Spritzen oder Chiropraktik? Was ist effektiver bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule? Diesen Fragen sind Forscher der Universität Zürich nachgegangen.

Die Forschergruppe um Cynthia Peterson von der Universität Zürich untersuchte Patienten mit einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule. Das Ziel der Studie war ein Vergleich der Ergebnisse der Gesamtverbesserung, Schmerzreduktion und Behandlungskosten bei einer Behandlung durch einen Chiropraktor oder bei einer Behandlung mit einer Injektion (Spritze) in die Nervenwurzel der Halswirbelsäule. An der Studie nahmen 104 Patienten teil. 52 Patienten wurden chiropraktisch, 52 Patienten wurden mit Spritze behandelt. Die Schmerzintensität wurde zu Beginn der Studie aufgezeichnet. Drei Monate später wurde die Schmerzintensität erneut abgefragt und die Verbesserung mit Hilfe der Skala des Patienteneindrucks des Wandels (Patient Global Impression of Change scale) gemessen. Nur Antworten wie „viel besser“ oder „besser“ wurden als eine Verbesserung gewertet. Der Anteil der Patienten mit einer Verbesserung wurde für jede Behandlungsmethode berechnet und verglichen. Die Verbesserungswerte für die chiropraktische Behandlung und für die Spritze wurden verglichen für die Ausgangsposition und nach drei Monaten. Akute und chronische Patienten in den beiden Gruppen wurden auf Verbesserung verglichen.

Zu welchem Ergebnis kamen die Forscher? Eine Verbesserung wurde bei 86,5% der Patienten, die chiropraktisch behandelt wurden, und bei 49,0% der Patienten, die eine Injektion in die Nervenwurzel erhielten, festgestellt. Signifikant mehr Patienten mit Spritzen waren chronische Patienten (77%). Von den Patienten, die eine chiropraktische Behandlung bekamen, waren 46% chronische Patienten. Ein signifikanter Unterschied zwischen den Patienten, die über eine Verbesserung berichteten, wurde zwischen chronischen Spritzenbehandlungs-Patienten (37,5%) und chiropraktisch behandelten Patienten (78,3%) festgestellt. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass chronische Patienten, die chiropraktisch behandelt wurden, signifikant wahrscheinlicher über eine Verbesserung ihres gesundheitlichen Zustandes berichteten als Patienten, die eine Spritze in den Nerv bekamen. Wurden nur Patienten mit akuten Schmerzen betrachtet, gab es keine Unterschiede im Ergebnis, so die Forscher.

Quelle: Petersen, Cynthia/Pfirrmann, Christian/Hodler, Jürg/Leeman, Serafin/Schmid, Christof/Anklin, Bernard/Humphreys, Kim 2016: Symptomatic, Magnetic Resonance Imaging–Confirmed Cervical Disk Herniation Patients: A Comparative-Effectiveness Prospective Observational Study of 2 Age- and Sex-Matched Cohorts Treated With Either Imaging-Guided Indirect Cervical Nerve Root Injections or Spinal Manipulative Therapy, in: Journal of manipulative and physiological therapeutics, 39: 3, 210-217, http://www.jmptonline.org/article/S0161-4754(16)00051-8/abstract (abgerufen am 22.8.2016).

23.08.2016 Ι aus der Forschung