Unnötige Behandlungen vermeiden

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften betreibt eine Kampagne mit dem Namen „Gemeinsam klug entscheiden“. Ziel der Kampagne ist, unnötige Behandlungen zu vermeiden. Hintergrund ist, dass in Deutschland täglich Diagnostikmaßnahmen und Therapien durchgeführt werden, ohne dass wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass diese einen Nutzen bringen. Der Grund ist zum einen, dass Ärzte finanzielle Anreize haben, bestimmte Maßnahmen durchzuführen, und dass sie andererseits keinen Fehler machen möchten. Diese unnötigen Maßnahmen belasten das Gesundheitssystem und können dem Patienten teilweise sogar schaden.

„Jedes Gesundheitssystem bietet Anreize. In Deutschland werden viele Patienten bei Rückenschmerzen gleich zum Röntgen oder zum MRT geschickt oder bekommen teure Spritzen. In den meisten Fällen ist in den Spritzen Schmerzmittel drin, so dass die Schmerzen kurzfristig nachlassen, eine Verbesserung des Gesundheitszustandes aber nicht erfolgt. Denn die Ursache wurde nicht behandelt. Kein Wunder, dass die Beschwerden davon mittel- bzw. langfristig nicht weggehen“, so Chiropraktor Alexander Meier. „Patienten mit Fußschmerzen bekommen oft Einlagen verschrieben. Oft wird auch recht bald über die Möglichkeit einer Operation informiert. Um bei Fußschmerzen zu bleiben: Gerade bei Hallux valgus ist eine Operation in Deutschland gängig. Dies kannte ich in dieser Weise aus meiner Arbeit in Dänemark nicht.“

Alexander Meier spricht sich für eine Kampagne „Klug entscheiden“ auch im Bereich von Muskel-Skelett-Krankheiten in Deutschland aus. Die dänische Gesundheitsbehörde hat Nationale Klinische Richtlinien für bestimmten Beschwerden herausgegeben. In den Nationalen Klinischen Richtlinien werden Maßnahmen genannt, die der Behandler bei den jeweiligen Beschwerden und Patientengruppen befolgen sollte. Im Umkehrschluss geben sie Auskunft, welche Maßnahmen er NICHT befolgen sollte. „Dass diagnostische und therapeutische Maßnahmen wissenschaftlich nachweisbare Effekte haben (Evidenz), sollte der Normalfall sein. An der Süddänischen Universität in Odense im Studiengang Klinische Biomechanik wurde sehr viel Wert auf evidenzbasierte Lehre gelegt. Die evidenzbasierte Praxis sollte auf drei Säulen beruhen: auf dem klinischen Fachwissen des Behandlers, auf wissenschaftlichen Studien zu Therapien mit nachweisbaren Effekten und auf Patientenvorstellungen. Davon können Behandler und Patienten nur profitieren“, ist sich Chiropraktor Alexander Meier sicher. Die Richtlinien für Maßnahmen bei bestimmten Beschwerden (z. B. Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, Hüftarthrose) werden von Chiropraktoren in Dänemark angewendet und sind auch Grundlage der Behandlungen im Chiropraktor-Haus.

11.10.2016 Ι aus der Praxis

By | 2016-11-02T08:52:19+00:00 Oktober 11th, 2016|aus der Praxis|0 Comments