Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen nützt Paracetamol nichts bei Patienten, die an Knie- und Hüftarthrose leiden. Schon in den letzten Jahren wurde zunehmend infrage gestellt, dass Paracetamol bei Schmerzen im Bewegungsapparat eine schmerzstillende Wirkung hat. In einer klinischen Studie aus dem Jahr 2014 hatte Paracetamol keine Wirkung bei Schmerzen im Lendenwirbelbereich (akute Lumbalgie) gezeigt. Bereits eine Untersuchung aus dem Jahr 2015 stellte die Wirkung bei Knie- und Hüftarthrose in Frage. Eine Studie der Universität Bern wertete nun Daten aus 74 Studien mit 58.556 Patienten, die 22 medikamentöse Therapien und eine Placebobehandlung in Bezug auf Schmerzreduktion und Verbesserung der Bewegungseinschränkung beinhalteten, aus. Die Therapien basierten auf unterschiedlichen Dosierungen von Paracetamol und von nicht-steroidalen Antirheumatika, zu denen auch Diclofenac gehört. Das Ergebnis: Paracetamol schnitt in den meisten Vergleichen am Schlechtesten ab. Sogar bei einer Dosis von 3.000mg/Tag (ab 4.000mg/Tag ist es für die Leber bedenklich) war das Medikament nur bei 21 % der Patienten wirksam. Bei einer Dosis unter 2.000mg/Tag hatte der Wirkstoff nur auf 4 % der Patienten eine Wirkung. Die Forscher sahen daher keine bedeutende Rolle von Paracetamol bei Arthrose – unabhängig von der Dosis. Da hilft dann auch nicht, dass der Wirkstoff keine Risiken für Magenblutungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen birgt. Ist Diclofenac eine Alternative? Diclofenac erzielte ab einer Dosis von 150mg/Tag bei 100 % der Patienten eine Wirkung. Damit sei Diclofenac das derzeit wirkungsvollste nicht-steriodale Antirheumatikum – sowohl bei der Schmerzreduzierung als auch bei der Verbesserung der Beweglichkeit, so die Forscher. Unbedenklich ist Diclofenac jedoch auch nicht: Der Wirkstoff erhöht das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, was für die zumeist älteren Arthrose-Patienten nicht gut sei, so das Deutsche Ärzteblatt. Die Arzneimittelbehörden raten daher, die Anwendungsdauer von Diclofenac vor allem in hohen Dosen zu begrenzen.

Quelle: da Costa et al. 2016: Effectiveness of non-steroidal anti-inflammatory drugs for the treatment of pain in knee and hip osteoarthritis: a network meta-analysis; The Lancet;  http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(16)30002-2/abstract (abgerufen am 21.03.2016); Deutsches Ärzteblatt vom 18.03.2016, http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/66079 (abgerufen am 21.03.2016).

21.03.2016 Ι aus der Forschung