DSCN9210Beeinflusst die Psyche Nackenschmerzen? Dieser Frage ging eine Forschergruppe der Universität Zürich nach.

Der Einfluss von psychologischen Faktoren auf akute Nackenschmerzen wurde bisher kaum wissenschaftlich untersucht. Die Studie um Brigitte Wirth, Kim Humphreys und Cynthia Peterson von der Poliklinik für Chiropraktische Medizin in Zürich ging nun den folgenden Fragen nach:

  • Wie entwickeln sich verschiedene psychologische Faktoren in den ersten drei Monaten von akuten Nackenschmerzen?
  • Wie beeinflussen diese psychologischen Faktoren die selbst wahrgenommene Genesung?

Die Studie basiert auf Patientenbefragungen in verschiedenen Chiropraktor-Praxen in der Schweiz im Zeitraum von 2010 bis 2014. Erfahrungen von 103 Patienten mit einer ersten Episode von akuten Nackenschmerzen (weniger als vier Wochen) gingen in die Studie ein. Vor ihrer ersten Behandlung füllten die Patienten den Bournemouth Fragebogen aus. Dieser multi-dimensionale Fragebogen ist ein Standardfragebogen in der Forschung mit Patienten und fragt nach den Ergebnissen der Behandlung für das tägliche Leben des Patienten (Schmerz, Einschränkung, kognitive und affektive Bereiche). Diesen Fragebogen füllten die Untersuchungsteilnehmer erneut nach einer Woche sowie nach einem und nach drei Monaten zusammen mit dem „Patient Global Impression of Change (PGIC)“ aus, einem Fragebogen, der nach der Effektivität der Behandlung aus Sicht des Patienten fragt. Die Faktoren Angst, Depression, Angst-Vermeidung sowie Schmerzort wurden aus dem Bournemouth Fragebogen herausgefiltert und über Zeit betrachtet sowie der Einfluss dieser Werte auf den PGIC untersucht.

Was ist das Ergebnis der Forschergruppe? Alle psychologischen Faktoren gingen im ersten Monat signifikant zurück. Der Parameter „Angst“ war verbunden mit dem wahrgenommenen Behandlungsergebnis nach einem und nach drei Monaten. Depression, aber nicht Angst war ein Anzeichen für ein schwaches wahrgenommenes Behandlungsergebnis. Eine hohe Reduzierung von Angst im ersten Monat war ein signifikantes Anzeichen für ein günstiges wahrgenommenes Behandlungsergebnis nach dem ersten Monat. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass psychologische Faktoren relevante Einflussgrößen in der frühen Phase von akuten Nackenschmerzen sind. Insbesondere bestehende Angst und Depression als Ausgangspunkt kann ein Risikofaktor für den Übergang von akuten zu chronischen Nackenschmerzen sein. Daher sollte dies in frühzeitig in der Behandlung berücksichtigt werden.

Quelle: Wirth, Brigitte/Humphreys, Kim/Peterson, Cynthia 2016:  Importance of psychological factors for the recovery from a first episode of acute non-specific neck pain – a longitudinal observational study, in Chiropractic & Manual Therapies 24:9, https://chiromt.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12998-016-0090-2 (abgerufen am 14.07.2016).

29.07.2016 Ι aus der Forschung