein Forscherteam aus Neuseeland nachgegangen.

Zwei Ziele standen im Mittelpunkt der Studie der Forschergruppe um David Kelly von der Universität von Auckland, Neuseeland: Zum einen sollte geprüft werden, ob eine objektive Messung einer chiropraktischen Justierung am Rücken im Gehirn erfolgen kann. Zum anderen sollte untersucht werden, ob die Verarbeitung des Cortex, d. h. der Hirnrinde (gemessen als Reaktionszeit auf eine geistige Rotations-Reaktionszeit-Aufgabe) sich verändert durch eine Justierung der oberen Halswirbelsäule. Die Studie wurde mit 36 Studenten mit klinischer Evidenz einer Dysfunktion der oberen Halswirbelsäule durchgeführt. Die Teilnehmer der Gruppe erhielten eine chiropraktische Justierung an der Halswirbelsäule („high-velocity, low-amplitude upper cervical adjustment“). Eine weitere Gruppe wurde als Kontrollgruppe eingesetzt, um die Verbesserung der geistigen Beweglichkeit als Ergebnis des Eingriffs zu kontrollieren. Die Reaktionszeit bei einer zufällig sich verändernden Winkelorientierung eines Objekts, das entweder normal oder spiegelverkehrt auf einem Computerbildschirm erschien, wurde gemessen. Was war das Ergebnis? Die Forscher konnten bei der Gruppe, die einen chiropraktischen Eingriff erhalten hatte, eine schnellere Reaktionszeit feststellen. Die durchschnittliche Abnahme der Reaktionszeit der psychischen Rotation betrug 98ms. Dies war eine Verbesserung von 14,9%. Dem gegenüber stand die durchschnittliche Abnahme der Reaktionszeit von 58ms bzw. von 8% bei der Kontrollgruppe. Die Differenzwerte für die Gruppe mit chiropraktischem Eingriff waren im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant größer. Die Ergebnisse der Studie zeigten eine signifikante Verbesserung in einer komplexen Reaktionszeitaufgabe nach einer chiropraktischen Justierung an der Halswirbelsäule. Die Ergebnisse weisen nach, dass chiropraktische Behandlungen an der Halswirbelsäule Prozesse der Hirnrinde (Cortex) beeinflussen können.

Quelle: Kelly, David/Murphy, Bernadette/Backhouse, David 2000: Use of a mental rotation reaction-time paradigm to measure the effects of upper cervical adjustments on cortical processing: A pilot study, in: Journal of Manipulative and Physiological Theraupeuts, 23: 4, 246-251, unter: http://www.jmptonline.org/article/S0161-4754(00)90171-4/abstract (abgerufen am 05.12.2016).

05.12.2016 Ι aus der Forschung