Weniger Schmerzmittel bei vielen Chiropraktoren

Wo mehr Chiropraktoren sind, werden weniger Schmerzmittel verschrieben – das hat eine Studie in den USA herausgefunden. Die Forscher geben Empfehlungen an die staatliche Krankenkasse in den USA.

Hat die Dichte von Chiropraktoren Auswirkungen auf die Einnahme von Schmerzmitteln? Besteht ein Zusammenhang zwischen der Dichte von Chiropraktoren und den Ausgaben von Medicare für Chiropraktik und der Verwendung von Opiaten? Dieser Frage sind die Forscher William Weeks und Christine Goertz nachgegangen.

Medicare ist die staatliche Krankenversicherung in den USA für Personen ab 65 Jahren oder behinderte Personen jeden Alters. In den USA gibt es einen sehr hohen und steigenden Gebrauch von Opiaten, das heißt von starken Schmerzmitteln, worunter auch Morphium fällt. Opiate machen abhängig und ihre Wirkung lässt durch Gewöhnung nach, so dass für den selben schmerzstillenden Effekt eine immer höhere Dosis eingenommen werden muss. Steigende Zahlen von Behinderungen wegen Rücken- und Nackenbeschwerden gehen mit einem hohen Gebrauch von Opiaten von solcher Art behinderten Patienten einher. Es gibt viele Anlaufstellen, um sich Opiate verschreiben zu lassen. Internisten und Hausärzte stellen über die Hälfte der Opiate-Rezepte aus. Chiropraktoren behandeln Rücken- und Nackenbeschwerden und verschreiben keine Medikamente.

Die Forscher nahmen folgendes an: Eine höhere Dichte von Chiropraktoren sollte mit einer geringeren Inanspruchnahme von Hausärzten bei Rücken- und Nackenbeschwerden einhergehen und damit auch mit weniger Verschreibungen von Opiaten. Das Ziel der Studie war es, festzustellen, ob diese Annahme stimmt. Die Forscher griffen auf Daten regionaler Krankenhäuser und auf Medicare-Daten zurück. Die Daten umfassten die gesamte USA.

Was war das Ergebnis der Studie? Ein höhere Dichte an Chiropraktoren und höhere Ausgaben für Chiropraktik durch Medicare gingen einher mit weniger jungen, behinderten Patienten, denen ein Opiat-Rezept ausgestellt wurde.

Mit Blick auf die Studienergebnisse empfahlen die Forscher, dass Medicare als ersten Behandlungsschritt über chiropraktische Behandlungen nachdenken sollte, da eine alternative Behandlung zu einer Verschreibung von Opiaten führen kann. Eine Priorisierung von Chiropraktik hätte folgende Vorteile:

  • sie könnte helfen, den Gebrauch von Opiaten und damit die Gesundheitsausgaben zu reduzieren,
  • der Hausarztsektor würde entlastet,
  • die Gesundheitsausgaben würden reduziert, da ein Zusammenhang zwischen einer anfänglichen chiropraktischen Behandlung bei Rückenschmerzen und der Behindertenquote ein Jahr nach der Verletzung bestehe und
  • die Gesundheitskosten würden reduziert, da ein Zusammenhang zwischen der Vermeidung des Gebrauchs von Opiaten und geringeren Behindertenquoten innerhalb eines Jahr nach der Verletzung bestehe.

Quelle: Weeks, William/Goertz, Christine 2016: Cross-Sectional Analysis of Per Capita Supply of Doctors of Chiropractic and Opioid Use in Younger Medicare Beneficiaries, in: Journal of Manipulative and Physiological Therapeutics, 39: 4, 263-266, unter:  http://www.jmptonline.org/article/S0161-4754(16)00063-4/fulltext (abgerufen am 22.09.2016).

22.09.2015 Ι aus der Forschung

By | 2016-11-02T08:52:19+00:00 September 22nd, 2016|aus der Forschung|0 Comments