Keine Hinweise auf höheres Risiko für einen Schlaganfall nach Behandlung durch einen Chiropraktor im Vergleich zum Allgemeinmediziner.

Eine Forschergruppe um David Cassidy hat in einer Studie den Zusammenhang zwischen Schlaganfällen und Behandlungen durch Ärzte und durch Chiropraktoren untersucht.  Als Schlaganfall wird eine Störung der Gehirnfunktion aufgrund einer Durchblutungsstörung bezeichnet. Zu Chiropraktoren gehen oft Menschen mit Kopfschmerzen und Nackenschmerzen. Kopfschmerzen und Nackenschmerzen sind oftmals Symptome bei einer Beeinträchtigung der Arteria basilaris, die im Allgemeinem einem Schlaganfall vorausgeht. Die Studie von David Cassidy und seinen Kollegen basiert auf einer Auswertung der Fälle von Menschen, die einen Schlaganfall erlitten, und deren Behandlungen bei Allgemeinmedizinern und bei Chiropraktoren im Zeitraum von einem Jahr vor dem Eintritt des Schlaganfalls. Die untersuchten Fälle waren Schlaganfälle, die im Krankenhaus von Ontario im Zeitraum von 1. April 1993 bis 31. März 2002 registriert wurden. 818 Schlaganfälle wurden bei 100 Millionen Menschen-Jahren im Krankenhaus von Ontario registriert.

Was stellte die Forschergruppe fest? Bei Menschen unter 45 Jahren war es drei Mal so wahrscheinlich, dass diese vor ihrem Schlaganfall einen Allgemeinmediziner oder einen Chiropraktor aufsuchten. Es gibt nach den Forschungsergebnissen keinen stärkeren Zusammenhang zwischen Vorstellungen beim Chiropraktor und Schlaganfällen bei über 45-Jährigen. Bei Vorstellungen bei Allgemeinmedizinern und Schlaganfällen wurden positive Zusammenhänge festgestellt, und zwar in allen Altersgruppen. Besuche bei einem Allgemeinmediziner im Zusammenhang mit Kopfschmerzen und Nackenschmerzen waren mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mit einem nachfolgenden Schlaganfall verbunden.

Das höhere Risiko für einen Schlaganfall, der im Zusammenhang mit Vorstellungen bei Chiropraktoren und Allgemeinmedizinern steht, ist höchstwahrscheinlich Patienten mit Kopfschmerzen und Nackenschmerzen, die von einer Beeinträchtigung der Arteria basilaris kommen, geschuldet. Diese Patienten suchten aufgrund ihrer Symptome medizinische Hilfe vor ihrem Schlaganfall. Das Forscherteam kam zu folgendem Ergebnis: Es bestehen keine Anhaltspunkte für ein höheres Risiko für einen Schlaganfall bei einer Behandlung durch einen Chiropraktor als bei einer Behandlung durch einen Allgemeinmediziner.

In Deutschland erleiden jedes Jahr circa 260.000 Menschen einen Schlaganfall (vgl. Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft 2016).

Quelle: Cassidy, David J./ Boyle, Eleanor/ Côté, Pierre/He, Yaohua/Hogg-Johnson, Sheilah/Silver, Frank/Bondy, Susan 2008: Risk of Vertebrobasilar Stroke and Chiropractic Care. Results of a Population-Based Case-Control and Case-Crossover Study, in: Eur Spine J. 2008 Apr; 17 (Suppl 1): 176–183, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2271108/ (abgerufen am 29.06.2016). 

Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft 2016: Versorgung des ischämischen Schlaganfalls in Deutschland gehört in die Hände der neurologischen und neuro-/radiologischen Facharztdisziplinen, http://www.dsg-info.de/nachrichten/alle-nachrichten.html?id=457 (abgerufen am 07.07.2016).

07.07.2016 Ι aus der Forschung