Was ein Chiropraktor ist, wissen viele in Deutschland nicht. Hierzulande ist eher der Chiropraktiker bekannt. In der Schweiz sind Chiropraktoren Ärzten gleich gestellt und ihre Leistungen werden von der Versicherung bezahlt. 

In der Schweiz wurde der Berufstand der Chiropraktoren zunächst durch die Gesetzgebung von Kantonen anerkannt. Auf Bundesebene ist die Chiropraktik seit 1964 anerkannt. Seitdem zählen die Leistungen von Chiropraktoren als Pflichtleistungen von Medizinalpersonen. Chiropraktik wird seitdem von der Krankenkasse, von Unfallversicherungen sowie der Invaliden- und Militärversicherungen bezahlt. Eine Überweisung durch eine andere Medizinalperson wie einen Allgemeinmediziner ist nicht nötig.

Seit 1.9.2007 sind Chiropraktoren ins Medizinalberufegesetz aufgenommen. In diesem Gesetz sind die fünf Medizinalberufe Chiropraktor, Arzt, Zahnarzt, Veterinär und Pharmazeut geregelt. Chiropraktoren sind in der Schweiz in Rechten und Pflichten einem Arzt gleich gestellt.

Die Universität Zürich bietet seit dem Jahr 2008 ein Chiropraktikstudium an. Zuvor mussten angehende Chiropraktoren im Ausland studieren. Das Bundesamt für Gesundheit der Schweiz hat eine Liste von Universitäten, deren Chiropraktikstudium als Zulassung für die Fachprüfung in der Schweiz anerkannt ist, veröffentlicht. An der Universität Zürich sind die ersten drei Studienjahre identisch mit dem Studium der Humanmedizin. Der Masterstudiengang „Chiropraktische Medizin“ umfasst spezifische chiropraktische Kenntnisse und Fertigkeiten. Das letzte Studienjahr ist der klinischen Ausbildung gewidmet: Die Studierenden verbringen fünf Monate in einem Rotationssystem in den Abteilungen Orthopädie, Rheumatologie, Paraplegie, Radiologie und Innere Medizin, bevor sie dann sechs weitere Monate an der Poliklinik für Chiropraktische Medizin an der Universitätsklinik Balgrist im Einsatz sind. Der Abschluss des Studiums berechtigt zur unselbstständigen Ausübung des Berufs des Chiropraktors (als Angestellter). An das Studium schließt sich eine obligatorische zweijährige Weiterbildung an der Schweizerischen Akademie für Chiropraktik an, die mit der Fachprüfung in Chiropraktik abgeschlossen wird. Das Bestehen der Fachprüfung berechtigt zur selbstständigen Berufstätigkeit als Fachchiropraktor (zum Beispiel in eigener Praxis).

In der Schweiz gibt es ca. 250 Chiropraktoren. Diese heben sich von Chiropraktoren in anderen Staaten dadurch ab, dass ein hoher Anteil von Patienten von anderen medizinischen Spezialisten überwiesen wird, dass Patienten sich im Allgemeinen mit akuten Beschwerden vorstellen, dass es in der Schweiz eine hohe Anforderung an Fortbildung gibt und dass weniger diagnostische Aufnahmen (wie Röntgenaufnahmen) im Vergleich zu den USA gemacht werden.

Quelle:

Universität Zürich 2016: Chiropraktikstudium, http://www.med.uzh.ch/de/Medizinstudium/chiropraktikstudium.html (abgerufen am 27.9.16).

Swiss Chiropractic Academy 1016: History of Chiropractic in Switzerland, https://www.swiss-chiropractic-academy.ch/#/history (abgerufen am 27.9.2016).

Humphreys, Barry Kim/Peterson, Cynthia/Muehlemann, Daniel/Haueter, Priska 2010: Are Swiss chiropractors different than other chiropractors? Results of the job analysis survey 2009., in: Journal of Manipulative and Phsysiological Therapeutics, 33:7, 519-535, http://www.jmptonline.org/article/S0161-4754(10)00189-2/fulltext (abgerufen am 27.9.2016).

27.09.2016 Ι aus der Praxis